Forscher wegen Betrugsverdacht vor Gericht

Erstellt am 31. Mai 2017 | 14:27
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Angeklagt ist ein ehemaliger Professor der MedUni Graz
Angeklagt ist ein ehemaliger Professor der MedUni Graz
Foto: APA (Symbolbild)
Ein ehemaliger Professor der Medizinischen Universität Graz hat sich am Mittwoch im Straflandesgericht wegen gewerbsmäßig schweren Betrugs verantworten müssen.

Der international anerkannte Mediziner und Forscher soll mehr als ein Jahrzehnt lang Fördergelder von Pharmafirmen auf Konten geleitet haben, zu denen nur er Zugriff hatte. Er zeigte sich zum Prozessauftakt nur teilweise geständig.

Die Staatsanwaltschaft Graz klagte den seit 2013 pensionierten Arzt wegen Verbrechen in drei Tathergängen an. Er soll als leitender Angestellter Verträge mit Pharmafirmen für Förderungen, Sponsoring und Unterstützungsleistungen unterzeichnet haben, obwohl er diese an eine höhere Stelle hätte leiten müssen und nicht befugt war, solche Verträge abzuschließen. "Er wusste das, sah das aber nicht ein und erkundigte sich damals sogar beim Rektor deswegen", meinte der Staatsanwalt. Dennoch habe er weiterhin Verträge unterzeichnet und damit die Vertragspartner getäuscht.

Zudem soll der Mediziner den Vertragspartnern Konten genannt haben, die zwar den Namen der klinischen Abteilung trugen, jedoch seien es Privatkonten gewesen, für die nur er allein zeichnungsberechtigt war. "Er hat das Geld nicht für Studien verwendet, sondern selbst verspekuliert." Sämtliche Konten seien von den Ermittlern geöffnet worden. Dabei stellte sich heraus, dass 98 Prozent der Gelder bar behoben wurden, teilweise nachts. Dass die Med Uni damit einverstanden gewesen sein soll, bezeichnete der Ankläger als "absurd". Diese hätten gar keine Kenntnis davon gehabt.

Dass die Pharmafirmen nicht betrogen wurden, stimme nicht, auch wenn diese sich nicht geschädigt fühlen. "Sie hätten das Geld nicht hergegeben, wenn sie die Wahrheit gewusst hätten", ist der Staatsanwalt überzeugt. Es handle sich um "klassischen Spendenbetrug". Knapp 800.000 Euro Schaden soll bei diesem Faktum entstanden sein. Mit der MedUni hatte sich der Arzt übrigens wenige Tage vor dem Prozess außergerichtlich geeinigt und 600.000 Euro Schadenersatz bezahlt.

Neben den Pharma-Unternehmen und der MedUni soll auch die Gesundheit Österreich GmbH um rund 144.000 Euro geschädigt worden sein. Da ging es um ein Stammzellen-Projekt. Die Gelder soll der Angeklagte für nicht bekannte Zwecke verwendet haben. Der dritte Anklagepunkt hat nur entfernt mit den beiden anderen zu tun, aber "man sieht anhand dessen, wie er die Gelder verwendet hat", meinte der Staatsanwalt in seinem Eröffnungsplädoyer: Der Beschuldigte hatte mit Aktien und Wertpapieren gehandelt, angeblich im Wert von 1,3 Mio. Euro, schilderte der Ankläger. Doch diese seien Totalfälschungen gewesen. Der Mediziner wurde selbst Opfer von Betrügern.

Als der Beschuldigte 2012 bei seiner Hausbank seine Aktien auf ein Wertdepot einspeisen wollte, sei das nicht gelungen, da diese "nicht handelbar" gewesen seien: "Von da an wusste er, dass die Aktien wertlos sind", sagte der Staatsanwalt. Dennoch habe der Forscher ein halbes Jahr später bei einer anderen Bank die Aktien eingespeist und auch teilweise verkauft.

Nach der Anklage war Verteidiger Harald Christandl am Wort, der "eine leidige Geschichte vernünftig zu Ende bringen" wolle. Er betonte eingangs die Errungenschaften und Auszeichnungen des Professors, seine mehr als 1.600 Publikationen und die Reputation im Ausland: "Er hat sein ganzes Leben der Wissenschaft und der Medizin verschrieben und wird nun als Betrüger dargestellt." Tatsächlich sei viel schief gelaufen, aber das sei auch darauf zurückzuführen, dass sein Mandant "wirtschaftlich neben den Schuhen" gestanden sei. Mit den Aktien sei er "gleich auf die Schnauze" gefallen, er sei leichtsinnig und dumm gewesen, das Geld habe jedoch aus einer Erbschaft gestammt. Er lebte bescheiden und sei nun "menschlich fertiggefahren".

Der Angeklagte bekannte sich nur teilweise schuldig. Er gestand die Unterschriften auf den Verträgen und erklärte sie damit, dass Sponsoring früher nicht zu Drittmitteln gezählt hätten. Erst später sei die Richtlinie verschärft worden. "Das habe ich zu wenig beachtet," rechtfertigte er sich. Er habe "wahrscheinlich Fehlhandlungen begangen, das bereue ich, aber ich habe niemanden geschädigt", meinte er. Es sei ein Fehler gewesen, die Gelder auf verschiedenen Konten überweisen zu lassen, doch er habe stets geplant gehabt, am Schluss zu verrechnen. Sein Verteidiger sprach von einem "verwirrten wirtschaftlichen Denken", als es um die Bargeldbehebungen ging.

Aus der Befragung entwickelte sich ein hitziges Wortgefecht, wobei der Mediziner lautstark beteuerte: "Ich habe gearbeitet und gearbeitet, nur für die Uni, und wollte ihr sicher nicht schaden." Die Richterin fragte daraufhin, warum er dieser dann 600.000 Euro Schadenersatz zahlt. "Das hätten wir ja sowieso gegengerechnet", antwortete er.

Der Prozess ist vorerst für drei Tage anberaumt. Zahlreiche Zeugen sind geladen.