Meeresforscher Munk im Alter von 101 Jahren gestorben. Der aus Österreich stammende Meeresforscher Walter Munk ist am Freitag (8. Februar) im Alter von 101 Jahren in seinem Haus in La Jolla (US-Bundesstaat Kalifornien) gestorben. Das teilte seine langjährige Forschungsstätte, die Scripps Institution of Oceanography, mit. Munk galt als Pionier der Ozeanographie, der mit seiner Arbeit zur Landung der Alliierten in der Normandie ("D-Day") beitrug.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 11. Februar 2019 (10:24)
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"Einstein der Ozeane" Walter Munk ist tot

In Wissenschaftskreisen auf der ganzen Welt gilt Munk als Legende. Die "New York Times" verwies darauf, dass er immer wieder "Einstein der Ozeane" genannt wurde - in seinem Geburtsland war der Spross einer Wiener Bankiersfamilie trotz zahlreicher Besuche allerdings praktisch unbekannt.

Seine Kindheit verbrachte der am 19. Oktober 1917 geborene Munk großteils in Altaussee. Im Salzkammergut entwickelte er sich zum begeisterten Sportler - unter anderem als Ski-Pionier und Tennisspieler. Mit 15 Jahren schickten ihn seine Eltern nach New York, um ihn gemäß der Familientradition dort zum Banker auszubilden.

Nach drei Jahren Physik-Studium an der Columbia University und Job bei der von seinem Großvater Lucian Brunner gegründeten New York City Bank erkannte Munk aber, dass das Bankgeschäft nichts für ihn war: Er übersiedelte nach Kalifornien, wo er im Alter von 22 Jahren beim Ozeanographie-Institut der University of California, der Scripps Institution of Oceanography in La Jolla, landete. Als Motivation für sein Interesse an der Meeresforschung nannte er einmal mit Augenzwinkern nicht nur das Forschen in der Natur, sondern auch die Romanze mit einer Studienkollegin.

1939 nahm Munk die US-Staatsbürgerschaft an und meldete sich aus Entrüstung über den "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich zunächst bei den US-Gebirgstruppen. Später wechselte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter zur US-Marine. Seine Analysen zum Verhalten von Brandungswellen trugen 1944 maßgeblich zum Gelingen der Invasion der Alliierten Truppen in der Normandie bei. Die Generäle konnten mit Hilfe des Prognose-Modells den optimalen Zeitpunkt für die Landung der Soldaten bestimmen.

Kritisch sah Munk dagegen rückblickend einen weiteren Militärauftrag im Zusammenhang mit den Atombomben-Versuchen auf dem pazifischen Bikini-Atoll: "Ich finde, wir haben schreckliche Arbeit geleistet", sagte er dazu. Bekannt wurde der Forscher in den USA außerdem dadurch, dass er in der McCarthy-Ära die Unterzeichnung eines Treueeids zur University of California ablehnte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg promovierte Munk 1947 und heiratete die Architektin Judith Horton, die 2006 verstarb. 1954 wurde er am Scripps ordentlicher Professor für Geophysik. In den folgenden Jahren veröffentlichte Munk eine fast unüberschaubare Anzahl wissenschaftlicher Arbeiten. Seine Vielseitigkeit als Wissenschafter bezeugen seine Arbeiten bei der Konstruktion von Schleusen für die Lagune von Venedig in den 1970er-Jahren, die Analyse von Fossilien urzeitlicher Amphibien sowie die Entwicklung von Messmethoden der Ozeantemperatur und Meeresströmungen mithilfe von akustischen Signalen, die in jüngerer Zeit unter anderem im Zusammenhang mit der Klimaforschung eine wichtige Rolle gespielt haben. Weiters beschäftigte er sich mit Schwankungen der Erdrotation und der Wellenausbreitung.

"In meiner Karriere habe ich auf zu vielen Gebieten gearbeitet, um auch nur in irgendeinem davon einen wirklich gründlichen Job erledigt zu haben", gestand Munk in einem autobiografischen Essay. "Aber Standardwerke werden üblicherweise erst dann geschrieben, wenn ein Thema nicht mehr interessant ist. Wenn man die maximale Wirkung auf den Wissenszuwachs erzielen will, muss man sich früh hinauslehnen."

Gleichzeitig fungierte Munk während des Vietnam-Kriegs als Senatsvorsitzender der University of California San Diego. In dieser Funktion verhandelte er sowohl mit dem Black-Panther-Gründer Eldridge Cleaver wie mit dem damaligen kalifornischen Gouverneur Ronald Reagan.

Munk erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. 1999 den Kyoto-Preis, 2010 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst und den Crafoord-Preis der Königlich-Schwedischen Wissenschaftsakademie. Mit letztgenannter Ehrung für Grundlagenforschung in Disziplinen, die der Nobelpreis nicht abdeckt, wurden seine "Pionierarbeit und fundamentalen Beiträge zu unserem Verständnis der Meeresströmungen, Gezeiten und Wellen und ihrer Rolle in der Erddynamik" gewürdigt. Noch im Vorjahr wurde Munk zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt. Zu seinem 100. Geburtstag wurde ein Teil der Strandpromenade von La Jolla nach ihm benannt.