Erstellt am 19. Juni 2018, 15:22

von APA Red

USA verteidigen umstrittene Familientrennungen. Trotz zunehmenden Drucks aus dem In- und Ausland halten die USA weiter an den Familientrennungen an der Grenze zu Mexiko fest. Justizminister Jeff Sessions und Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen verteidigten das Vorgehen mit der Begründung, Menschen mit Kindern seien nicht vor Strafverfolgung geschützt. Innerhalb von fünf Wochen wurden 2.342 Kinder von ihren Eltern getrennt.

Viele zeigen, was sie vom US-Vorgehen halten  |  APA/ag.

Im Zuge der "Null-Toleranz"-Politik werden systematisch alle Menschen, die illegal die Grenze überqueren, als Gesetzesbrecher behandelt und festgenommen. Da Kinder nicht mit ihren Eltern inhaftiert werden dürfen, werden die Familien auseinandergerissen. Viele Kinder werden nach Angaben demokratischer Abgeordneter in umzäunten Auffanglagern in der Nähe der Grenze festgehalten, die als "Käfige" beschrieben wurden.

Es gebe "keine Politik der Trennung von Familien an der Grenze", sagte Nielsen am Montag in Washington. Sie warnte aber zugleich, dass jeder, der die Grenze illegal übertrete, mit Strafverfolgung rechnen müsse. Dies habe zur Folge, dass den Menschen ihre Kinder weggenommen würden. "Was sich geändert hat ist, dass wir nicht länger ganze Gruppen von Menschen davon ausnehmen, die gegen das Gesetz verstoßen."

Justizminister Sessions erklärte: "Wir können und werden Menschen nicht ermutigen, Kinder mitzubringen und ihnen eine weitgehende Immunität angesichts unserer Gesetze geben." Wenn eine Grenzmauer gebaut werde, müsse die Regierung keine "schrecklichen Entscheidungen" mehr treffen.

Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump gesagt, er werde nicht zulassen, dass die USA zu einem "Einwandererlager" und einer "Aufnahmestelle für Flüchtlinge" würden. In seinem Land dürfe nicht das Gleiche geschehen wie in Europa. Kurz zuvor hatte er im Kurzbotschaftendienst Twitter erneut besonders die Einwanderungspolitik der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel angeprangert.

Unterdessen veröffentlichte die Plattform ProPublica eine Tonaufnahme, auf der heftig weinende Kinder zu hören sind, die von ihren Eltern getrennt wurden. "Mami! Ich will mit Papa mitgehen", ist ein kleines Mädchen zu hören, das so heftig weint, dass es kaum Luft holen kann. Ein anderes Mädchen schluchzt: "Ich will nicht von meinem Papa getrennt werden." Ein anderes, laut ProPublica sechsjähriges Mädchen bittet die Beamten inständig, ihre Tante anzurufen und erklärt stolz, deren Telefonnummer zu wissen.

Die auf der Aufnahme zu hörenden Kinder stammen laut ProPublica mehrheitlich aus El Salvador und Guatemala - beides von Gewalt geplagte Länder in Mittelamerika. Auf der Aufnahme ist zu einem Zeitpunkt ein US-Grenzbeamter zu hören, der vor dem Hintergrund lauten Kinderschluchzens auf Spanisch sagt: "Also, wir haben hier ein regelrechtes Orchester. Das einzige, was fehlt, ist ein Dirigent."

Harsche Kritik an den Familientrennungen kommt u.a. vom UN-Kinderhilfswerk UNICEF. "Geschichten von Kindern, einige noch Babys, die von ihren Eltern getrennt werden, die Zuflucht in den USA suchen, sind herzzerreißend", sagte UNICEF-Chefin Henrietta Fore. Die Situation sei inakzeptabel.