Österreich

Erstellt am 13. Dezember 2018, 15:47

von APA Red

Gutachter prüfen Unfallversion nach Bluttat in Steyr. Nach dem gewaltsamen Tod einer 16-Jährigen in Steyr gehen die Ermittler nun der Frage nach, ob die Unfall-Version, die ihnen der tatverdächtige 17-Jährige aufgetischt hat, plausibel ist. Der Leiter des Landeskriminalamts Oberösterreich, Gottfried Mitterlehner, bezweifelte das am Rande einer Pressekonferenz am Donnerstag. Offen ist, ob es Fluchthelfer gegeben hat.

Ob es Fluchthelfer gab, ist offen  |  APA

Derzeit werden die medizinischen Gutachter mit der Version des in U-Haft befindlichen Afghanen, der der Freund des Opfers war, konfrontiert. Sie sollen feststellen, ob diese mit den objektiven Spuren zusammenpasst, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Steyr, Andreas Pechatschek, der APA. Laut Mitterlehner sei ein Unfallgeschehen aber "nur schwer mit den tatsächlichen Erhebungen in Einklang zu bringen". Die Ermittlungen würden das klären müssen.

Ob es mögliche Fluchthelfer gegeben haben könnte, ließ Pechatschek noch offen. Der Bursche habe ausgesagt, er sei nach der Tat mit dem Auto von Steyr weggekommen - ob per Autostopp oder mit jemandem, den er kannte, ist aber unklar. Die Staatsanwaltschaft will diesen Aspekt daher "nicht überbewerten". Eine Kontaktperson des 17-Jährigen, die zwischenzeitlich in den Fokus geraten war, dürfte eher auf den Burschen eingewirkt haben, sich zu stellen. Man wolle nun zuerst den eigentlichen Fall abschließen, dann werde man sich die Frage eventueller Fluchthelfer natürlich noch genau ansehen, betonte Pechatschek.

Der Beschuldigte, gegen den am Mittwoch die U-Haft verhängt worden ist, soll nun in der Justizanstalt Linz in eine Abteilung für Jugendliche verlegt werden. Zudem wird ihm wohl ein Pflichtverteidiger zugeteilt.

Die Bluttat in Oberösterreich geschah am Sonntag. Der Afghane und seine Freundin hielten sich im Zimmer der 16-Jährigen auf. Als die Mutter und die Schwester des Mädchens gegen 23.00 Uhr den Raum betreten wollten, war die Tür mit einem Kasten verbarrikadiert. Sie schafften es, ihn zur Seite zu schieben, und fanden die tote Jugendliche. Das Fenster war offen und der 17-Jährige weg.

Die Obduktion ergab, dass die 16-Jährige durch einen Stich in die Lunge getötet worden ist. Im Zimmer wurde auch die mutmaßliche Tatwaffe, ein Messer, gefunden. Der 17-Jährige stellte sich nach zweitägiger Flucht am Dienstag in Wien der Polizei.

In Wien-Ottakring sorgte indes ein Zettel für Aufregung, der von Unbekannten auf einen Kleidercontainer der Caritas geklebt worden ist. Wie ein Posting des Caritas-Generalsekretärs Klaus Schwertner auf Facebook zeigt, sind darauf das Konterfei des tatverdächtigen 17-Jährigen sowie die Wörter "Mörder" und "Caritas ins Gas" zu sehen.

Diese Aktion wird von der Hilfsorganisation noch am Donnerstag zur Anzeige gebracht. Schwertner zeigte sich im Gespräch mit der APA entsetzt. "In den letzten Tagen wurde hier ein Mord politisch instrumentalisiert. Es sind die ersten Auswüchse einer menschenverachtenden Sprache und Symbolpolitik, die Hass und Neid schürt. Wir erleben einen gesellschaftlichen Klimawandel", warnte der Caritas-Generalsekretär.

Die Hilfsorganisation sieht sich immer wieder mit Mails von verärgerten Menschen konfrontiert. "Wir versuchen, sie zu beantworten. Wenn es sich um Verhetzung handelt, dann bringen wir sie zur Anzeige", sagte Schwertner. Vor einiger Zeit hat der Fall eines besonders heftig rassistischen Emails dazu geführt, dass eine Sachverhaltsdarstellung wegen Verhetzung bei der Staatsanwaltschaft eingebracht wurde.

"Wir werden uns nicht einschüchtern lassen", meinte Schwertner. Die Caritas werde sich auch weiter "für alle Menschen einsetzen, die Hilfe brauchen - unabhängig von Religion, Herkunft oder sexueller Orientierung".