Totalsperre erhitzt die Gemüter. Eine Woche ist die Sperre mitten in Kritzendorf alt und teilt das Donautal in zwei Hälften. Viel Missmut wird bei den Bürgern laut: falscher Zeitpunkt, zu lange, strenge Strafen.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 17. Juli 2019 (04:30)
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Jetzt ist es so weit. Halb Kritzendorf muss jetzt acht Wochen in seiner Isolation leben. Vom Amtshaus Kritzendorf braucht man jetzt 35 Minuten, früher war das in zehn Minuten erledigt.

Nein, Aufstand gibt es noch keinen, aber die Stimmung ist nicht gerade rosig in Kritzendorf: Die Totalsperre beim Amtshaus lässt die Wogen hochgehen. „Da fühlt man sich ja wie nach dem Zweiten Weltkrieg, als es Demarkationslinien gab“, war da aus den Sozialen Medien zu vernehmen, aber auch das NÖN-Telefon lief heiß.

So ist Sissi Ockermüller aus der Holzgasse, die in ihrer Gasse mit viel mehr Verkehr geplagt ist, so gar nicht mit dem gesamten Projekt einverstanden: „Ich verstehe nicht, dass eine Regelung, die Jahrzehnte einwandfrei funktioniert, plötzlich neu gestaltet werden muss. Hier hat uns die Ortsvorsteherin mit ihrer Unterschriftenaktion etwas eingebrockt.“

„Irgendwann muss man die Baustellen ja angehen. Wann dann, wenn nicht im Sommer?“ Manfred Fitzthum Baudirektor

Auch zweispurig ist bei der Totalsperre in Kritzendorf nichts zu machen. Da wollte doch glatt jemand mit seiner Vespa sich am Treppelweg an der Straßensperre vorbei schwindeln. Er wurde von der Polizei aufgehalten: Strafe.

„Ich habe zu Hause auf meine Frau gewartet“, erzählt Willibald Hartinger aus Kritzendorf seine Geschichte. So sei seine Frau brav die Umleitung über die Hadersfelderstraße gefahren. In Hadersfeld war aber um 14 Uhr ein Unfall passiert und die Straße daher gesperrt. „Sie fragte, ob sie ausnahmsweise über die Flexleiten nach Kritzendorf fahren könnte. Das wurde ihr von der Polizei entschieden verweigert“, so Hartinger.

Auch das Angebot seiner Frau, die dafür vorgesehene Strafe von 30 Euro gleich zu bezahlen, half da nichts. Sie musste umkehren und hat dann in Klosterneuburg bei ihren Eltern gewartet, bis die Hadersfelderstraße wieder frei wurde. „Warum greift die Polizei so gnadenlos durch?“, fragt sich Hartinger. Und: „Was dauert bei diesen Arbeiten acht Wochen?“

„Warum greift die Polizei so gnadenlos durch?“

Hartinger hat auch einen Vorschlag, wie man es besser machen könnte. „In der Früh könnte man eine Einbahnregelung durch die Flexleiten zum Weißen Kreuz machen und ab Mittag wieder in die andere Richtung. Diese Regelung würde die Staus im Stoßverkehr eindämmen.“

Gastronom Manuel Hammer macht aus der Not eine Tugend. Zwischen seinen zwei Betrieben, dem Gasthaus „Zum Ockermüller“ und dem „Cafe im Amtshaus“, liegt die Totalsperre. „Es ist soweit, die Straße wurde beim Mauerbacherhof gesperrt. Und doch geht das Leben weiter.“ Hammer legte eine „Baustellensommer-Treukarte“ auf, bei der jeder sechste Kaffee gratis ist. Außerdem hat er sich einen E-Kick-Scooter gekauft, mit dem er auch am Treppelweg fahren darf und mit dem Scooter daher legal zwischen seinen Lokalen hin- und herpendeln kann.

„Irgendwann muss man die Baustellen ja angehen. Wann dann, wenn nicht im Sommer“, meint Baudirektor Manfred Fitzthum fast entschuldigend auf NÖN-Anfrage. Den Vorschlag, in der Nacht und zum Wochenende zu arbeiten, damit die Baustelle früher fertig wird, hält Fitzthum für nicht gut: „Na da hätten die Anrainer eine Freude, wenn sie mit dem Baulärm auch in der Nacht konfrontiert würden.“

Ob die Chance besteht, dass die Baustelle doch früher als erwartet fertig wird? Fitzthum: „Das kann man nach einer Woche Bauzeit sicher noch nicht sagen.“ Man könne weiterhin nur um Geduld bitten.