Erstellt am 13. Juli 2018, 07:23

von APA Red

Trump fällt May in den Rücken. Bei seinem Besuch in Großbritannien hat US-Präsident Donald Trump die von der britischen Premierministerin Theresa May verfolgte "weiche" Brexit-Strategie in einem Interview mit der Zeitung "The Sun" kritisiert und schwere Konsequenzen für den Handel mit den USA angedroht.

Trump hielt mit seiner Meinung über Boris Johnson nicht zurück  |  APA/ag.

Für den zweiten Tag des Besuchs des US-Präsidenten in Großbritannien wird am Freitag mit Protesten im ganzen Land gerechnet. 

Einen der wichtigsten Widersacher Mays lobte Trump hingegen. Er wolle den zurückgetretenen Außenminister Boris Johnson und May zwar nicht gegeneinander ausspielen, sagte Trump. "Ich meine nur, dass er ein großartiger Premierminister wäre", so der US-Präsident in einem am Donnerstagabend veröffentlichten Interview der britischen Boulevardzeitung "The Sun". Johnson habe das Zeug dazu. "Ich denke, er hat die richtige Einstellung, um ein großartiger Premierminister zu sein." Trump bezeichnet zudem May als "nette Person", während er den Londoner Bürgermeister Sadiq Khan kritisierte. Dieser leiste eine "schreckliche" Arbeit.

Johnson war im Streit mit May über den Austritt des Königreiches aus der EU von seinem Amt zurückgetreten. Während sich die Regierungschefin für weiter enge Beziehungen zu den 27 verbleibenden Staaten ausspricht, will der frühere Londoner Bürgermeister einen klaren Schnitt. Trump hat sich wiederholt kritisch über die EU geäußert und ihr eine Handelspolitik zulasten der USA vorgeworfen.

Trump sagte nun zur "Sun", eine zu enge Bindung an die Europäische Union nach dem Brexit würde dazu führen, dass die USA bei einem Handelsabkommen mit Großbritannien doch wieder mit der EU verhandeln müssten. "Also wird es das Abkommen wahrscheinlich töten." Er fügte hinzu: "Wenn sie das tun, wird ihr Handelsabkommen mit den Vereinigten Staaten vermutlich nicht zustande kommen." Mays Pläne sehen unter anderem eine Zollunion und ein Freihandelsabkommen mit der EU vor.

Die "Sun" veröffentlichte Audio-Ausschnitte des Interviews am Donnerstagabend - kurz nachdem May Trump im Blenheim Palace nahe Oxford zu einem festlichen Gala-Dinner empfangen hatte. Zu entnehmen waren dem Interview nur die Antworten Trumps, nicht die Fragen, auf die er Bezug nahm. Nach Angaben der "Sun" fand das Interview am Mittwoch vor dem NATO-Gipfel in der US-Botschaft in Brüssel statt.

Die Polizei bereitete sich für den Trump-Besuch auf einen der größten Einsätze der jüngeren Vergangenheit vor. Schon am Donnerstagabend versammelten sich am Londoner Regent's Park nahe der Botschafterresidenz Winfield House und am Eingang zum Gelände von Blenheim Palace etliche Trump-Gegner. Londons Bürgermeister Sadiq Khan rief am Donnerstagabend dazu auf, friedlich zu bleiben. "Denjenigen, die Ärger machen wollen oder das Gesetz brechen, sage ich einfach: Ihr seid nicht willkommen", schrieb Khan auf Twitter. Die Initiative "Stop Trump" erwartet für Freitag allein in London etwa 100.000 Teilnehmer. Über dem Parliament Square soll am Vormittag ein sechs Meter hoher Ballon in Form eines Baby-Trumps in Windeln schweben.

Auf dem Programm stehen für Trump am Freitag Treffen mit Premierministerin Theresa May und Queen Elizabeth II. - um die britische Hauptstadt macht er dabei weitgehend einen Bogen. Der Tag beginnt mit einem Besuch auf einem Militärgelände, wo er eine Truppenübung anschaut. Später trifft er sich mit May auf dem Landsitz Chequers, die beiden wollen dort eine Pressekonferenz geben. Danach brechen Trump und seine Frau Melania nach Windsor auf, wo sie von Queen Elizabeth II. empfangen werden.