Wacker Innsbruck kämpft ums Überleben. Wacker Innsbruck steht auf der Kippe: Der auch finanziell angeschlagene Fußball-Bundesliga-Absteiger kündigt mit Ende Juni vorerst sämtliche auf der Geschäftsstelle tätige Mitarbeiter. Dies betrifft 14 Personen, darunter auch Sportchef Alfred Hörtnagl, gab der Verein am Mittwoch bei einer "Zukunftspressekonferenz" bekannt. Der sportliche Bereich ist davon vorerst nicht betroffen.

Von APA Red. Erstellt am 19. Juni 2019 (16:04)
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Innsbruck-Präsident Gerhard Stocker

Alle Mannschaften würden weiterspielen, sagte Präsident Gerhard Stocker, der aber auch eine Umstellung auf einen völligen Amateurbetrieb vorerst offen ließ. Im September werde man jedenfalls "weitere Entscheidungen" treffen, kündigte Stocker an. Die ab Ende Juni laufenden Kündigungsfristen für die Mitarbeiter, davon vier Halbtagsstellen, würden genutzt, um alles zu versuchen, zusätzliche finanzielle Mittel aufzustellen.

Denn nach Gesprächen mit Sponsoren und Partnern - darunter auch das Land Tirol - seien nur drei Millionen Euro an Budget gesichert. Rund vier Millionen sollen es allerdings unbedingt sein, wenn es nach den Vereinsverantwortlichen geht. "Wir werden bis September rudern und alles versuchen, das Loch zwischen diesen beiden Summen so gering wie möglich zu halten", meinte Stocker.

Er sei optimistisch, dass "Fußball-Tirol nun aufwacht". Man habe jedenfalls schon "positive Signale" vonseiten der Sponsoren und Partner. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir in Tirol bzw. Entscheidungsträger so deppert sind, nicht zu erkennen, was hier an Möglichkeiten für die Zukunft aufgebaut wurde", richtete Stocker, der eine erneute Kandidatur für die Präsidentschaft gegen Ende des Jahres offen ließ, einen Appell.

Als Mittel, um auf Partner Druck aufzubauen, wollte der Präsident die Kündigungen indes nicht verstanden wissen. Der Kostendruck lasse derzeit keine andere Möglichkeit zu, aber: "Wir sperren ja jetzt nicht zu". Die Verantwortlichen stellten zudem in den Raum, dass die Mitarbeiter - bei positiver Erledigung der finanziellen Fragen -. wieder beschäftigt werden könnten. Stocker verwies zudem darauf, dass in seiner Amtszeit aus dem Jahr 2016 übernommene zwei Millionen Euro an Verlustvorträgen inzwischen abgebaut werden konnten.

Der bei der Pressekonferenz ebenfalls anwesende Hörtnagl blickte auf die vergangenen schwierigen Zeiten zurück, in denen es andauernd große Probleme gegeben habe, das Budget auszufinanzieren. Es gehe jetzt darum, endlich das "Vereinskapital auf Null" zu bringen - als Basis dafür, eine Neuausrichtung in Angriff zu nehmen. Um diese "Null" zu erreichen, werden auch weiter Transfererlöse vonnöten sein. Zwei bis drei weitere Spieler sollen transferiert werden. Viel mehr sei in diesem Bereich aber nicht mehr möglich, denn: "Es geht bereits jetzt an die Substanz".

Sportlich verschreibt man sich jetzt ganz dem "jungen Tiroler Weg". "Wir wollen eine Plattform für junge Tiroler Talente sein - mit Freude, Spaß und Esprit", so Hörtnagl. Der erneute Wiederaufstieg sei "kein Muss". "Es ist auch derzeit gar nicht möglich. Die Rahmenbedingungen und die Basis fehlt", erklärte der Ex-Spieler. Mit der im vergangenen Jahr in der zweiten Liga angetretenen, erfolgreichen zweiten Mannschaft des FC Wacker verfüge man über "40 junge Spieler zwischen 16 und 22 Jahren", die diese Neuausrichtung symbolisieren würden.

Das Land Tirol hält den finanziell angeschlagenen Absteiger Wacker Innsbruck für die kommende Saison in der zweiten Liga - im Gegensatz zur Vereinsspitze - übrigens für ausreichend budgetiert. "Mit drei oder dreieinhalb Millionen Euro müsste ein Spielbetrieb aufrechtzuerhalten sein", sagte Sportlandesrat und LHStv. Josef Geisler (ÖVP) im Gespräch mit der APA.

Die von der Vereinsführung angekündigte neue Ausrichtung, auf junge heimische Talente zu setzen, sei zu begrüßen und müsste auch mit weniger Mitteln zu stemmen sein als in der Bundesliga, so Geisler. Schließlich habe auch die zweite Mannschaft des FC Wacker in der vergangenen Saison in der 2. Liga reüssiert.

Das Land Tirol fördere den Nachwuchs der WSG Wattens und des FC Wacker mit 500.000 Euro. Indes würden Gespräche zwischen der Wacker-Führung und den beiden Landesunternehmen Tiwag und Hypo Tirol über eine neue Sponsor-Zusammenarbeit laufen. Hier gebe es sicher "Möglichkeiten", aber es stehe ihm nicht zu, sich in diese Verhandlungen einzumischen. Dies sei Sache der handelnden Personen in den beiden Unternehmen. Sponsoring könne zudem nicht auf "Liebhaberei" basieren, sondern es müsse für die Unternehmen schon auch ein Werbewert bzw. eine Werbeleistung gegenüberstehen, betonte Geisler.

"Verwundert" zeigte sich der Landeshauptmannstellvertreter indes über die Vorgangsweise des Clubs. 14 Kündigungen anzukündigen und gleichzeitig über mangelnde finanzielle Mittel zu jammern, "vermittelt möglichen Sponsoren nicht den Eindruck, dass man eine tolle Perspektive bietet". Dies sei ein "schlechter Start für neue mögliche Verträge", übte Geisler deutliche Kritik an den Verantwortlichen.

Ebenso verwundert zeigte sich der Sportlandesrat übrigens, dass die im Vorjahr ins Boot geholte Firma Infront Austria als exklusiver Marketing- und Vertriebspartner des Vereins "überhaupt nichts auf die Reihe gebracht" habe.