Anschober sieht Impf-Startphase im Plan. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) ist überzeugt, dass trotz der Lieferkürzung bei AstraZeneca die Impfungen in der Startphase nicht gefährdet sind.

Von APA / NÖN.at. Update am 23. Januar 2021 (15:56)
Auswirkungen von Lieferproblemen bei AstraZeneca auf Impfplan unklar
APA/AFP

"Das große Ziel, das Risiko in Alters- und Pflegeheimen zu reduzieren wird nach Plan umgesetzt", bis Ende Februar sollen demnach alle in diesen Einrichtungen, die das wollen, durchgeimpft sein. Das gehe sich mit den derzeitigen Lieferungen - rund 1,2 Millionen Dosen von Biontech/Pfizer und Moderna - aus, versicherte er.

Auch wenn er die Lieferreduktion von AstraZeneca "nicht einfach hinnehmen" und "um jede Dosis kämpfen" wolle, so seien die Mengen dieses Impfstoffs bisher "noch gar nicht im Detail eingeplant, weil es noch keinen Genehmigungsbescheid gibt", meinte Anschober am Rande einer Pressekonferenz am Samstag in Gramastetten. Daher seien im Impfplan auch mehrere Varianten enthalten. "Wir sind vorbereitet auf solche Situationen." Zu sagen, welche Gruppe nun um wie viel später drankommen könnte, sei aber "noch viel zu früh". Vor allem müsse man sehen, wie die Lieferungen im März aussehen. Es gebe am Montag die nächste Gesprächsrunde der EU mit AstraZeneca, da gehe es darum diese Fragen zu konkretisieren.

Klar scheine, dass die von AstraZeneca erwarteten Liefermengen im Februar deutlich kleiner zu werden drohen, teilte das Gesundheitsministerium in einer Aussendung mit: "von geplanten 650.000 auf 340.000 Dosen". Noch größer drohe die Verringerung im März zu werden, geplant gewesen seien für dieses Monat 1,1 Millionen Dosen. Die Detailsumme sei hier allerdings noch nicht fixiert. "Am Wichtigsten sind nun die konsequente Fortsetzung der Impfungen mit den zur Verfügung stehenden Impfmengen sowie Verhandlungen der EU mit AstraZeneca über die raschestmöglichen und größtmöglichen Liefermengen", teilte Anschober in der Aussendung mit.

Die Vorschläge von SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner zur Entspannung der Impfsituation - mehr Dosen aus einer Ampulle, längere Abstände zwischen den Teilimpfungen und andere Länder anzapfen - lobte er als "sehr konstruktiv". Teilweise werde das aber ohnehin schon so gehandhabt. Beim Bezug von Impfstoff etwa aus Israel ist er jedoch skeptisch: "Nach meinem Wissenstand haben alle belieferten Länder ein Drittverwertungsverbot, aber wir werden das überprüfen", sagte Anschober und betonte: "Wir kämpfen um jede einzelne Dosis, dass sie rechtzeitig geliefert wird", vieles sei nach er Ankündigung von AstraZeneca am Freitag aber noch offen.

FPÖ-Obmann Norbert Hofer unterstützt den Vorschlag von Rendi-Wagner, über andere Länder - wie beispielsweise Israel - zu zusätzlichen Impfdosen zu kommen. "Österreich und Israel haben traditionell gute Beziehungen. In Israel gibt es derzeit übervolle Lager mit Impfstoffen, die aus der EU geliefert worden sind. Es wäre gut, wenn die Bundesregierung Verhandlungen aufnimmt und Israel bittet, in Vorlage zu treten, um den Engpass in Österreich mit Impfdosen aus Israel zu beheben. Das könnte helfen, das Tempo bei den Impfungen in Österreich hoch zu halten und letztlich dazu beitragen, den Lockdown in Österreich möglichst rasch zu beenden", sagte Hofer gegenüber der APA.

Rendi-Wagner hatte u.a. auch angeregt, aus einer Ampulle bis zu sieben Impfdosen herauszuziehen. Das sei bereits Realität, so Anschober, "es wird nichts verschwendet". Bei der ebenfalls von der SPÖ-Chefin in den Raum gestellten Streckung des Impfintervalls blieb er vorsichtig. Laut Vorgaben des Genehmigungsbescheids darf der zweite Stich zwischen dem 19. und dem 42. Tag nach der ersten Teilimmunisierung verabreicht werden, ideal sei demnach Tag 21. "Das sind wir jetzt schon dabei, auch aus logistischen Gründen, Flexibilität zuzulassen", so Anschober, "aber darüber hinaus nicht, weil da laut Genehmigungsbescheid ein Risiko beginnen würde". Rendi-Wagners Vorschlag hatte sich aber ohnehin im Rahmen des zugelassenen Intervalls bewegt - sie hatte von fünf bis sechs statt drei Wochen gesprochen.

Um eine Prognose, wann der Lockdown zu Ende sein werde, abgeben zu können "bräuchte man eine Kristallkugel", wollte sich der Minister vorerst nicht festlegen. In der kommenden Woche werde es eine neuerliche Evaluierung - auch mit den Landeshauptleuten - geben. "Aber wir werden sicher sehr auf der vorsichtigen Seite bleiben", alles andere wäre "fahrlässig", so Anschober. Auch werde man in der kommenden Wochen nähere Daten zur Ausbreitung der britischen Mutation haben, wo nun auch im Raum steht, dass diese nicht nur ansteckender, sondern auch tödlicher sein könnte - auch wenn bisher alle Studien in Hinblick auf die Gefährlichkeit das Gegenteil gesagt hätten, wie Anschober betonte.

Die NEOS bekräftigten am Samstag ihre Forderung nach einem "Impf-Krisengipfel". Gesundheitssprecher Gerald Loakcker kritisierte, dass die Regierung in ihrer Ankündigung für Gespräche am Montag mit Experten, Landeshauptleuten und der Opposition das Wort Impfung nicht einmal in den Mund genommen habe. Über weitere Maßnahmen könne man erst diskutieren, wenn es eine richtig aufgesetzte Impfstrategie gebe."Es braucht einen rechtsverbindlichen Impfplan und nicht nur bloße Empfehlungen und Ankündigungen der Regierung", so Loacker in einer Aussendung.