Van der Bellen tritt wieder bei Bundespräsidenten-Wahl an

Aktualisiert am 22. Mai 2022 | 18:10
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Van der Bellen will Bundespräsident bleiben
Van der Bellen will Bundespräsident bleiben
Foto: APA/GEORG HOCHMUTH
Das Warten auf die Verkündung hat ein Ende: Bundespräsident Alexander Van der Bellen wird wie erwartet für eine zweite Amtszeit in der Hofburg kandidieren. Am Sonntagnachmittag gab der 78-Jährige seinen Wiederantritt in einem Video auf eigens eingerichteten Social Media-Kanälen bekannt. Wer sich noch um das Amt bewerben wird, ist noch offen - SPÖ und NEOS haben aber bereits umgehend klargestellt, dass sie niemanden ins Rennen schicken werden.

"Ich möchte, wenn Sie einverstanden sind, das Meinige dazu beitragen, dass die nächsten Jahre gut werden für uns alle", erklärt Van der Bellen in dem knapp zweiminütigen Video. Der Clip trägt den Titel "Da sein für unser Österreich" und zeigt ihn in seinen Amtsräumlichkeiten, bei Terminen und im Gespräch mit Menschen.

Das Amt des Bundespräsidenten sei "eine spannende Aufgabe", betont das Staatsoberhaupt: "Man muss Überraschungen lieben - kein Mensch kann einen vorbereiten auf das, was einen da erwartet." Er verwies darauf, dass wohl keiner erwartet hätte, was in den vergangenen fünf Jahren alles passieren würde. "Seien wir ehrlich: Dinge wie Ibiza sind heute schon fast vergessen", meint er.

So herausfordernd werde es wohl bleiben, vermutete er. "Nationalisten greifen nach der Macht, wenn wir es zulassen." Es werde eine große Aufgabe, den Frieden, den sozialen Zusammenhalt und die Natur zu bewahren. Er werde "keine Ruhe geben", bis er sicher sei, "dass wir alle gemeinsam auf dem richtigen Weg sind", beteuerte er.

Er wolle mit "Mut, Kraft und Besonnenheit" zur Verfügung stehen, hieß es auf Van der Bellens neuem, extra für die Wahl-Kampagne eingerichteten Twitter-Account "derkandidat_vdb". "Sie können auf mich zählen. Darf ich auf Sie zählen?", wirbt er auf der Website www.vanderbellen.at um - auch finanzielle - Unterstützung.

Zuständig für die Kampagne des früheren Grünen-Chefs Van der Bellen, der als "unabhängiger Bundespräsident" auftritt, ist der Verein "Gemeinsam für Van der Bellen - Unabhängige Initiative zur Stärkung der liberalen Demokratie". Mehr Details, wer die Kampagne organisiert, soll es Montagvormittag bei einer Pressekonferenz geben. Sprecher der Kampagne ist Stephan Götz-Bruha, der erst kürzlich das Büro von Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) verlassen hat.

Van der Bellen wurde - im Wahlmarathon 2016 - am 4. Dezember 2016 mit 53,79 Prozent ins Amt gewählt, im Stechen gegen den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer. Dieser verzichtet heuer auf eine neuerliche Bewerbung - hat eine solche aber für 2028 in Aussicht gestellt. Dann kann Van der Bellen, wenn er eine zweite Periode absolviert hat, nicht mehr antreten.

ÖVP und SPÖ haben bereits mehrfach wissen lassen, dass sie im Fall der Wiederkandidatur Van der Bellens diesmal nicht dabei sind. Die ÖVP will sich mit einer Stellungnahme noch Zeit lassen, SPÖ-Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner bekräftigte am Sonntag gegenüber der APA bereits, den Amtsinhaber zu unterstützen. "Alexander Van der Bellen hat Österreich als Staatsoberhaupt durch turbulente Zeiten und Krisen geführt. Er hat sein Amt unabhängig, verantwortungsvoll und besonnen ausgeführt", lobte sie.

Die NEOS werden Van der Bellen - wie schon beim zweiten Wahlgang vor sechs Jahren - bei der neuerlichen Kandidatur ebenfalls unterstützen, wie Generalsekretär Douglas Hoyos erläuterte. "In den kommenden sechs Jahren wird es auch an Van der Bellen als Staatsoberhaupt liegen, in Österreich den Rechtsstaat zu stärken und die Korruption im politischen System endlich zu beenden. Wir erwarten uns in ihm eine laute Stimme für Transparenz und saubere Politik und werden dafür immer ein starker Partner sein", versprach der NEOS-Politiker in einer Stellungnahme.

Die FPÖ hingegen wird selbst eine Gegenkandidatin oder einen Gegenkandidaten präsentieren, wie man einmal mehr klarstellte. "Mit Alexander Van der Bellen tritt der Kandidat des gescheiterten Systems erneut zur Bundespräsidentenwahl an", begründete Bundesparteichef Herbert Kickl den Schritt. Van der Bellen stehe etwa für die "Spaltung der Gesellschaft" durch eine völlig evidenzbefreite und bösartige Corona-Politik. Auch sei er für eine "Aufweichung" der Neutralität verantwortlich. Wer FPÖ-Kandidat wird, wurde noch nicht verraten.

Grünen-Chef Werner Kogler äußerte sich via Twitter sichtlich sehr erfreut. "Eine gute Nachricht für Österreich", kommentierte er das Wiederantreten des einstigen Grün-Politikers.