Erstellt am 16. September 2018, 13:50

von APA Red

Schubhäftlinge nach Brand auf dem Weg der Besserung. Die sechs Schubhäftlinge, die in der Nacht auf Samstag bei einem vermutlich aus Protest selbst gelegten Brand in ihrer Zelle im Wiener Polizeianhaltezentrum (PAZ) am Hernalser Gürtel teils schwer verletzt wurden, befinden sich auf dem Weg der Besserung. Nach Angaben des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) konnten bis auf einen alle die Intensivstationen verlassen.

Nur mehr ein Häftling befindet sich auf der Intensivstation  |  APA

Sie bleiben allerdings weiterhin stationär aufgenommen und von Justizbeamten überwacht in drei Wiener Krankenhäusern. Bisher liegt laut Polizeisprecher Paul Eidenberger nur die Aussage eines 31-jährigen Afghanen vor, der nach seiner Rettung "teilvernommen" werden konnte. Dessen Angaben seien daher vorerst auch der einzige Anhaltspunkt, wonach die sechs Schubhäftlinge nicht, wie zunächst angenommen, kollektiv Selbstmord begehen, sondern laut dem Sprecher vielmehr "eine Art Protest" setzen wollten.

Demnach sollen die Schubhäftlinge in der Nacht auf Samstag das Feuer in der Zelle gelegt haben und dann in den Waschraum gegangen sein. Bei diesem handelt es sich um einen an die Zelle angeschlossenen Nassraum mit eigener Tür. Vor diese legten sie einen Fetzen, offenbar um zu verhindern, dass Rauchgase in den Nassraum eindrangen, und schlossen die Tür. Weil der Stoff den Spalt nicht wirklich abdichtete, lief einer der Schubhäftlinge später zur Zellentür, um Hilfe zu holen. Das dürfte jener Insasse gewesen sein, den Polizisten unmittelbar dahinter liegend gefunden und geborgen haben. Die anderen fünf rettete die Wiener Berufsfeuerwehr unter Atemschutz.

Beim Rettungseinsatz wurden auch vier Beamte verletzt. Drei Polizistinnen und ein männlicher Kollege waren betroffen. Die Berufsrettung Wien betreute überdies 14 weitere Schubhäftlinge aus anderen Zellen an Ort und Stelle wegen des Verdachts auf Rauchgasvergiftungen.