Cesar-Filmpreise an "Die Wütenden" und Polanski. Das Sozialdrama "Die Wütenden" hat den französischen Filmpreis Cesar als bester Film gewonnen.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 29. Februar 2020 (06:34)
"Die Wütenden" als Bester Film: Regisseur Ladj Ly bei Dankesrede
APA/Ag.

Die Produktion von Regisseur Ladj Ly beschreibt den Alltag aus Gewalt und Rassismus in einem Pariser Vorort. Der Preis für die beste Regie ging an "Intrige" von Roman Polanski.

Bei der Verleihung des renommierten Filmpreises am Freitagabend in Paris war der französisch-polnische Regisseur nicht dabei. Wegen der anhaltenden Kritik rund um die Cesar-Nominierungen - das Polanski-Historiendrama war in zwölf Kategorien im Rennen - hatte der 86-Jährige seine Teilnahme an der Zeremonie abgesagt.

Aus Protest gegen den Regiepreis verließen einige Zuschauer den Saal, darunter die Schauspielerin Adele Haenel. Eine Auszeichnung an Polanski wäre so, als würde man allen Missbrauchsopfern ins Gesicht spucken, hatte Haenel der "New York Times" vor wenigen Tagen gesagt. Vor dem Erscheinen des Films hatte die Fotografin und Schauspielerin Valentine Monnier Polanski in einem Medienbericht beschuldigt, sie 1975 vergewaltigt zu haben.

Die 31-jährige Haenel wirft Frankreich vor, die "MeToo-Debatte" verschlafen zu haben. Sie selbst hatte Anklage gegen den Regisseur Christophe Ruggia erhoben. Sie beschuldigt ihn, sie als Minderjährige beim Dreh zu ihrem ersten Film "Les Diables" (Kleine Teufel) wiederholt sexuell belästigt zu haben.

Vor Beginn der Zeremonie demonstrierten mehrere Hundert Menschen, vor allem Frauen, gegen die Nominierung des Polanski-Films (im Original "J'accuse") über den jüdischen Offizier Alfred Dreyfus, der 1894 zu Unrecht wegen Landesverrats verurteilt worden war. Schon im November war es bei einer Premiere in Paris zu Protesten gekommen. Mehrere Frauen blockierten den Zugang zu einem Kino. Im Vorfeld der Gala hatte sich unter anderem auch der französische Kulturminister Franck Riester gegen eine die Auszeichnung für Polanski ausgesprochen.

Polanski sieht sich als Opfer einer "Lynchjustiz" von Feministinnen. Vor dem Kinostart von "Intrige" hatte ihm ein früheres Model vorgeworfen, sie 1975 vergewaltigt zu haben. Der Filmemacher bestreitet dies, ebenso wie ähnliche Vorwürfe von fünf weiteren Frauen, darunter die frühere deutsche Schauspielerin Renate Langer. In den USA wird Polanski weiter wegen Missbrauchs einer Minderjährigen in den 70er Jahren gesucht, den er auch eingeräumt hat.

Die oscarprämierte Gesellschaftssatire "Parasite" des südkoreanischen Regisseurs Bong Joon-ho gewann den Cesar als bester Auslandsfilm. Bei der Verleihung war der Regisseur nicht anwesend. Der Film erzählt die Geschichte einer Familie aus der südkoreanischen Unterschicht, die sich als Hausangestellte in einer reicheren Familie einschleicht. Der Film wurde Anfang Februar mit vier Oscars ausgezeichnet, darunter den für den besten Film, den besten ausländischen Film und die beste Regie. In Cannes gewann die Satire 2019 die Goldene Palme.

Der Streit um Polanski hatte die Akademie für den Filmpreis in eine Krise gestürzt - ihre Direktion trat vor rund zwei Wochen kollektiv zurück. Der Cesar ist Frankreichs nationaler Filmpreis, benannt nach dem Bildhauer Cesar Baldaccini. Der "französische Oscar" wird seit 1976 verliehen.

Überschattet war die 45. Cesar-Verleihung auch von dem Rücktritt der 21-köpfigen Akademie-Spitze vor rund zwei Wochen. Mehr als 400 Film-Vertreter hatten ihr Intransparenz und autoritäre Strukturen vorgeworfen. Sie war aber auch unter Beschuss geraten, weil sie Polanskis "Intrige" in zwölf Kategorien nominiert hatte. Ende April sollen neue Statuten beschlossen und eine Übergangsleitung gewählt werden.