Nadal auf der Jagd nach dem "dreckigen Dutzend". Der große Favorit ist wieder Rafael Nadal und doch sind die Vorzeichen etwas anders: Wenn am Sonntag in Roland Garros das dritte Tennis-Grand-Slam-Turnier des Jahres beginnt, dann ist der Spanier mit nur einem Turniersieg angereist. Vor einem Jahr hatte er die Titel in Monte Carlo und Barcelona sowie auch in Rom gewonnen, diesmal hat Nadal seine Form erst bei der Generalprobe massiv gesteigert.

Von APA Red. Erstellt am 23. Mai 2019 (06:00)
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Rafael Nadal kommt als Top-Favorit nach Paris

Der neunte Rom-Titel mit einem Drei-Satz-Finalsieg über Novak Djokovic hat den Iberer, der am 3. Juni seinen 33. Geburtstag feiert, aber in den Wettquoten wieder ganz nach oben gehievt. In Paris und im "best of five"-Modus ist Nadal sowieso eine Macht, er will dieses Jahr das "dreckige Dutzend" vollmachen. Unglaubliche elf Mal hat Nadal das anstrengendste aller Majors schon gewonnen, zuletzt vor einem Jahr mit einem 6:4,6:3,6:2-Finalerfolg über Dominic Thiem.

Die österreichische Nummer vier der ATP-Herren zählt hinter Nadal zum engsten Favoritenkreis, Thiem hatte ja vor dem Endspiel 2018 auch in den beiden Jahren davor jeweils das Semifinale erreicht. Sein Vorteil: er ist erstmals in den Top 4 gesetzt und erspart sich somit zumindest die Top 3 Djokovic, Nadal und Roger Federer fix bis ins Semifinale. Die Auslosung erfolgt am (heutigen) Donnerstagabend in Paris. Federer kehrt erstmals seit vier Jahren nach Roland Garros zurück. Wenn der 37-jährige Schweizer körperlich durchhält, darf ihm zumindest ein Halbfinale zugetraut werden.

"Nadal ist ohne Zweifel der Top-Favorit", meinte Djokovic vergangenen Sonntag nach der Final-Niederlage in Rom. "Aber ich denke, es wird ein gutes Turnier. Dominic Thiem spielt wirklich gutes Tennis. Er kann wirklich jeden schlagen, besonders auf Sand", erinnerte der Serbe, der Thiem im Madrid-Halbfinale auf dem Weg zum Titel zweimal im Tiebreak niedergerungen hatte. Thiem selbst hatte in Barcelona triumphiert und dabei im Halbfinale Nadal geschlagen. Zudem hat Djokovic auch Fabio Fognini, den Monte-Carlo-Champion, auf der Rechnung.

Djokovic selbst wird ebenso wie Nadal versuchen, die Lücke in der Grand-Slam-Bestenliste weiter zu verkleinern: Federer ist 20-facher Major-Champion, Nadal hat 17, der "Djoker" 15 dieser Events gewonnen. Und für Djokovic geht es zudem um die Chance, als "Grand-Slam-"Inhaber nach Wimbledon zu reisen: Gewinnt er zum zweiten Mal nach 2016, dann hätte er alle vier Major-Titel gleichzeitig inne. Auch Federer hat das im Westen der Seine-Stadt gelegene Turnier bisher "nur" einmal (2009) gewonnen.

Die "big three" schreiben also im Vorfeld einmal mehr die Schlagzeilen, Thiem ist von den Spieler-Generationen danach der schärfste Konkurrent. In den erweiterten Kreis der noch jüngeren Herausforderer sind freilich Stefanos Tsitsipas, ein Alexander Zverev, der sich allerdings sehr steigern müsste, oder vielleicht auch der russische Barcelona-Finalist Daniil Medwedew zu erwähnen. Auch die arrivierten Stan Wawrinka, Kei Nishikori und Juan Martin Del Potro könnten für Überraschungen sorgen.

Bei den Damen, deren Siegerin wie der Herren-Triumphator 2019 nicht weniger als 2,3 Mio. Euro kassiert, ist das Feld sehr offen. Die Rumänin Simona Halep hat vor einem Jahr im 32. Versuch ihr erstes Grand-Slam-Turnier gewonnen und die US-Amerikanerin Sloane Stephens, die sich auf Sand sehr wohlfühlt, nach 3:6,0:2-Rückstand noch niedergerungen. Halep hat in Madrid das Endspiel erreicht und sich dort Paris-Mitfavoritin Kiki Bertens beugen müssen. Die Niederländerin ist im Ranking auf Platz vier geklettert und stand 2016 schon im Semifinale von Roland Garros. "Heiß" ist auch Rom-Siegerin Karolina Pliskova, die aktuelle WTA-Nummer 2.

Für die Nummer eins der Welt wird es hingegen schwierig werden, nach ihrem Sensations-Triumph bei den US Open und der Bestätigung mit dem Titel bei den Australian Open auch das dritte Major in Folge zu gewinnen. Naomi Osaka hat in ihren drei Sand-Turnieren in Stuttgart (Halbfinale), Madrid (Viertel) und Rom (Viertel) nicht wie die Beste der Welt gespielt. In bisher drei Auftritten bei den French Open kam sie zudem nie über Runde drei hinaus.

Ein großes Fragezeichen steht auch hinter der 37-jährigen Serena Williams, die seit ihrem Comeback nach der Babypause zwar die Finali in Wimbledon und bei den US Open erreicht hat, 2019 bis auf das Viertelfinale bei den Australian Open aber Verletzungsprobleme hat. In Indian Wells, Miami und zuletzt auch in Rom, ihrem einzigen Sandplatz-Auftritt, gab sie entweder schon vor oder während des zweiten Spiels auf. Die Chancen, dass sie sich ausgerechnet in Paris den Traum vom 24. Grand-Slam-Titel erfüllt und damit die Egalisierung des Rekords von Margaret Court schafft, sind also gering.

Jedenfalls werden sich die Stars wieder über einige signifikante Neuerungen in Roland Garros freuen. Auf der seit Jahren im Wandel befindlichen Anlage wird die größte Änderung aber erst 2020 kommen: Das überfällige Dach. Während es bei den Australian Open mittlerweile drei, bei den US Open zwei und auch in Wimbledon ab diesem Jahr zwei Dächer gibt, hinkt Paris hinterher. Am Tag nach dem Vorjahresfinale zwischen Thiem und Nadal kamen die Bulldozer und rissen den alten Center Court nieder, denn für das verschiebbare Dach musste eine völlig neue Unterkonstruktion her. Der Court Philipp Chatrier ist dieses Jahr also neu, auch die Spielerbereiche unterhalb.

Zusätzlich wird der neue Court Simonne-Mathieu, der halb im Boden versenkt mitten in einem botanischen Garten liegt, eröffnet. Er fasst 5.000 Zuschauer und ist nach dem Center Court und dem Court Suzanne Lenglen der drittgrößte der Anlage. Völlig neu gestaltet wurde auch der Westen der Anlage mit sieben neuen Plätzen.