Coronajahr im Tal der Kunst und Forschung. Die reichhaltige Kulturszene im Kierlingtal hatte viel zu ächzen wegen Schutzmaßnahmen, es gab aber auch Jubiläen, Pensionierungen und Bestätigungen prägender Persönlichkeiten.

Von Thomas Török. Erstellt am 16. Januar 2021 (03:47)

Das Jahr 2020 wird auch den Bewohnern des Kierlingtals als ein denkwürdiges in Erinnerung bleiben. Da wegen der Ausgangssperren, Lockdowns, Abstandsregeln und sonstigen Schutzmaßnahmen lieb gewonnene, traditionelle Veranstaltungen nicht stattfinden durften, sind wohl alle froh, dass 2020 nun endlich Geschichte ist. Neben der Gastronomie hatten die Kulturstätten des Tales am meisten zu leiden.

Dabei startete das Jahr recht verheißungsvoll für Kierling und Maria Gugging. Im „Stadtentwicklungskonzept 2030+“ wurden den beiden Gemeinden eine besonders prosperierende Entwicklung attestiert und vielversprechende Prognosen für die Zukunft gestellt. Durch die Anwesenheit des IST Austria, die vorteilhafte Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz und die gute Infrastruktur ist das Kierlingtal ein attraktiver und begehrter Ort zum Wohnen geworden, der viel Lebensqualität bietet. „Das Ortszentrum von Kierling bietet Einrichtungen zur lokalen Versorgung der Bevölkerung mit Gütern und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs“ und „Mit dem IST Austria ist eine weltweit anerkannte Forschungseinrichtung gewachsen, die dem Standort neue Zukunftschancen eröffnet“ – so konnte man in der im letzten Februar erschienen Broschüre über die am Kierlingbach liegenden Gemeinden lesen.

„Ein junger 20-Jähriger wäre so aus dem Gemeinderat raus, und ich hätte mit 64 zwei Positionen. Das hat keinen Sinn“ Johann Fanta, Ortsvorsteher Kierling

Im März wurden Johann Fanta (ÖVP) und Johann Bauer (SPÖ) in der konstituierenden Gemeinderatssitzung in ihren Ämtern als Ortsvorsteher der beiden Katastralgemeinden bestätigt. Bauer hat das Amt seit 25 Jahren inne und hat in Maria Gugging Neuerungen wie beispielsweise das Familienfest, den Flohmarkt oder eine eigene Ortszeitung initiiert. Fanta, der in Kierling durch seinen zweiten Platz im Vorzugsstimmen-Ranking ein Anrecht auf ein fixes Gemeinderats-Mandat gehabt hätte, verzichtete auf das Doppelamt. „Ein junger 20-Jähriger wäre so aus dem Gemeinderart raus, und ich hätte mit 64 zwei Positionen. Das hat keinen Sinn“, so Fantas Argument für seinen Verzicht.

Etwa zur gleichen Zeit nahm die Corona-Krise ihren Lauf. Ab Mitte März schlossen Schulen, Gast- und Kulturstätten sowie Geschäfte auch im Kierlingtal. In Maria Gugging nahm man ab April am Institute of Science and Technology (IST) Austria aktiv den Kampf gegen das Virus auf. Um die kritische Situation an den Intensivstationen zu entlasten und einen Engpass an Beatmungsgeräten abzufedern, wollte man einen Beitrag leisten. Nach vier arbeitsintensiven Tagen und einem Materialkostenaufwand von nur 750 Euro konnte der Prototyp von einem fünfköpfigen Team von Mitarbeitern fertiggestellt werden.

Als im Sommer die Fallzahlen der Coronainfizierten fielen und mit dem Abklingen der ersten Coronawelle unter gewissen Auflagen man wieder Veranstaltungen abhalten konnte, atmete auch die Kulturszene auf. Im Juli nutzte etwa der Künstler Karl W. Paschek die Gelegenheit, der Öffentlichkeit seine neue Wirkungsstätte in Maria Gugging zu präsentieren. Geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur waren bei der Eröffnung von Pascheks Galerie.

Das Kierlinger Universalmuseum widmete unterdessen den Kunstschaffenden aus der Region eine ganze Ausstellung. In dieser Jahresausstellung , die den Namen „Kierling in der Kunst“ trug, wurden 110 Werke von insgesamt 42 Künstlern und Künstlerinnen präsentiert.

Im Art Brut Cente r in Maria Gugging war es das Jahr Oswald Tschirtners , der letztes Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Er wurde im „museum gugging“ mit der Ausstellung „oswald tschirtner.! das ganze beruht auf gleichgewicht“ geehrt. In der „galerie gugging“ wurde ab September mit „ladies brut“ der Weiblichkeit in der Art Brut eine Ausstellung gewidmet.

Von den weiblichen Kunstschaffenden aus dem Kierlingtal war 2020 die Kierlingerin Barbara Probst diejenige, die am meisten mit ihrer Arbeit beeindruckte. Gemeinderätin, Wirtin und Künstlerin Barbara Probst zeigte letztes Jahr, was sie trotz einer stark ausgeprägten Sehbeeinträchtigung alles zu leisten vermochte.

Bei einer Charity-Auktion zugunsten eines kranken Babys erzielte eines ihrer Gemälde den respektablen Preis von 2.500 Euro. Durch die Galerie Steiner im Ersten Bezirk fanden ihre Werke im September den Weg an die Öffentlichkeit. Zur Vernissage in Wien kamen zahlreiche bekannte Gesichter, wie zum Beispiel Christoph Fälbl oder Tony Wegas.

Zu Kierlings „Highlights“ im Herbst zählt gewöhnlich der Almabtrieb . Normalerweise versammeln sich jedes Jahr hunderte Kierlinger, um Ortsvorsteher Fantas Kühen beim Almabtrieb zuzuschauen. Das Spektakel, bei dem die Tiere von den saftigen Wiesen durch den Ort in den Stall getrieben werden, musste letztes Jahr jedoch ohne Publikum stattfinden.

Pater Stanislaws erstes Jahr vorüber

Im September kam Kardinal Christoph Schönborn auf Pastoralbesuch nach Maria Gugging. Empfangen wurde der Kardinal von Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager und Pfarrer Stanislaw Korzeniowski, den Schönborn ziemlich genau ein Jahr davor zum neuen Pfarrer und Wallfahrtsdirektor ernannt hatte. Mit dem gebürtigen Polen hat Maria Guggings Pfarrgemeinde einen weltoffenen Geistlichen, dem die Bemühung um Eintracht zwischen den Menschen im Zentrum seiner Arbeit steht.

In Kierling nutzte das Universalmuseum im Oktober die Zeit ohne Besucher dazu, regionales Kulturgut zu erhalten. Dank großzügiger Spender konnte die Restaurierung des Grabdenkmales von Georg und Rosalia Rothansl abgeschlossen werden.

Ende November wurde am IST Präsident Thomas A. Henzinger in seinem Amt bestätigt . Für ihn ist es die vierte vierjährige Amtszeit, die er in Folge antritt. Dass das IST Austria 2019 vom Nature Index als drittgrößte Forschungseinrichtung der Welt eingestuft wurde, war zum guten Teil auch sein Verdienst.

Das Jahresende 2020 brachte auch die Verabschiedung einer schon seit langer Zeit prägender Persönlichkeit: Polizeikommandant Georg Wallner sagte leise „Servus“ und verabschiedete sich in den wohlverdienten Ruhestand. Der gebürtige Gugginger war 40 Jahre im aktiven Dienst und lange an der Spitze der Polizei von Klosterneuburg. Ganz Klosterneuburg dankt ihm wegen seiner vielen menschlichen Qualitäten und Leistungen.

Zu trauern hatte das Kierlingtal um Rudolf Lhotka, der am 15. August völlig unerwartet im Alter von 75 Jahren verstarb. Lhotka war zeit seines Lebens aktiv involviert in verschiedensten kulturellen Projekten - nicht nur in Kierling, sondern auch in ganz Niederösterreich. Er war Träger des Verdienstordens für das Land NÖ und im Kierliner Bürgerverein aktiv.