Commerzialbank: Weitere Details zu Whistleblower-Tipps

Ein Informant aus der Mattersburger Commerzialbank hat sich im Jahr 2015 mit Tipps zu den Malversationen an die Behörden gewandt. Nun gibt es laut ORF weitere Details zu den Hinweisen.

APA / NÖN.at Erstellt am 21. August 2020 | 13:21
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Die Bank als Selbstbedienungsladen
Die Bank als Selbstbedienungsladen
Foto: APA

Der Mann oder die Frau meldete sich am 2. Juli 2015 schriftlich bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA). Der Informant wies die Behörden auf die Unregelmäßigkeiten in der Bank hin.

"Vorstandsvorsitzender Martin Pucher schafft seit Jahren Millionen zur Seite. ... Dieses Geld wird verwendet ... im Fußballverein Mattersburg ... sowie zur persönlichen Bereicherung." Über die weiteren Details zu den Whistleblower-Tipps berichtete zuerst der ORF Burgenland und in weiterer Folge die "ZIB" und das Ö1-"Morgenjournal" des ORF-Radio. Der ORF beruft sich auf Ermittlungsakten.

Der Informant beschrieb wie der damalige Commerzialbank-Chef Pucher vorging: "Zu diesem Zweck hat er falsche Konten angelegt. Die lauten zwar auf den Namen von physischen ... Personen. Diese haben jedoch keine Ahnung ... und wissen auch nicht, dass 'ihre' Konten heillos überzogen sind ... mit 6- oder 7-stelligen Beträgen". Er wies außerdem darauf hin, dass diese Fake-Konten zwei besondere Merkmale hätten: Die Familiennamen seien in Großbuchstaben geschrieben, während die normalen immer klein geschrieben werden und die ersten beiden Ziffern der Kontonummer seien immer 58 - versteckte, interne Codes, von denen einige Bankmanager Kenntnis hätten.

Die WKStA reagierte am Folgetag und verlangte weitere Auskünfte zu den "falschen Konten". Er habe leider keine präzise Zahl, schrieb der Whistleblower. "Es sollte doch mit meiner Information ein Leichtes sein, ... die Konten zu finden und die 'Kontoinhaber' zu kontaktieren?", so der Tippgeber. Der Schriftverkehr zwischen der Staatsanwaltschaft und dem Informanten ging einige Male hin und her. Die Staatsanwaltschaft gab dann diese Informationen an die Finanzmarktaufsicht (FMA) weiter. Die FMA und die OeNB-Bankprüfer konnten damals die anonymen Vorwürfe nicht verifizieren.

Für die SPÖ Burgenland ist nun eine Aufklärung auf Bundesebene unabdingbar, so Klubchef Robert Hergovich am Freitag. Nach Medienberichten, wonach laut Ex-Bankchef Martin Pucher auch ein Aufsichtsrat der Bank Geld bekommen haben soll, um Fake-Kredite zu decken, stelle sich die Frage: Wer ist dieser Aufsichtsrat und gibt es hier bereits eine Anzeige?"

"Es muss aufgedeckt werden, wie es jahrzehntelang möglich war, als Chef einer regionalen kleinen Bank einen Schaden von fast 700 Millionen Euro anzurichten - ohne dass trotz so detaillierter Hinweise bei den zuständigen Behörden alle Alarmglocken geschrillt haben. Wo waren Finanzmarktaufsicht, Staatsanwaltschaft und Nationalbank? Diese Fragen müssen geklärt werden", forderte Hergovich.

Dass es schon vor fünf Jahren Hinweise zu Betrügereien in der Commerzialbank gegeben haben soll, beschäftigt auch die ÖVP. "Was wusste das Land bereits im Jahr 2015?", fragte ÖVP-Klubobmann Markus Ulram. 2015 habe das Land Burgenland versucht, die Aufsichtspflicht über die Kreditgenossenschaft, die Mehrheitseigentümer der Commerzialbank war, loszuwerden. Das gehe aus einem Schreiben der Finanzabteilung an den Rechtsvertreter der Commerzialbank Kreditgenossenschaft hervor. "Waren die kriminellen Vorgänge in der Commerzialbank möglicherweise schon damals bekannt?", so Ulram. Es frage sich auch, warum das Land die Prüfberichte der Genossenschaft nicht endlich offenlege.