Der „Urknall“ unter der Lupe. Zum Finale der „Big Bang Theory“ erzählen Forscher des IST Austria aus ihrem Labor-Alltag: „Ziemlich viel Wahres an der Show.“

Von Claudia Wagner. Erstellt am 09. Juni 2019 (03:24)

Die Serie ist eingeschlagen wie der Urknall: Seit zwölf Jahren fiebern die Zuseher mit, wenn die Wissenschaftler der „Big Bang Theory“ über Schrödingers Katze, die Stringtheorie oder den Dopplereffekt philosophieren. Die finale Staffel, die in den USA bereits ausgestrahlt wurde, beendet den (TV-)Labor-Einsatz von Sheldon, Leonard und Co. Ihre Maria Gugginger Pendants haben hingegen noch eine große Zukunft vor sich.

Mikhail Lemeschko: Der Sheldon des IST Austria befasst sich mit stark interagierenden Systemen aus ultrakalten Atomen, Molekülen und Ionen. Mit der Theorie des Quasipartikels Angulon hat Lemeschko für Aufsehen gesorgt.

„Es ist ziemlich viel Wahres an der Show, sie basiert schon auf einem typischen Physiker-Umfeld.“ Mikhail Lemeschko, Professor am IST & Sheldon-Double

Seinen TV-Zwilling verfolgt der IST-Wissenschaftler gerne am Bildschirm – und entdeckt Ähnlichkeiten zum eigenen Alltag: „Es ist ziemlich viel Wahres an der Show, sie basiert schon auf einem typischen Physiker-Umfeld. Ich bin nicht sicher, ob es eine Person wie Dr. Sheldon Cooper wirklich gibt.“ Aber: „Teile seiner schrulligen Persönlichkeit finden sich in vielen Physikern wieder.“

Aglaja Kopf: Die PhD-Studentin arbeitet auf den Spuren von Bernadette. Ihr Schwerpunkt: die Fortbewegung von Immunzellen, die innerhalb nur einer Minute eine Strecke äquivalent zu der Distanz Wien-London zurücklegen. „Ich kann mich mit Bernadette identifizieren, da ich die noch ,kleinere‘ Form der Mikrobiologie – die Molekularbiologie – studiert habe und eine genauso schlechte Lügnerin bin“, schmunzelt Kopf.

Und: „Um mir mein Studium zu finanzieren, habe ich die verquersten Jobs gemacht, unter anderem als Kellnerin.“ Auch persönlich ist die IST-Wissenschaftlerin mit der TV-Forscherin auf einer Wellenlänge: „Uns verbindet der Umstand, dass ich auch während meines Doktorats mein erstes Kind erwarte, allerdings nicht von einem Raumfahrtingenieur, sondern von einem Wirtschaftsprüfer.“

Georgios Katsaros : Der IST-Professor ist ein großer Fan der Fernseh-Show. Wie Leonard arbeitet er im Reinraum – hat dort aber andere Erfahrungen gemacht als die TV-Helden: „Die Folge, in der Leonard und Wolowitz den Reinraum verunreinigen, ist nicht realistisch. Sowas würde bei uns nicht passieren.“

Lisa Amberg : Die Postdoc-Neurowissenschaftlerin gleicht Amy Farrah Fowler. „Die Liebe zur Biowissenschaft und das Tragen einer Brille“ verbindet die Forscherin. Aber: „Ich bin nicht so altbacken wie sie.“

Tim Browing : Der Mathematik-Professor erforscht ganze Zahlen. Mit Sheldon teilt er die Liebe zu Primzahlen. Von einer ist Sheldon besonders hin und weg: „73 ist die 21. Primzahl, ihre Spiegelzahl – 37 – die 12. Primzahl. Deren Spiegelzahl – 21 – ist das Produkt der Multiplikation von 7 und 3.“ Das fasziniert auch Browing: „Es ist großartig, dass zwei Mathematiker uns gezeigt haben, dass die Zahl 73 die einzige ,Sheldon prime‘ ist.“

Das Forschungsteam wandelt auf den Spuren des TV-Wissenschaftlers: „Ein Großteil der Arbeit basiert auf einer ähnlichen Suche nach schönen Beziehungen zwischen den ganzen Zahlen.“