Klagenfurt: Mehr als 1.000 Masern-Impfungen ausgegeben. In Kärnten sind bis Montagvormittag keine neuen Masernfälle bekanntgeworden.

Von APA Red. Erstellt am 15. April 2019 (13:40)
APA (dpa)
Ansturm auf Masernschutzimpfung in Klagenfurt

Ganz Entwarnung kann aber nicht gegeben werden, denn die Masern haben eine Inkubationszeit von maximal 21 Tagen, erklärte Birgit Trattler, die Leiterin des Klagenfurter Gesundheitsamtes auf APA-Anfrage. Das bedeutet, dass die Krankheit bei Menschen, die sich infiziert haben, auch noch am Osterwochenende ausbrechen könnte.

Dass es in den vergangenen Tagen keine neuen Verdachtsfälle in Kärnten gegeben hat, sei auf die gute Durchimpfungsrate in Kärnten zurückzuführen, sagte Trattler: "Was die Gruppe von Personen unter 15 Jahre angeht, liegt die Quote für die erste Teilimpfung über 90 Prozent, die für die zweite Teilimpfung knapp unter 90 Prozent." Damit liege Kärnten über dem Österreichschnitt.

Ungebrochen war in den vergangenen Tagen der Ansturm auf die Impfungen am Gesundheitsamt Klagenfurt. Wie Trattler sagte, seien seit dem Bekanntwerden der Masernfälle in der vergangenen Woche allein in Klagenfurt 1.050 Masern-Mumps-Röteln-Impfungen (MMR) ausgegeben worden: "Zum Vergleich: Im gesamten April 2018 waren es 38", sagte Trattler. Aber schon vor einigen Wochen hatte es in Klagenfurt eine erhöhte Nachfrage nach der Masernimpfung gegeben, "der Grund waren die Masernfälle in der Steiermark".

Auch wenn es in letzter Zeit keine neuen Verdachtsfälle gegeben hat, so könnten aktuell Leute betroffen sein, die noch gar nicht wissen, dass sie sich infiziert haben: "Am häufigsten brechen Masern nach acht bis zwölf Tagen aus, die maximale Inkubationszeit beträgt 21 Tage." Während dieser Zeit hat man auch keine Symptome. Diese sind Kopfschmerzen, hohes Fieber, Schnupfen und nach einigen Tagen auch der typische Hautausschlag. Trattler: "Ab dem Zeitpunkt, ab dem der Ausschlag auftritt, kann man fünf Tage zurückrechnen, ab diesem Zeitpunkt war ein Patient infektiös." Der Klagenfurter Busfahrer, dessen Erkrankung am vergangenen Mittwoch zur vorübergehenden Einstellung des Busverkehrs geführt hatte, sei am 1. und 2. April infektiös gewesen.

Ist man geimpft, hat man nicht nur die besten Chancen, nicht an Masern zu erkranken - man kann die Krankheit auch selbst nicht übertragen. Ein frisch Geimpfter sei - entgegen oft verbreiteter Vermutungen - übrigens ebenfalls nicht ansteckend, versicherte Trattler: "Im Impfstoff sind zwar Lebendkeime, sie sind allerdings sehr abgeschwächt. Das Immunsystem reagiert zwar, aber die Viruslast ist so gering, dass keine Ansteckung möglich ist."

Zwischen März 2018 und Ende Februar 2019 gab es in Österreich 14 registrierte Fälle pro Million Einwohner. In Ungarn waren es 1,4 pro Million Menschen. An der Spitze lag laut den EU/EWR-Statistiken Griechenland mit 131,1 pro Million Einwohner.

In dem Zeitraum wurden laut dem Europäischen Zentrum für Krankheitskontrolle (ECDC/Stockholm) 11.967 Masernfälle in den Staaten der EU und des Europäischen Wirtschaftsraumes gemeldet. Das ergab eine Durchschnittsquote von 23,1 je Million Einwohner. Ganz unten in der Statistik lag Ungarn mit nur 14 gemeldeten Erkrankungen und einer Quote von 1,4/Million Menschen. Dann folgten schon die Niederlande und Norwegen mit je 1,7 pro Million Menschen. Auch Dänemark (2,4 pro Million) und das benachbarte Slowenien (3,4/Million) oder Schweden (2,4 pro Million Einwohner) schnitten sehr gut ab.

Länder wie Kroatien ( 5,5 je Million Einwohner), Zypern (5,8) oder Spanien (4,9) waren es ebenfalls noch relativ wenige Fälle. In Bulgarien waren es 8,9 Erkrankungen pro Million Einwohner.

In Österreich schlägt das Pendel vergleichsweise in die negative Richtung aus: 14 Fälle pro Million Einwohner (123 Erkrankungen in absoluten Zahlen im Beobachtungszeitraum). Auch Großbritannien mit seinem verstaatlichen Gesundheitswesen, das in der Gesundheitspolitik und auch bei Health-Technology-Assessment-Experten wegen seiner medizinischen Primärversorgung immer wieder als Vorbild präsentiert wird, zeigte einen derart hohen Wert. Im Umfeld davon lagen auch Belgien (19,6/Million Einwohner), Polen (16,1) und Portugal (16,4) schnitten ähnlich ab - ebenso Irland (15,7). Frankreich wies mit einer Quote von 36,9 Masernfällen pro Million Einwohner eine mehr als doppelt so hohe Rate auf.

Am schlechtesten lagen nach Griechenland (131,1) Österreichs Nachbarland Slowakei (118,5/je Million Einwohner) und Rumänien (66,5). Auf Frankreich und Italien entfielen allein 42 Prozent der Masernfälle in Europa und dem EWR zwischen März 2018 und Ende Februar 2019. Im Februar dieses Jahres wurden die meisten Masernfälle von Frankreich, Polen, Italien, Tschechien und Belgien gemeldet. Das waren 661 von insgesamt 1.082 allein in diesem Monat in den EU/EWR-Staaten registrierten Erkrankungen an der hoch ansteckenden Infektion.