Sorge über britische Mutation in Österreich. Die britische Corona-Mutation breitet sich in Österreich weiter aus. Laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) werden mittlerweile 70 Verdachtsfälle auf die in Großbritannien entdeckte Coronavirus-Mutation B.1.1.7. in Österreich geprüft.

Von APA / NÖN.at. Update am 13. Januar 2021 (17:24)
Bild von der Gemeinde Jochberg
APA

Betroffen sind zunächst 42 Fälle in einem Wiener Seniorenheim, 17 im Tiroler Skigebiet in Jochberg und drei Fälle im Burgenland. Bei wem es sich bei den restlichen acht Betroffenen handelt, war bis Mittwochnachmittag unklar.

"Es handelt sich um ein dynamisches Geschehen", hieß es aus dem Gesundheitsministerium. Im Zuge dessen wurden acht weitere Proben zur Sequenzierung zur Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) gebracht. Ob es Kontaktpersonen der bereits bekannten Fälle waren oder nicht, war nicht bekannt.

Wie Anschober in Beantwortung einer Dringlichen Anfrage der SPÖ im Nationalrats sagte, werden alleine diese Woche 1.800 Sequenzierungen vorbereitet, um Viren auf Mutationen zu überprüfen. Angesichts der besonders ansteckenden neuen Variante des Virus erwartet er nun die "schwierigste Phase der Pandemie". Bei der britischen Mutation kämen auf zehn Infizierte 15 neue Ansteckungen, betonte Anschober. "So ist Irland erklärbar, so sind die alarmierenden Zahlen in der Slowakei erklärbar", sagte Anschober mit Verweis auf die dort stark steigenden Infektionszahlen. Er nannte im Ö1-Morgenjournal eine partielle Pflicht zur FFP2-Maske im Kontext mit den Mutationen "eine Denkvariante". Die Frage sei, wo die Erweiterung gelten soll und welche Kapazitäten zur Verfügung stünden. In Bayern wurde das Tragen einer solchen Maske im öffentlichen Nahverkehr und im Einzelhandel Pflicht.

Der Bundesrettungskommandant des Roten Kreuzes, Gerry Foitik, plädierte klar für das Tragen einer FFP2-Maske statt eines einfachen Mund-Nasen-Schutzes. Er warnte davor, dass sich die Fälle bei der B.1.1.7. jede Woche verdoppeln könne. "Wenn wir nicht jetzt Maßnahmen ergreifen, haben wir im März die Katastrophe", sagte er.

Alleine 42 Verdachtsfälle wurden laut Mitteilung vom Dienstag in einem Wiener Pflegeheim entdeckt. Auch im Burgenland gab es drei Verdachtsfälle. Ein erneutes und intensiviertes Contact Tracing im Umfeld der drei Verdachtsfälle läuft noch, teilte der Koordinationsstab Coronavirus am Mittwoch auf APA-Anfrage mit. Vorerst gebe es keine Hinweise auf weitere Betroffene. Wo sich die drei Personen angesteckt haben, sei unklar. "Sie kennen sich nicht", sagte eine Sprecherin des Koordinationsstabs. Zwei Betroffene seien im Südburgenland zu Hause, allerdings nicht in der Nähe voneinander. Die dritte Person lebe im Nordburgenland.

In Tirol sind 17 Verdachtsfälle registriert, wobei es sich um großteils britische Staatsbürger handelt, die einen Skiausbildungskurs absolviert hatten. Wo genau sich die Gruppe angesteckt hat, war vorerst weiter unklar und Gegenstand von Untersuchungen.

Parallel zur Überprüfung der Tests durch die AGES werde derzeit das routinemäßige Contact-Tracing mit Unterstützung der Exekutive durchgeführt, sagte der Leiter des Corona-Einsatzstabes des Landes, Elmar Rizzoli. Unter welchem Titel die britischen Staatsbürger eine Skilehrerausbildung absolvierten und ob sie sich wirklich gesetzes- und lockdown-konform in Tirol aufhielten, wird noch geklärt.

Nach dem Bekanntwerden der Tiroler Mutationsfälle wurden Tests in der Gemeinde durchgeführt. Mit Stand Mittwochmittag waren alle 191 Coronatests negativ, so Rizzoli. Die möglicherweise von der Virus-Mutation Betroffenen seien zumindest noch bis Mittwochabend in Quarantäne, berichtete indes der Jochberger Bürgermeister Günter Resch (FPÖ). Über eine mögliche Verlängerung sei er bisher nicht informiert worden. Die rege Testbereitschaft im Ort stimme ihn jedenfalls positiv. 

Auswirkungen hatte der Mutationscluster in Tirol auch auf den Sport. Die am Wochenende am Programm stehenden alpinen Ski-Weltcup-Rennen in Kitzbühel wurden abgesagt, gab Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) bekannt.