Jahr der Hochs und Tiefs im Weidlingtal. Im Weidlingtal war das vergangene Jahr vor allem durch die Kontroverse um den Lebensmittelpunkt eines umstrittenen Politikers geprägt. Es gab aber auch Erfreuliches.

Von Thomas Török. Erstellt am 23. Januar 2021 (03:37)

 Im Coronajahr 2020 wurde Weidling Schauplatz einiger lebendiger Debatten - ob nun auf rein lokaler Ebene oder im Fokus bundesweiter Medieninteressen. In Weidlingbach und Scheiblingstein kehrte wiederum besinnliche Ruhe ein, die nur zwischendurch von einzelnen Vorfällen getrübt wurde. Auch wenn das Ortsleben durch die Schutzmaßnahmen gegen die Pandemie stark eingeschränkt war, gab es prägende Ereignisse im Weidlingtal – manche erfreulich, andere weniger.

Die Poller in der Furt und zwei große Brände

Im Jänner konnten sich die Weidlinger an der tollen Darbietung der Geschwister Ruis bei der Eiskunstlauf-EM in Graz erfreuen. Anna (9) und ihr großer Bruder Daniel (11) durften bei der Eröffnungszeremonie eine Kür vorführen. Im Paarlauf sind Anna und Daniel bereits zweimal österreichische Schülermeister geworden und zählen zu den wenigen Nachwuchstalenten in ganz Europa. Sie gelten sowohl im Paarlauf, als auch im Einzel aktuell als Österreichs größte Hoffnungen im Eiskunstlauf bei den unter 16-Jährigen.

„Die Zusammenarbeit mit Ortsvorsteher Martin Trat wird sicherlich sehr gut, wir kennen und schätzen uns seit Jahren.“ Johannes Edtmayer, Die Grünen, Weidling

Im Februar fanden die Gemeinderatswahlen statt. In Weidling setzte sich die ÖVP mit einem Ergebnis von 45,5 Prozent der Stimmen durch. Von deren Verlusten konnten vor allem die Grünen profitieren, die mit 22,5 Prozent auf dem zweiten Platz landen konnten. Der grüne Spitzenkandidat Johannes Edtmayer zeigte sich erfreut über die künftige Kooperation mit Martin Trat, der als Ortsvorsteher bestätigt wurde: „Die Zusammenarbeit mit Ortsvorsteher Martin Trat wird sicherlich sehr gut, wir kennen und schätzen uns seit Jahren.“ Dem Trend entgegen konnte Ortsvorsteherin Traude Balaska die ÖVP-Absolute in Weidlingbach-Scheiblingstein sogar noch ausbauen. In ihrem Ort erreichte sie mit 200 Stimmen satte 61,2 Prozent.

Die Weidlinger hatten im Februar jedoch den Tod eines geliebten Menschen aus ihrer Mitte zu betrauern. August „Gustl“ Oberheinrich verstarb im Alter von 73 Jahren. Er war ein aktives Mitglied der Weidlinger Laientheatergruppe und der Liebling des Publikums. „Durch sein sonniges Gemüt, seine Herzlichkeit, sein Lausbubentum, gepaart mit einer riesigen Portion Schlagfertigkeit, ist er zu einem wichtigsten Standbein der Truppe geworden“, so beschrieb ihn der Regisseur der Gruppe, Itze Grünzweig.

Eine große, karitative Aktion zugunsten der 22-jährigen Lisa, die seit ihrem 14. Lebensjahr wegen Rheuma und einer autoinflammatorischen Erkrankung überwiegend an ihr Bett gebunden ist, wurde 2020 aktiv von den Weidlingtalern unterstützt. Mithilfe großen Engagements, vor allem vonseiten Willi Hausers und Martin Trats, konnten rund 20.000 Euro an Spendengeldern für Lisa gesammelt werden. Aus dem Betrag konnte für Lisa ein ausgebildeter Partnerhund angeschafft werden.

Die Furt in der Feldergasse ist seit langer Zeit ein beliebter Ort zum Spielen für Weidlings Kinder. Aus diesem Grunde wurden im März zwei Poller installiert, um den Autoverkehr durch die Furt zu blockieren. Der Verein „Lebenswertes Weidlingtal“ und einige Anrainer der Feldergasse und Umgebung hatten sich um die Sperre der Furt bemüht, damit die Kinder auch weiterhin in Sicherheit dort Spielen können. Die Sache zog jedoch eine langwierige Debatte mit sich, da Ex-Vizebürgermeister Helmut Zuschmann und andere Skeptiker die Rechtmäßigkeit der Poller in Zweifel zogen und die damit verbundenen Umstände für die Autofahrer aufzeigten.

Die weltweit grassierende Coronapandemie erreichte im März schließlich auch Weidling. Schulen, Wirte, Geschäfte und Vereine mussten ihre Tätigkeiten einstellen und sich in den Lockdown begeben. So auch die Weidlinger Pfarre, die ihre Gottesdienste seitdem ganz dem Trend der Zeit folgend online via Zoom abhält. Dazu müssen die Gemeindemitglieder sich einfach über einen Link auf der Pfarrhomepage einloggen.

Im April brannte lichterloh der Wald im unwegsamen Dickicht bei Scheiblingstein. Am 5. April mussten um 20 Uhr 125 Florianis auf den Exelberg ausrücken, da dort in der Nähe des Funkturmes ein Jungwald in Flammen stand. Neun Feuerwehren aus der Region waren im Einsatz, ein Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera musste außerdem aus Wiener Neustadt angefordert werden. Schließlich konnte man den Brand nach zwei Stunden unter Kontrolle bringen.

Debatte um Ortszentrum und Generationenhaus

Die zweite Jahreshälfte startete mit einer guten Nachricht für die Radfahrer: In der Klosterneuburger Gemeinderatsitzung wurde im Juli beschlossen, dass der Lückenschluss der Radroute Weidlingtal 2021 endlich vollzogen werden soll. Im Vorfeld hatten sich über 100 Radfahrer am 1. Juli mit einer Rad-Demo für eine zukunftsorientierte Stadt- und Verkehrsplanung eingesetzt.

Außerdem standen im Sommer die Weidlinger Vereine, die im Keller des Ortszentrums ihr Lager hatten, unter Druck. Da die Sanierung des Gewölbes in Planung genommen wurde, mussten diese Vereine anderswo ihre Utensilien unterbringen. Außerdem kamen neue Auflagen der Gemeinde, die eine zukünftige Zusammenarbeit mit den Vereinen im Ortszentrum nach den Sanierungsarbeiten regeln sollten. Besonders die beliebte Theatergruppe, die im Keller des Ortszentrums Bühnenteile und Requisiten untergebracht hatte, stand vor einem existenziellen Problem. Dieses konnte aber mithilfe der Kritzendorfer Heurigenfamilie Vitovec gelöst werden, bei der die Gruppe ihre Sachen unterbringen und wo sie im Spätsommer und Herbst die „Veltliner Leich“ aufführen konnte. Unterstützt wurden sie bei der Suche auch vom Obmann des Vereins „Lebenswertes Weidlingtal“, Alfred Harl.

Weidling wurde Ende Juli zum Schauplatz einer zähen Debatte und rückte dabei in das Zentrum der Aufmerksamkeit der ganzen Republik. Es war die Causa um den Wohnsitz von Ex-Vizebundeskanzler Heinz-Christian Strache, die im Vorfeld der Wiener Gemeinderatswahl entbrannt war. Die Entscheidung ging ja bekannterweise zugunsten des Wahl-Weidlingers aus, der nach eigenen Angaben trotzdem seinen Lebensmittelpunkt weiterhin in Wien hätte.

Die Überprüfung der Wasserqualität im Weidlingbach – ein Jahresprojekt – wurde im Oktober erfolgreich abgeschlossen
Nachdem dem Bach vier Mal Proben entnommen worden waren und das Wasser analysiert worden war, konnte die hohe Qualität nun endlich bestätigt werden. Das Projekt lag besonders dem Verein „Lebenswertes Weidlingtal“ und dessen Obmann Alfred Harl am Herzen. Ein größeres Problem, das die Wasserqualität in der Vergangenheit in Mitleidenschaft zog, wurde durch Ortsvorsteher Martin Trat benannt: „Viele Anrainer entsorgen leider ihren Grünschnitt in den Bach. Dieser ist nicht als Komposthaufen gedacht, und dieses Verhalten wirkt sich negativ auf die Wasserqualität aus.“

Mittlerweile ein fester Bestandteil der Weidlinger Vorweihnachtszeit ist die Präsentation des jährlichen Benefizalbums der „Austrian Charity Music“ und ihres Organisators Peter Zimmeter . In Zusammenarbeit mit der Pfarre Weidling und der freundlichen Unterstützung durch den Lionsclub Klosterneuburg Babenberg wurde ein Album aufgenommen, dessen Zweck eine karitative Grundlage hat. Sämtliche Einnahmen kamen wohltätigen Projekten und Organisationen zugute.

Generationenhaus am Gelände der alten FF

Im Advent musste wegen der Bestimmungen zur Bekämpfung Coronas sämtliche traditionsreiche Veranstaltungen abgesagt werden. Die Weidlingtaler mussten davor schon auf die Riedenwanderung oder das Oktoberfest verzichten, nun auch auf den Weihnachtsmarkt bei Trat-Wiesner, den Krampuspunsch der Weidlinger Feuerwehr und den Neujahrsempfang der Feuerwehr Weidlingbach.

Weidlingbach konnte sich am Jahresende über die Sanierung des Steges über den Bach bei der alten Volksschule freuen. Ortsvorsteherin Balaska wurde jedoch kurz nach Weihnachten fast zum Opfer des Polizeitricks von Betrügern. Auch die Sprengung des Mistkübels bei einer Bushaltestelle durch vandalierende Jugendliche verärgerte die Weidlingbacher.

Einen besänftigenden Abschluss des Jahres 2020 gab es im Weidlingtal jedoch mit der Gestaltung des „Generationenhauses“ am Standort der alten Feuerwehr Weidling. Im Plan für das neue Wohnbauprojekt stehen geförderte Mietwohnungen und betreutes Wohnen. Familien, Alt und Jung sollen dort künftig gemeinsam unter einem Dach leben – und die Wohnungen sollen allem voran leistbar sein. Ein wichtiges Ziel ist auch die Unterbringung einer Kinderkrippe für die Kleinsten. „In Klosterneuburg suchen viele Familien einen Kinderbetreuungsplatz für ihre Kinder unter zweieinhalb Jahren. Mit der Nutzung des Generationenhauses gibt es einen perfekten Platz für unsere Kleinen. Damit kommen wir der Vereinbarkeit von Familie und Beruf wieder einen Schritt näher“, zeigt sich Familienstadträtin Maria T. Eder erfreut über das neue Projekt in Weidling.