Odyssee um mobile Testung für Klosterneuburger

Erstellt am 12. Januar 2022 | 04:33
Lesezeit: 4 Min
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Bezirkshauptmann Andreas Riemer ist um Aufklärung bemüht.
Foto: NÖN
Krank, aber als Kontaktperson zur Testung verpflichtet. Vater und Sohn aus Klosterneuburg zwischen den Mühlsteinen der Behörde. Bezirkshauptmann Riemer um Aufklärung bemüht.

Ein wildes behördliches Hin und Her war die Folge der Covid-Erkrankung eines 24-jährigen Klosterneuburgers, der mit seinem Vater in einem gemeinsamen Haushalt lebt. Beide geimpft. Ob der Vater auch an Covid erkrankt ist, konnte bis Redaktionsschluss (Montag, 10. Jänner) nicht eruiert werden. Zu zweit wandten sie sich an die NÖN, wollen aber beide lieber anonym bleiben.

Am Mittwoch, 5. Jänner war es für den 24-Jährigen traurige Gewissheit. Das Ergebnis seiner eigeninitiativ veranlassten Testung flatterte um 1 Uhr Früh auf sein Handy: positiv. Obwohl schon von den Covid-Symptomen gezeichnet, erledigte der junge Mann ordnungsgemäß die Aufforderung der Behörde, seine Kontakte bekannt zu geben. Der Hauptkontakt war natürlich sein im gemeinsamen Haushalt lebender Vater.

Wie bitte soll das ein vielleicht älterer, erkrankter Patient, der auch noch Angst vor der Krankheit hat, schaffen?“ Ein vermutlich Covid-Infizierter 57-jähriger Klosterneuburger, versunken im Behördendschungel

Der 57-jährige Vater erhielt am nächsten Tag, der 6. Jänner, eine Mail der Bezirkshauptmannschaft indem er aufgefordert wurde, als „K1“-Person innerhalb von 48 Stunden eine Teststation aufzusuchen und sich testen zu lassen. Mittlerweile hatte der Vater aber schon die ersten Anzeichen einer Covid-Erkrankung. Müdigkeit, Husten, Schnupfen und Fieber, das sich bis zum Abend hin verstärkte. „Fast 40 Grad Fieber habe ich am Abend gemessen. Die Nacht war furchtbar“, so der Vater.

Das Haus konnte er in diesem Zustand auch am nächsten Tag nicht verlassen. Zu schwach, um die Behörde über den Sachverhalt zu informieren, übernahm der sich nun schon etwas besser fühlende Sohn dieses Vorhaben. Das Ziel: eine mobile Testung für den Vater.

„Ich habe 1450 angerufen und bin mit der 1 zur Bezirkshauptmannschaft gekommen“, erzählt der 24-jährige Sohn. Dann soll eine behördliche Odyssee gestartet haben. Der Sohn erzählt: „Die Bezirkshauptmannschaft hat mir eine Nummer gegeben. Dort könnte ich eine mobile Testung veranlassen. Ich habe dort angerufen. Die haben aber dann gesagt, dass sie das nicht freigeben könnten. Das könne nur von der BH freigegeben werden.“

Wieder bei der BH angelangt, hätte man ihm gesagt, dass es sich dabei um einen Irrtum handle. Man hätte dort gemeint, dass es dabei um eine Freitestung gehe. „Die Dame von der BH war sehr freundlich mit mir“, erzählt der Sohn weiter, „sie hat mir dann gesagt, dass sie mich jetzt zur richtigen Stelle verbinden werde.“

Aber auch das Gespräch dürfte nicht ganz befriedigend abgelaufen sein. Der Sohn: „Auch die fühlten sich ‚nicht ganz zuständig‘ und haben mich wieder weiterverbunden.“

Diese letzte telefonische Adresse dürfte dann die richtige gewesen sein. Man versprach, die mobile Testung zu bewilligen. Das werde veranlasst. Die Bezirkshauptmannschaft werde sich melden. „Wie bitte soll das ein vielleicht älterer erkrankter Patient, der auch noch Angst vor der Krankheit hat, schaffen?“, fragt sich der Vater.

Die NÖN kontaktierte den Notruf 1450 und bat um Aufklärung. Pressesprecher Stefan Spielbichler: „Die BH Tulln hat den Vater zur Testung in einem Drive-In angemeldet. Eine Änderung der Testungsart kann auch nur durch die BH angeordnet werden.“

Bezirkshauptmann bedauert Vorfälle

„Ich bedauere, dass es in diesem Fall offensichtlich zu Missverständnissen oder Verwirrungen gekommen ist“, so Bezirkshauptmann Andreas Riemer. Wie bei jedem Absonderungsbescheid wäre automatisch von der BH eine „Testung beim Drive-In“ in Auftrag gegeben worden. Ist das nicht möglich, wird der Auftrag auf eine „mobile Testung“ geändert.

„Diese Änderungen werden normalerweise nur vom diensthabenden Chef des Stabes durchgeführt. Bei allen drei in Frage kommenden, die täglich im Dienst abwechseln, ist nie ein Anruf oder Mail des Vaters diesbezüglich eingelangt“, so Riemer weiter.

Wie es zu all diesen Missverständnissen gekommen ist, kann sich auch der Bezirkshauptmann nur schwer erklären: „Am ehesten gehe ich davon aus, dass, als der Betreffende glaubte, die BH anzurufen, er zur Hotline des Landes NÖ 14300 in St. Pölten gelangt ist, auch in diesem Fall müsste er ,1’ drücken. Warum dort eventuell verwirrende Auskünfte erteilt wurden, kann ich nicht nachvollziehen.“

In Fällen wie diesem empfehle es sich jedenfalls, direkt die Bezirkshauptmannschaft zu kontaktieren, da - wie von 1450 richtig ausgeführt - nur hier die endgültige Entscheidung zur mobilen Testung getroffen werden kann.