Pro FJB: Was ein Käfer mit dem Zug zu tun hat. Borkenkäfer & Franz Josefs-Bahn: Gerald Hohenbichler über einen gemeinsamen Nenner – den Klimawandel.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 14. Juli 2019 (04:20)
Widhalm
Gerald Hohenbichler in Slavonice, wo die Ampeln in Richtung Waldviertel rot leuchten. Er fordert dazu auf, mehr auf Schiene zu setzen und vorhandene Ressourcen für Fracht und Personen zu nutzen und auszubauen.

Die Region kennt Gerald Hohenbichler, selbst im Weinviertel ist er nicht unbekannt. Er setzt sich in erster Linie für eine Aufwertung der Franz Josef-Bahn (FJB) für den internationalen, aber auch regionalen Zugverkehr ein. Das letzte Telefonat aber mit ihm hatte einen ganz anderen Schwerpunkt: den Borkenkäfer.

„Das ist erschreckend schockierend, wie stark befallen die Wälder im Waldviertel sind“, ist er betroffen über braune Flecken, die zunehmenden Kahlflächen und die größer werdenden Holzlagerungsplätze. Er befürchtet, dass die Spirale nach unten kaum mehr aufzuhalten sei. Und wenn er auf seiner Fahrt durch die Bezirke – diesmal mit dem Auto – Lastkraftwagen sieht, die Holz oder andere Güter transportieren, dann greift er sich immer wieder auf den Kopf.

„Bei der Waldviertel-Autobahn muss erst die Trasse gesucht werden. Sie wird den Klimawandel nochmals negativ beeinflussen.“Gerald Hohenbichler

Der gebürtige Waldviertler lotst die NÖN über die Grenze nach Slavonice zum Bahnhof, daneben ist ein Holzlagerplatz. Hohenbichler habe beobachtet, dass die Stämme auf Lkws verladen und durchs Waldviertel zu Sägewerken transportiert werden. Warum werde nicht die Thayatalbahn genutzt? Diese Frage stellte er sich immer wieder, stattdessen leuchten die Ampeln rot.

Die Kosten für den Lkw-Transport kommen Betrieben günstiger als für den Zug. Hohenbichler spricht von Wettbewerbsverzerrung, wenn er daran denkt, wie viel Lkw-Fahrer aus Tschechien oder anderen Ländern bezahlt bekommen. Etwaige Kostenfaktoren werden nicht einberechnet, wenn zum Beispiel eine neue Straße gebaut oder verbreitert werden muss.

Der frühere ÖBB-Mitarbeiter ist sich sicher: Ein Schienennetz auszubauen ist günstiger. „Bei der Waldviertel-Autobahn muss erst die Trasse gesucht werden und sie wird den Klimawandel nochmals negativ beeinflussen“, führt Hohenbichler aus. Die Politik müsse angesichts des Klimawandels, der mit der Trockenheit und der damit einhergehenden Borkenkäfer-Plage längst das Waldviertel erreicht hat, endlich mehr auf Schiene setzen. „Ich bin kein Verhinderer“, betont er. Straße und Bahn können parallel zueinander entwickelt werden. Warum nicht Ressourcen (sprich: Schienen) nutzen, die schon da sind?

Er beschreibt die konkreten Ideen, die er schon lange mit der Initiative „Pro FJB“ verfolgt: eine regelmäßige Direktverbindung von Wien über Gmünd bis nach Budweis zum Beispiel. Tschechien investiere gerade in eine Hochleistungsstrecke von Budweis bis Prag. Man könnte daran, 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhanges, im Waldviertel anknüpfen.

Gesamtkonzept gefordert

Fahrgäste legen derzeit überdurchschnittlich lange Strecken zurück und sind wegen der niedrigen Geschwindigkeit und der vielen Halte nochmals benachteiligt. Ein wichtiges Ziel sei, dass eine Geschwindigkeit von 160 Kilometer pro Stunde erreicht werden kann. Ein zweites Gleis könnte den Parallelverkehr von schnellen Verbindungen und Zügen, die alle Haltestelle anfahren, ermöglichen.

Man müsste an den Busverkehr anknüpfen. Die Stadt Horn könnte eingebunden und Kurven könnten mit neu gebauten Teilstrecken (Allentsteiger Knie) verkürzt werden, ohne die regionalen Stränge komplett fallen zu lassen.

„Micro Terminals“, etwa im Knotenpunkt Vitis, könnten Betrieben mithilfe von Lkws den Zugang zum Bahnverkehr erleichtern. Kurzum: „Pro FJB“ fordert ein Gesamtkonzept für die „Franzl-Bahn“, sowohl für den Frachttransport, als auch für Touristen und Pendler. Hohenbichler sieht hier eine große Chance fürs Waldviertel, das wirtschaftlich und touristisch gestärkt werden könnte. Das Wohnen und Arbeiten in der Region wäre seines Erachtens dann attraktiver – ohne die Umwelt noch mehr zu belasten.