Erstellt am 11. Juli 2018, 10:11

von APA Red

Lebenslange Haft für Hauptangeklagte im NSU-Prozess. Im NSU-Prozess in Deutschland ist die Hauptangeklagte Beate Zschäpe zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Prozess gegen Beate Zschäpe dauerte fünf Jahre  |  APA/ag.

Das Oberlandesgericht München sprach die 43-Jährige am Mittwoch des zehnfachen Mordes schuldig. Das Gericht stellte auch die besondere Schwere der Schuld fest. Der Mitangeklagte Ralf Wohlleben wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Vor der Urteilsverkündung wurden erneut Forderungen nach einer weiteren Aufarbeitung laut. Nach wie vor sei nicht geklärt, ob es weitere Helfer oder Hintermänner des "Nationalsozialistischen Untergrunds" gebe, sagte der Generalsekretär des Islamrates für die Bundesrepublik Deutschland, Murat Gümüs, am Mittwoch in München.

"Man spricht nach wie vor von einem Trio, obwohl man aus Zeugenbefragungen weiß, dass es mittelbar oder unmittelbar Unterstützer gegeben hat", sagte Gümüs. Auch ob und in welcher Weise der deutsche Inlandsgeheimdienst involviert gewesen sein könnte, sei offen geblieben. Hinterbliebene fragten, wieso gerade ihre Angehörigen Opfer wurden.

Auch der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) kritisierte die unzureichende Aufklärung und forderte weitere Gerichtsverfahren. In einer Stellungnahme verwies der ZMD ebenfalls auf die mögliche Beteiligung weiterer Personen und die Verwicklung von Angehörigen von Geheimdiensten und Sicherheitsbehörden in die Mordserie. "Dieses Versäumnis ist eine große Belastung für die Familienangehörigen der Opfer und den gesellschaftlichen Frieden in Deutschland." Darüber hinaus forderte der ZMD die Bestellung eines Antirassismus-Beauftragten für Deutschland.