Erstellt am 11. Juli 2018, 14:09

von APA Red

Japans Regierung überprüft Katastrophenschutzpläne. Nach den verheerenden Regenfällen in Japan mit bereits fast 180 Toten will die Regierung ihre Katastrophenschutzpläne überarbeiten.

Ministerpräsident Abe sprach mit Betroffenen  |  APA/ag.

Es müsse geprüft werden, durch welche Maßnahmen die Risiken durch Naturkatastrophen verringert werden könnten, sagte Regierungssprecher Yoshihide Suga am Mittwoch. Ministerpräsident Shinzo Abe sprach unterdessen in den Katastrophengebieten mit Betroffenen.

Durch Überschwemmungen und Erdrutsche waren in den vergangenen Tagen nach offiziellen Angaben mindestens 179 Menschen gestorben, weitere Menschen wurden vermisst. Es ist bereits jetzt die höchste Opferzahl durch Regenfälle in Japan seit mehr als drei Jahrzehnten. "In den vergangenen Jahren haben wir viel schlimmere Schäden durch starke Regenfälle als in den vorherigen Jahren erlebt", sagte Regierungssprecher Suga. "Wir müssen prüfen, was die Regierung tun kann, um die Risiken zu verringern."

Regierungschef Abe hatte wegen der Katastrophe eine Europa-Reise abgesagt und besuchte am Mittwoch einige von den mehr als 10.000 Menschen, die noch in Notunterkünften untergebracht waren. Der Regierungschef unterhielt sich mit Betroffenen, eine offizielle Erklärung gab er nicht ab.

Auch in der Okada-Volksschule in Kurashiki mussten etwa 300 Flutopfer übernachten, darunter die 40-jährige Hiroko Fukuda und ihr Mann. Seine Tochter brachte das Paar bei Verwandten unter, weil sie wegen des Traumas der Evakuierung nichts mehr gegessen habe, sagte Fukuda.

Für die Mutter ist es besonders schlimm, dass bei der Überflutung des Erdgeschosses ihres Hauses auch die Kinderfotos ihrer Tochter oder etwa ein Kimono für festliche Anlässe zerstört wurden, den ihre Tochter einst hätte tragen sollen. "Wir können es akzeptieren, Sachen wie Haushaltsgeräte zu verlieren, aber nicht Erinnerungen", sagte Fukuda mit erstickter Stimme.

Ende vergangene Woche hatten heftige Regenfälle im Zentrum und im Westen Japans Hochwasser und Erdrutsche ausgelöst. Mitunter wurden ganze Orte überschwemmt. Die Wasser- und Schlammmassen zerstörten Häuser und rissen Autos mit sich. Viele Einwohner, die den Evakuierungsaufforderungen nicht gefolgt waren, hatten auf Hausdächern auf ihre Rettung warten mussten.

Knapp eine Woche nach Beginn der Katastrophe gibt es mittlerweile kaum mehr Hoffnung, noch Überlebende zu retten. Am Mittwoch wurden außerdem weitere Flutwarnungen ausgegeben. Weil ein kleiner See über die Ufer zu treten drohte, wurden die Anrainer in der Stadt Fukuyama in der Präfektur Hiroshima aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Auch in der Stadt Fuchu wurden Überschwemmungen durch einen Hochwasser führenden Fluss befürchtet.

Nach Angaben der Behörden bestand wegen des durchnässten Bodens auch weiterhin die Gefahr von Erdrutschen. Abgesehen davon machten hohe Temperaturen von bis zu 35 Grad den Menschen zu schaffen, die sich wegen der Katastrophe in Notunterkünften oder überschwemmten Häusern ohne Wasser- und Stromversorgung aufhalten.

Regierungssprecher Suga warnte, es stünden "sonnige und heiße Tage" bevor. Er appellierte an "Menschen, die evakuiert wurden, und diejenigen, die Reparaturarbeiten vornehmen, vorsichtig zu sein, um Hitzschläge zu vermeiden."

Inmitten der katastrophalen Lage zeichnet sich in Japan auch ein kleines Wunder ab: ein Mini-Pferd bekämpfte die Fluten auf ihre Art, schwamm zu einem Dach und harrte dort tagelang bis zur Rettung aus. Die neunjährige Stute Leaf wurde nach drei Tagen von dem Dach in der Stadt Kurashiki gerettet, wie Keiko Takahashi von der Hilfsorganisation Peace Winds Japan sagte.