Erstellt am 10. August 2018, 20:38

von APA Red

Trump setzt Erdogan unter Druck. Inmitten der Währungskrise in der Türkei erhöhen die USA den Druck auf Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Trump fährt weiter Taktik der Konfrontation  |  APA/ag.

US-Präsident Donald Trump ordnete am Freitag im Streit um den in der Türkei festgehaltenen US-Pastor Andrew Brunson eine Verdoppelung der Sonderzölle auf Stahl und Aluminium aus der Türkei an. Die Lira brach zeitweise um etwa ein Fünftel ein - so stark wie zuletzt Anfang 2001.

Erdogan rief seine Landleute zur Einheit auf: "Wer denkt, er wird uns durch Wirtschaftsmanipulationen in die Knie zwingen können, kennt uns nicht." Er forderte die Bevölkerung auf, Euro, Dollar und Gold in die Landeswährung zu tauschen. "Wir werden den Wirtschaftskrieg gewinnen", sagte er.

Trump hob die Stahlzölle auf 50 und die auf Aluminium auf 20 Prozent an. Das Weiße Haus begründete dies mit der Nationalen Sicherheit. "Unsere Beziehungen zur Türkei sind derzeit nicht gut", twitterte Trump. Der Regierung in Ankara zufolge widersprechen die neuen Zölle den Regeln der Welthandelsorganisation WTO. Die Türkei hat bisher beim Versuch, eine Eskalation des Streits um Brunson zu vermeiden, keinen Durchbruch erreicht. Brunson lebt seit mehr als 20 Jahren in der Türkei. Die türkische Justiz wirft ihm vor, Kontakte zum Prediger Fetullah Gülen unterhalten zu haben, den Erdogan für den Putschversuch in der Türkei vor zwei Jahren verantwortlich macht und der in den USA lebt. Brunson weist dies zurück. Die USA und die Türkei haben wegen des Disputs bereits Sanktionen gegen Minister des jeweils anderen Landes verhängt.

Die türkische Währung steht schon seit Monaten unter Druck. Investoren sehen insbesondere den Einfluss des Präsidenten auf die Notenbank kritisch. Auch die Erklärung von Finanzminister Berat Albayrak, eine unabhängige Geldpolitik sei entscheidend für die Wirtschaft, konnte ihre Sorgen nicht nehmen. Am türkischen Finanzmarkt kam es zum Ausverkauf. Für einen Dollar mussten bis zu 7,00 Lira bezahlt werden, zum Handelsschluss waren es mit 6,37 Lira immer noch knapp 15 Prozent mehr als am Donnerstag. Auch an den Börsen ging es bergab. DAX und EuroStoxx50 verloren je zwei Prozent, an der Wall Street in New York sackten die Kurse um ein Prozent ab. Anleger trennten sich unter anderem von Aktien solcher Banken, die ein größeres Türkei-Engagement haben. Allein deutsche Institute haben der Bundesbank zufolge etwa 21 Mrd. Euro in der Türkei im Feuer.

Erdogan sagte vor Anhängern in der Provinz Gumushane, die Wirtschaftsleistung der Türkei werde trotz der "Attacken auf die Wirtschaft" wachsen und ein Rekordniveau erreichen. "Ignoriert die Währungskurse", rief er Anhängern zu. "Dies ist ein nationaler Kampf. Das wird die Antwort meines Volkes auf jene sein, die einen Wirtschaftskrieg gegen uns führen." Diejenigen, die schon den Putschversuch gegen ihn im Jahr 2016 unterstützt hätten, würden die Türkei nun erneut angreifen. Erdogan fügte gleichwohl hinzu, die Lösung von Problemen könne nur über Verhandlungen gelingen. Er wolle Kooperation statt Streit.

Im Volk hat der Präsident, der gerade erst wiedergewählt wurde und nun mit einer in der Türkei nie da gewesenen Machtfülle ausgestattet ist, durchaus Rückhalt - trotz steigender Preise für Lebensmittel, Mieten und Benzin. "Diese Krise ist von Amerika herbeigeführt worden", sagte etwa der 23-jährige Serap, Verkäufer in einem Modegeschäft in der Metropole Istanbul.

Experten machen gleichwohl Erdogans Politik für die Turbulenzen verantwortlich. "Der Grund, warum die Währung entgleist ist, ist, dass das Vertrauen in die Wirtschaftspolitik sowohl im In- als auch im Ausland verschwunden ist", sagte der Wirtschaftswissenschaftler Seyfettin Gursel aus Istanbul.

Auch ein neues Wirtschaftskonzept, das Finanzminister Albayrak - Erdogans Schwiegersohn - am Freitag vorstellte, sorgte nicht für mehr Ruhe an den Märkten. Die Pläne sehen unter anderem eine straffere Geld- und Haushaltspolitik vor. Seit Jahresbeginn hat die türkische Währung mehr als 40 Prozent an Wert eingebüßt, nachdem es schon 2017 um etwa ein Viertel nach unten gegangen war. Das treibt die Inflation immer mehr nach oben.