Thunberg kritisiert bisherige Klimaschutzbemühungen. Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hat am Dienstag ihren ersten Auftritt im Rahmen des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos absolviert. Thunberg kritisierte dabei die völlig unzureichenden Maßnahmen für den Klimaschutz.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 21. Januar 2020 (11:02)
Die Klimaaktivistin fordert nachhaltigere Maßnahmen
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Zwar sei viel passiert, seit sie vor eineinhalb Jahren ihren Streik zum Schutz des Klimas begonnen habe, doch sei dies kein Grund zu überschwänglicher Freude, betonte die 17-Jährige. Auf politischer Ebene sei de facto nichts getan worden, um den Klimaschutz zu stärken. Dies müsse sich nun ändern.

Thunberg forderte, dass der Wissenschaft mehr Beachtung geschenkt werden müsse."Wir müssen die Krise behandeln als das, was es ist: Eine Krise", sagte die Schwedin. "Es muss viel mehr passieren, dies ist erst der Anfang. Persönlich könne sie sich über Aufmerksamkeit nicht beklagen. "Aber die Wissenschaft und die Stimmen der jungen Generation stehen nicht im Zentrum der Debatte. Doch das müssen sie."

Beim Weltwirtschaftsforum (WEF) im Skiort Davos geht es in diesem Jahr auch um den Klimawandel und einen nachhaltigen Kapitalismus. Zu dem Treffen werden rund 2.800 Teilnehmer und 53 Staats- und Regierungschefs erwartet. Die Auftaktrede hält US-Präsident Donald Trump.

Bei dem viertägigen Treffen in den Schweizer Alpen diskutieren die Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft über Lösungen für internationale Probleme. Die Tagung steht in diesem Jahr unter dem Motto "Stakeholder für eine solidarische und nachhaltige Welt". Im Fokus stehen neben dem Klimawandel geopolitische Probleme wie die Krisen im Nahen Osten und in Libyen.

Trump wird in Davos unter anderem Iraks Staatschef Barham Salih sowie den Präsidenten der kurdischen Autonomiegebiete, Nechirvan Barzani, treffen. Das Verhältnis des Iraks mit den USA war im Jänner ins Wanken geraten, nachdem US-Kräfte bei einem Luftangriff in Bagdad den iranischen General Qassem Soleimani getötet hatten. Das irakische Parlament forderte die Regierung daraufhin auf, die derzeit rund 5.000 dort stationierten US-Soldaten des Landes zu verweisen. Trump dürfte in seinen Gesprächen darauf setzen, die Wogen wieder zu glätten und die Iraker auf den gemeinsamen Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) einzuschwören.

Zudem will sich Trump hinter verschlossenen Türen auch mit Pakistans Regierungschef Imran Khan und dann EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen treffen. Dabei dürfte es wohl auch um den Handelskonflikt zwischen der Europäischen Union und den USA gehen - hier droht Trump mit Strafzöllen auf Autoimporte aus der EU.

Darüber hinaus sucht Trump in Davos auch den Austausch mit den Chefs großer Unternehmen. "Ich werde die wichtigsten Unternehmensführer der Welt treffen", hatte Trump angekündigt. Er will Davos auch dafür nutzen, um für Investitionen in den USA zu werben, um die "boomende" Wirtschaft noch weiter anzukurbeln. "Wir wollen, dass diese Unternehmensführer alle in die Vereinigten Staaten kommen", so Trump. Kurz vor seiner Abreise twitterte er, er werde weitere Hunderte Milliarden Dollar zurück in die USA bringen.

Erwartet wird, dass Trump sich in seiner Eröffnungsrede wie üblich unter Verweis auf Börsenrekorde und die niedrige Arbeitslosenquote in den USA als meisterhafter Lenker des Wirtschaftsgeschehens darstellt. Als wahrscheinlich gilt zudem, dass er auf die jüngsten Erfolge in den von ihm angezettelten Handelskonflikten verweisen wird, denn vergangene Woche besiegelte er ein erstes Teilabkommen mit China. Das von Trump ursprünglich angestrebte umfassende Handelsabkommen mit Peking steht aber weiter in den Sternen.

Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan forderte die Konzernchefs in Davos auf, in Klimafragen nicht vor Trump einzuknicken. Sie hoffe, dass die Manager "dieses Mal ein wenig tiefer in ihre Seele gucken und überlegen, was sie dort sagen", sagte Morgan der dpa. "Die Konzernchefinnen und -chefs dort haben die Verantwortung, Klartext mit ihm zu reden." Sie müssten in eine aktive Rolle schlüpfen, "damit Menschen wie Trump verstehen, dass sie isoliert sind".