Stift Klosterneuburg als Grundstücksspekulant?. „Nein“, sagt der Wirtschaftsdirektor, „brauchen die Wirtschaftsbetriebe, um unsere Aufgaben abzusichern.“

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 21. Juli 2021 (04:12)
Stift Klosterneuburg
Stift Klosterneuburg
Stift Klosterneuburg

Ein Grundstückskauf im salzburgerischen Anif und der Kauf der Kasernengründe in Klosterneuburg bringen das Chorherrenstift Klosterneuburg in manchen Kreisen in den Verdacht der Grundstücksspekulation.

Seit jeher ist die FPÖ der Hauptkritiker des Stifts. So zeigt FP-Stadtrat Josef Pitschko in seiner letzten Aussendung seine Unzufriedenheit mit der Liegenschaftspolitik der ÖVP: „Mit ihrer über Jahrzehnte völlig verfehlten Liegenschaftspolitik hat die ÖVP die Stadt Klosterneuburg in vollkommene Abhängigkeit vom Stift Klosterneuburg geführt.“

„Der Plan ist, hier Schulen und Wohnungen zu errichten.“ Andreas Gahleitner, Stifts-Wirtschaftsdirektor

Allein im Vorjahr habe die Stadtgemeinde dem Stift rund 250.000 Euro an Pacht gezahlt, um wichtige öffentliche Einrichtungen auf Stiftsgrund etablieren zu können.

Ein besonderer Dorn im Auge ist dem blauen Stadtrat aber die Vorgangsweise beim sogenannten Pionierviertel. Die Stadtgemeinde Klosterneuburg habe es verabsäumt, das gesamte Areal der ehemaligen Magdeburgkaserne der Republik abzukaufen. Das Stift Klosterneuburg kaufte die 12 Hektar, gewidmet als „Bauland – Sondergebiet/Kaserne“ zum – wie Pitschko meint – Schnäppchenpreis und spekuliere auf eine großzügige Umwidmung in Wohnbauland. „Das Stift hat das Kasernenareal sicher nicht für die Schweizer Garde des Vatikans gekauft“, so Pitschko zynisch. Darüber hinaus kritisiert der freiheitliche Stadtrat, dass die Gemeinde mehr als 300.000 Euro Planungskosten zugunsten des Stiftes ausgegeben hat, „damit das Stift nach einer Umwidmung durch die Gemeinde auf seinem Grund mehrere Wohnbauklötze mit 1.100 Wohnungen errichten lassen kann“, so Pitschko.

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FPÖ-Stadtrat Josef Pitschko sieht im Kauf der Kasernengründe durch das Stift Klosterneuburg Spekulationspotenzial. Die Stadtgemeinde Klosterneuburg mache sich vom Chorherrenstift abhängig.
Zwazl, Zwazl

Die NÖN fragte den Wirtschaftsdirektor des Chorherrenstifts, ob sich dieser Schritt tatsächlich in den Dunst der Immobilienspekulation einreihen lässt. „Natürlich nicht“, so Andreas Gahleitner“, wir brauchen unsere Wirtschaftsbetriebe, um die Ausgaben unserer Aufgaben abzusichern.“ Dazu gehörten die seelsorgerischen Aufgaben, die Erhaltung der Pfarren, die Erhaltung des Stifts selbst, die Aufrechterhaltung des Kulturbetriebs und der sozialen Aufgaben, wie jetzt mit dem Schwerpunkt Kinder.

„Ein Spekulant ist jemand, der kurzfristig mit dem Ansinnen, schnell viel Geld zu machen, investiert. Das genau machen wir nicht. Wir denken nur langfristig. Wir müssen unsere Aufgaben langfristig absichern.“, Andreas Gahleitner

Gahleitner weiß natürlich, dass die 2014/15 gekauften Kasernengründe mit der aktuellen Widmung nicht verwertbar sind. Wenn man vorhätte, die Gründe jetzt wieder zu verkaufen, würde man allerdings jetzt schon viel Geld verdienen, denn der Grundstückspreis steige unaufhaltsam. Und Spekulanten, die das Grindstück auch mit der aktuellen Widmung kaufen würden, gäbe es genug. Doch der Plan sei, hier Schulen und Wohnungen zu errichten, und zwar auf schon zum Teil versiegelten Gründen, und nicht auf die grüne Wiese. Das sei auch vertraglich abgesichert. Und ein weiteres Argument für den Kauf sei, dass die Kasernengründe schon einmal dem Stift gehört hätten und umgeben von anderen Stiftsgründen seien.

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Für Wirtschaftsdirektor Andreas Gahleitner ist der Vorwurf der Grundstücksspekulation absurd. Das Stift hätte Aufgaben, die zu bewältigen wären. Dafür müsse man langfristig wirtschaften.
NÖN, NÖN

Seitens des Stifts sei auch schon ein Bauträger bestellt. Man warte nun auf die Lösung des Verkehrsproblems. Durch die Widmungshoheit der Stadtgemeinde habe natürlich nicht nur der Bauträger, sondern auch die Gemeinde ein gewichtiges Wort in der Entwicklung mitzureden. Gahleitner: „Das ist auch gut so. Dass das aber bis zu zehn Jahre dauern kann, war uns immer bewusst.“

Der Stifts-Wirtschaftsdirektor will auch nicht verhehlen, dass es dem Chorherrenstift Klosterneuburg wirtschaftlich gut gehe: „Es waren einmal Schulden da, die aktuell abgezahlt sind. Seit der Ära von Stiftskämmerer Walter Simek geht es wirtschaftlich aufwärts.“