Alexander Eder: „Ich wollte immer auf der Bühne stehen“

In Neuhofen an der Ybbs bat die NÖN Sänger Alexander Eder zum Interview. Der 22-Jährige hat zwei Millionen Fans auf TikTok, spielt gern Fußball und ist bodenständig wie eh und je.

Erstellt am 20. Oktober 2021 | 05:45

NÖN:  Sie haben mit Ihrem Auftritt bei der NÖN-Relaunch-Party viele Ehrengäste mit Ihrer Stimme beeindruckt. Haben Sie als Neuhofner eine besondere Beziehung zur NÖN?
Alexander Eder: Ja sowieso. Eine NÖN hat man immer am Küchentisch liegen. Jede Woche weiß man, was es gerade aktuell so Neues gibt. Bei meinem allerersten Bühnenauftritt in Neuhofen bei einer Playbackshow – die jetzt Schulshow heißt – haben wir ein Stück von Michael Jackson aufgeführt. Da war ich das erste Mal in der NÖN. Den Artikel habe ich bis heute aufgehoben.

Sie haben 2018 mit Ihrem Auftritt bei der deutschen TV-Show „The Voice of Germany“ den Durchbruch geschafft. Wie ist es dazu gekommen?
Eder: Ich war nach langer Zeit auf einer Geburtstagsparty bei einer Freundin. Wir haben uns, da ich beim Bundesheer war, lange nicht gesehen. Mit ihr hab‘ ich auch die Hauptrollen im Musical besetzen dürfen. Auf der Party hat sie zu mir gesagt „Alex, du musst zu The Voice gehen“. Ich wollte zu diesem Zeitpunkt Oper studieren. „The Voice“ war eigentlich das Gegenteil. Ich bin dann erst um 6 Uhr in der Früh von der Party mit dem Zug heimgefahren und konnte auch danach nicht einschlafen. Um 9 Uhr hab ich mich dann angemeldet. Erst dann war ich beruhigt und konnte einschlafen.

Alexander Eder
Alexander Eder im Gespräch mit Lisa Wurzinger
Alexander Eder, zVg

Wie ging es dann weiter? Sie sind ja auch in der Show sehr weit gekommen.
Eder: Es ist total schwierig zu beschreiben, weil es so unpackbar war. Man hat Castings, und bei jedem fragt man sich, ob man eine Runde weiter ist. Dann kommt eine ewiglange Wartezeit, und du wartest auf eine E-Mail oder einen Anruf. Und wie ich erfahren habe, dass ich bei den Blind Auditions (Anm.: fix in der TV-Show) war, war ich einfach so aus dem Häuschen. Ich habe so viel geschrien und geweint, ich hab mich so gefreut. Dann steht man bei dieser Produktion und ist da dabei. Es ist einfach schräg, wie groß das alles ist. Man stellt es sich groß vor, doch es ist zehn Mal größer. Beim ersten TV-Auftritt war ich total nervös, aber ich war noch nie so entschlossen wie damals. Ich habe gewusst: Ich gehe raus und gebe alles, was ich kann.

Und die Familie ist seit damals Ihr größter Fan?
Eder: Ja, auf jeden Fall. Mein Papa ist mit mir zu jedem Casting gefahren. Ewig weit. Er hat einfach seine Firma zugesperrt und gesagt: „Ich will da dabei sein und ihn unterstützen.“ Und meine Mama lasst auch immer alles liegen und stehen für mich. Mein Bruder sowieso. Mein Papa hat immer zu mir gesagt: „Wenn es das ist, was du machen möchtest, unterstütze ich dich zu 100 Prozent, aber dafür musst du dich auch zu 100 Prozent reinhauen.“

Wollten Sie schon immer Sänger werden?
Eder: Seit ich das erste Mal auf der Bühne war, wollte ich auch immer irgendetwas auf der Bühne machen. Wie ich ganz klein war, wollte ich Sänger werden, da mir Robby Williams sehr gefallen hat. Da hatte ich noch überhaupt keine Ahnung vom Singen. Das war einfach so eine Vision. Dann wollt‘ ich immer Schauspieler werden, aber es gibt sehr wenige Schulen mit Schauspiel, dafür mehr mit Musik. Das BORG St. Pölten hat ein Musical-Projekt, das mir sehr gefallen hat. Dann habe ich mir gedacht, ich geh in die Schule und nehme Singen als Wahlpflichtfach. So hat alles begonnen. Mit 15 Jahren habe ich zu singen begonnen. Und als ich mit 18 bei dem Musical mitgespielt habe, wurde mir bewusst, dass ich das unbedingt hauptberuflich machen will. Für mich ist es das Schönste, wenn ich Leute zum Lachen bringen kann oder dass man einfach eine schöne Zeit gemeinsam hat.

Sie haben auf TikTok mittlerweile über zwei Millionen Follower. Wie haben Sie das geschafft?
Eder: TikTok ist echt brutal. Es ist innerhalb kürzester Zeit explodiert. Aber was man hier nicht sieht, ist, dass ich schon ein Jahr davor täglich Content raufgeladen habe. Der hat auch immer wieder mal gut funktioniert und dann wieder gar nicht. Ich musste wahnsinnig viel ausprobieren. Irgendwann hab‘ ich jeden Tag drei bis vier Videos hochgeladen und hab richtig Gas gegeben. Auf einmal ist es explodiert. Charlie Puth und SDP haben auf mein Video reagiert. Auf einmal kennen dich so viele aus der Musikszene von TikTok. Auch bei einer Songwriting Session in Mannheim wurde ich schon von einem riesigen Produzenten darauf angesprochen.

Alexander Eder
On Stage: Alexander Eder in seinem Element
Alexander Eder, zVg

Nach „The Voice“ haben Sie mit dem Liedertexten begonnen – was hat Sie dazu inspiriert?
Eder: Ich schreibe meine Songs mit meiner Band in diesem Stüberl. Inspirationen entstehen aus jeder Situation heraus. Ich fahr oft mit dem Auto kurz und halte dann an, um meine Gedanken festzuhalten. Es gibt Tage, da fällt dir oder jemandem von der Band ein Thema ein – da kann man innerhalb einer Stunde einen ganzen Text schreiben. Und dann gibt es Situationen, da fällt einem nichts ein. Kreativ sein ist so schwierig – das geht nicht auf Knopfdruck.

Abgesehen von TikTok. Sind Sie auch live zu sehen?
Eder: Ja, aber fast nur mit der Band – das ist viel cooler. Alleine kann man weniger spontan sein. Mit meiner Band fühle ich mich so wohl, und ich glaube, das spüren die Leute auch.

Was waren die Highlights Ihrer Auftritte heuer?
Eder: Wir sind teilweise in Deutschland aufgetreten und waren in Österreich in jedem Bundesland. Diesjährige Highlights waren zum Beispiel das Krone Fest in Linz und das Donauinselfest. In Tirol sind wir sehr viel – da fühlen wir uns immer wohl.

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Alex Eder kickt für Neuhofen
Anton Kovacs

Als Ausgleich machen Sie gerne Sport und sind sogar beim Fußballklub in Neuhofen aktiv.
Eder: Ja, ich habe leider nicht sehr viel Zeit, aber meine Schulfreunde haben mich dazu gebracht, dass ich zurück nach Neuhofen wechsle. Hier spiele ich auf der Außenbahn in der Verteidigung und bin beinhart. Fußballerische Qualitäten sind bei mir nicht so extrem vorhanden. Ich gehe aber auch gerne Laufen. Nach vier Halbmarathons möchte ich nächstes Jahr einen richtigen Marathon ins Visier nehmen.