Maria Theresia Eder: „Europa braucht Visionen“. Am 26. Mai wird in Europa gewählt. Stadträtin Eder (ÖVP) tritt zur Wahl an. Warum, sagt sie im Interview.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 24. Mai 2019 (03:18)
Hornstein
Sie tritt mit Überzeugung zur Europawahl an: ÖVP Stadträtin Maria Theresia Eder (ÖVP).

Sie ist Klosterneuburgs einzige Kandidatin zur EU-Wahl: Maria Theresia Eder, als Stadträtin in Klosterneuburg tätig, will sie nun auch im Europäischen Parlament mitmischen. Ihre Einstellung zu Europa und warum sie zur Wahl Antritt, verrät sie im NÖN Interview.

NÖN: Haben die innenpolitischen Ereignisse in Österreich Auswirkung auf die bevorstehende EU-Wahl?
Maria Theresia Eder: Das könnte ich mir gut vorstellen, da diese Ereignisse untragbar sind und gerade ein gesundes Rechtsempfinden muss die Grundlage für jedes politische Arbeiten in einer Demokratie sein.

Wird daher der von so manchen gefürchtete Rechtsruck in Europa ausbleiben?
Auch das kann ich mir vorstellen. Die ÖVP ist immer als Kraft der Mitte aufgetreten. Gerade heute ist es wichtig, gemeinsam unser europäisches Welt- und Wertebild nach innen und nach außen zu stärken.

Gemeinsam? Ist nicht die ÖVP selbst in zwei Lager – Karas/Kurz – gespalten?
Das sehe ich nicht so. Gerade jetzt sehe ich die Möglichkeit, dass wir Europa neu gestalten und alle Herausforderungen annehmen müssen.

Es müssen neue verbesserte Wege gefunden werden

Was meinen Sie da konkret?
Es müssen neue verbesserte Wege gefunden werden. Einerseits ist es wichtig, dass man zum Beispiel starke EU-Außengrenzen hat, um dem illegalen Schlepperwesen Einhalt zu gebieten, andererseits ist man aber auch einem christlich humanitären Weltbild verpflichtet, Menschen in Not zu helfen.

Sind Sie für oder gegen die Vereinigten Staaten von Europa?
Ich bin nicht für die Vereinigten Staaten von Europa, sondern für eine verstärkte Zusammenarbeit der Länder. Dafür bietet die EU eine Grundbasis. Vereinigte Staaten würde bedeuten, dass ein Präsident – von welchem Land er auch immer kommt – auch die Richtung vorgibt.

Ich bin nicht für die Vereinigten Staaten von Europa, sondern für eine verstärkte Zusammenarbeit der Länder

Aber ist nicht das große Problem der EU, dass sich für neue Beschlüsse alle Länder einig sein müssen?

Eder: Das stimmt, deswegen bin ich auch dafür, dass man vom Einstimmigkeitsprinzip abkommt und zu einem Mehrheitsprinzip wechselt. Europa muss Leadership beweisen und braucht Visionen, die es umzusetzen gilt.

Da werden Sie sicher auch kein Freund einer gemeinsamen Landesverteidigung sein...

Eder: Bin ich auch nicht. Damit würde man die Nationalstaatlichkeit aufgeben. Ich bin gerade bei der Frage der Verteidigung für eine gute Zusammenarbeit mit den Ländern, die aber noch ausgeweitet werden kann.

Die Vereinigung der Länder ist immer auch ein Argument dafür, ein stärkeres Europa-Bewusstsein in der Bevölkerung zu schaffen. Wie wollen Sie das erreichen?
Ich glaube, es hat sich schon viel in der Einstellung der Menschen zu Europa – bei den jungen Menschen – geändert. Gerade deshalb, weil wir in Europa zwischen Ost und West auch zukünftig als Wirtschafts- und Forschungsstandort bestehen müssen. Zum Beispiel hat China noch vor einem Jahrzehnt mit Plagiaten gepunktet. Heute ist China auf dem Weg, in vielen technischen Bereichen – wie der Digitalisierung – die Entwicklung vorzugeben. Hier müssen wir in Europa dagegen halten.

Was ist Ihre Motivation für das EU-Parlament zu kandidieren?
Ich will meinen Beitrag für Klosterneuburg und Europa liefern, vor allem für die Jugend, die in einem freien Europa auch zukünftig alle Entwicklungsmöglichkeiten finden soll. Nicht nur Regeln und Verbote sollen uns bestimmen, sondern Ideen und Visionen.

Ich will meinen Beitrag für Klosterneuburg und Europa liefern, vor allem für die Jugend, die in einem freien Europa auch zukünftig alle Entwicklungsmöglichkeiten finden soll

Und Chancen Ihrer Kandidatur?
Bei der ÖVP zählt nur die Vorzugsstimme und nicht die Reihung auf einer Liste. So sind die Chancen gleich verteilt. Ich kann appellieren zu den Wahlurnen zu gehen, die Vorzugsstimme für eine Klosterneuburgerin zu nutzen, und auch meinen Namen auf den Wahlzettel zu schreiben.