ÖRV-Aktive gegen Winterberg-Statistik um Medaillen. Österreichs Kunstbahnrodler gehen am Donnerstag mit einer Bilanz von sechs Weltcup-Saisonsiegen und insgesamt 17 -Podesträngen chancenreich in den Saisonhöhepunkt. Bei den Weltmeisterschaften in Winterberg sind aber die Deutschen zu favorisieren, den Lokalmatadoren liegt die Bahn gut. Aus rot-weiß-roter Sicht wäre Chefcoach Rene Friedl für die sieben Bewerbe mit insgesamt zwei Medaillen zufrieden.

Von APA Red. Erstellt am 22. Januar 2019 (07:27)
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Wolfgang Kindl ist doppelter Titelverteidiger

Friedl ist nach den seit vergangenem Donnerstag beim Training auf der WM-Bahn gesammelten Eindrücken zuversichtlich, den Deutschen nähergekommen zu sein, nachdem es in den vergangenen Jahren auf der Bahn im Hochsauerland für das ÖRV-Team immer wieder Probleme gegeben hatte. "Wir haben aufgeholt. Unsere Herren sind schon recht flott unterwegs", sagte der Trainer der APA. "Es wird interessante Rennen geben. Auch die Russen sind sehr schnell."

Die Österreicher waren schon bei einem Saison-Vorbereitungskurs im November in Winterberg gewesen, die Summe all dieser Fahrten ist für die Materialabstimmung wichtig. Wertvoll dafür sind die derzeit guten Wetterverhältnisse. "Wir haben gewaltige Bedingungen, ganz untypisch für Winterberg", erklärte Wolfgang Kindl im APA-Gespräch. "Wir hatten schon oft Schneefall, Regen und so weiter, jetzt aber herrscht schönes Winterwetter."

Den Routiniers wie Kindl hilft auch die Erfahrung, denn das auf einer Bahn bisher Erlebte fließt in die Abstimmung mit ein. "Die letzten Jahre werden analysiert. Man weiß, was man zu tun hat", erläuterte der Doppel-Weltmeister von Igls 2017. Für die Sammlung bisheriger Daten sei einerseits der Sportler selbst verantwortlich. "Zusätzlich machen sich die Trainer Notizen", bezog sich der 30-Jährige aus der ÖRV-Crew speziell auf die Ex-Doppelsitzer Tobias Schiegl und Peter Penz.

Die Bedeutung des Materials hob auch David Gleirscher hervor. Der Olympiasieger kann in Winterberg immerhin auf Weltcup-Rang vier vom Vorjahr verweisen. "Winterberg war noch nie eine Österreicher-Bahn. Deswegen ist die internationale Trainingswoche sehr, sehr wichtig, um die Materialabstimmung zu finden." Neben Titelverteidiger Kindl und Gleirscher bilden Königssee-Sieger Reinhard Egger und Jonas Müller das österreichische Herren-Aufgebot.

Und in diesen Bereich legt Friedl neben der Staffel große Hoffnung auf einen Podestplatz. Neben dem einen Sieg von Egger hat Kindl in dieser Saison schon dreimal zugeschlagen, Gleirscher bilanzierte mit zwei dritten Plätzen als Top-Ergebnisse und Müller war im nach einem Lauf abgebrochenen Königssee-Weltcup immerhin Vierter. Die Doppelsitzer Thomas Steu/Lorenz Koller haben bisher in Winterberg noch nie überzeugt. Friedl: "Sie haben aber viel dazugelernt und sind in Schlagdistanz."

Als Dritte des Doppelsitzer-Weltcups zählen der Vorarlberger Steu und der Tiroler Koller zu den Medaillenanwärtern. Vorerst galt es aber noch, besonders Kurve 11 in den Griff zu bekommen. "Wenn wir ohne Medaille heimkehren, wäre ich sicherlich enttäuscht", ließ Steu wissen. "Aber es wird verdammt schwer." Denn gerade in Winterberg wäre ein deutscher Triple-Sieg keine Überraschung. "Die sind hier eine Macht, aber auch die Russen, Letten, Italiener und Kanadier sind zu beachten."

Bei seiner Damen-Equipe sieht Friedl die beiden 18-Jährigen besser dastehen, nämlich Königssee-Dritte Hannah Prock und Lisa Schulte. "Die jungen Mädels zeigen ganz gut auf", lobte der Coach. Die 20-jährige Madeleine Egle und Birgit Platzer würden noch ums lockere Fahren kämpfen. "Birgit kann schon mal der Knoten aufgehen", meinte der Deutsche aber über die Zweite vom November 2017. Das war der einzige ÖRV-Einzel-Podestrang in Winterberg der vergangenen drei Jahre.

Bei den insgesamt dritten Weltmeisterschaften in Winterberg nach 1989 und 1991 werden neben den sieben Medaillensätzen in den Entscheidungen ("Race-in-Race"-Modus) auch die U23-WM-Titel vergeben. Die neben Kindl übrigen Titelgewinner von Igls 2017 sind Rekord-Weltmeisterin Tatjana Hüfner (GER) und ihre Landsleute Toni Eggert/Sascha Benecken sowie auch das deutsche Team. Die übrigen Sprint-Titel gingen an Erin Hamlin (USA) und Tobias Wendl/Tobias Arlt (GER).

Zeitplan 48. Kunstbahn-Rodel-WM Winterberg: Donnerstag (12.00 Uhr) - Nichtgesetzten-Vorläufe (Qualifikation); Freitag - Sprint-Quali (9.00), Sprint-Finali Doppelsitzer (13.40), Damen (14.35) und Herren (15.30); Samstag - Doppelsitzer (11.10/12.40), Damen (14.20/16.10); Sonntag - Herren (11.05/13.15), Staffel (15.50) - ab Freitagmittag live ORF Sport + bzw. 1. Lauf Damen-Einsitzer ORF -TVthek