Ausland

Erstellt am 13. Dezember 2018, 21:49

von APA Red

Mutmaßlicher Straßburg-Attentäter ist tot. Die französische Polizei hat den Attentäter von Straßburg nach Angaben aus Ermittlerkreisen erschossen. Cherif Chekatt wurde demnach am Donnerstagabend bei einer Razzia im Viertel Neudorf südöstlich des Straßburger Zentrums getötet. Dorthin war Chekatt am Dienstag nach dem Anschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt geflohen, bei dem insgesamt drei Menschen getötet worden waren.

Die Trauer um die Opfer ist groß  |  APA/ag./dpa

Unter den Todesopfern ist ein 45 Jahre alter Tourist aus Thailand, wie das Außenministerium in Bangkok bestätigte. Nach französischen Medienberichten wurde außerdem ein Franzose getötet, der gerade vor einem Restaurant auf seine Familie wartete.

Unter den Opfern ist zudem ein Straßburger mit afghanischen Wurzeln. Die Moschee Eyyub Sultan de Strasbourg bestätigte der dpa, dass er in den kommenden Tagen beerdigt werde. Ein viertes Opfer ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft hirntot. Das bedeutet, dass die Funktionen des Gehirns unwiederbringlich ausgefallen sind. Die Atmung und der Herzschlag können künstlich aufrechterhalten werden.

Der traditionelle Weihnachtsmarkt im Herzen Straßburgs soll am Freitag wieder für Besucher geöffnet werden. Das kündigte der französische Innenminister Christophe Castaner am Donnerstagabend in der elsässischen Metropole an.

Deutsche Behörden hatten Chekatt bereits Ende 2016 eine "hohe kriminelle Energie" bescheinigt. Die Verurteilung wegen schwerer Einbrüche offenbare "eine von rücksichtslosem Profitstreben geprägte Persönlichkeitsstruktur" und lasse annehmen, dass er "in Zukunft Straftaten ähnlicher Art und Schwere begehen" werde. Das geht aus der Anordnung des Regierungspräsidiums Freiburg für die Abschiebung aus der Haft hervor. Die Abteilung für Bevölkerungsschutz des Regierungspräsidiums hatte auch ein Einreise- und Aufenthaltsverbot für Chekatt für die Dauer von zehn Jahren festgelegt.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach den Opfern und Familien am Donnerstag in Brüssel erneut die Solidarität der gesamten Nation aus. "Es war nicht nur Frankreich, das getroffen wurde - eine französische Stadt, unsere Bürger -, sondern es war genauso eine große europäische Stadt, die vor einigen Tagen tödlich getroffen wurde."

Die französische Regierung rief wegen des Anschlags die Protestbewegung der "Gelbwesten" zum Verzicht auf weitere Demonstrationen auf. Regierungssprecher Benjamin Griveaux appellierte am Donnerstag im Sender CNews an die Aktivisten, "am Samstag vernünftig zu sein und nicht demonstrieren zu gehen". Er begründete dies mit der Belastung der Sicherheitskräfte durch das Attentat.

Dem Appell der Regierung an die "Gelbwesten" schloss sich auch die gemäßigte Gewerkschaft CFDT an. Deren Chef Laurent Berger sagte, die Demonstranten würden den Polizisten sonst zu viel aufbürden.

Viele "Gelbwesten" wollen trotz des Attentats am Samstag auf die Straße gehen, da ihnen die Zugeständnisse der Regierung nicht ausreichen. Moderate Vertreter rufen dagegen zu einem vorläufigen Proteststopp auf. In den vergangenen Wochen war es unter anderem in Paris zu massiven Zusammenstößen mit der Polizei gekommen.

Ein Misstrauensantrag der politischen Linken gegen Frankreichs Mitte-Regierung ist unterdessen gescheitert. Lediglich 70 der zusammen 577 Abgeordneten der Nationalversammlung stimmten für den Antrag, wie das Unterhaus des französischen Parlaments am Donnerstagabend mitteilte.