Goldenes Ehrenzeichen für Hermann Härtel. Klosterneuburger Künstler Hermann Härtel wird gewürdigt.

Von Redaktion noen.at. Erstellt am 15. Juni 2019 (03:28)
Gauermann-Museum Scheuchenstein
Wird mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich ausgezeichnet: Hermann Härtel (Mitte) bei der Vernissage seiner aktuellen Ausstellung „Über den Wolken“ im Gauermann-Museum Scheuchenstein.

„In meiner Kindheit bekam ich den Gummischleuderflieger ,Looping 720‘ und das Kinderbuch „Hatschi Bratschis Luftballon‘ geschenkt. Wie der kleine Fritz schwebte ich über den Wolken und formte diese zu Fantasiewesen. Diese aeronautischen Apperzeptionen ermöglichten mir ein sublimes Verfließen von der Kindheit in die Jetztzeit“: Hermann Härtel, 1943 in Klosterneuburg geboren, zählt zu den stillen, aber unbeirrt und konsequent an einem ungemein vielseitigen Werk arbeitenden Künstlern.

Nun wird sein Schaffen auch offiziell gewürdigt: Im Landhaus von St. Pölten verleiht ihm Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner demnächst das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich.

„Aeronautische Apperzeptionen ermöglichten mir ein sublimes Verfließen von der Kindheit in die Jetztzeit“ Hermann Härtel, Künstler

Als Aeronaut ist Hermann Härtel ein veritabler Luftschiffer. Sein „Luftschiffchen“ schwebte über den Wolken von Hatschi Bratschis Luftballon bis zu Antoine de Saint-Exupéry. Flugpionieren wie Leonardo da Vinci, Gustav Weißkopf, Igo Etrich oder Charles Lindbergh setzte Härtel Zeichen der Erinnerung.

Diese Hommage gilt auch für den großen Maler und Grafiker Friedrich Gauermann mit einigen Mischtechniken bei der aktuellen Ausstellung „Über den Wolken“, die noch bis 30. Juni im Gauermann-Museum in Scheuchenstein im südlichen Niederösterreich zu sehen ist (samstags, sonn- und feiertags von 10 bis 17 Uhr). Hoch aufgetürmte Wolkenberge ziehen auch hier träge dahin. Sie ändern sich stetig und formen sich wieder, ermöglichen Härtel jenes gemeinsame Verfließen von der Kindheit in die Jetztzeit und in ein weites Feld.

Sein Studium absolvierte Härtel an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. 1972 erfolgten der Abschluss und das Diplom an der Meisterklasse für Malerei.

Härtel erhielt zahlreiche Preise, unter anderem den Förderungspreis des Landes Niederösterreich und den Theodor Körner Preis, und blickt auf viele Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland sowie Publikationen und Buchillustrationen zurück. Seine Arbeiten befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen wie Albertina, Museum des 21. Jahrhunderts und NÖ Landesmuseum.

Das Elternhaus Härtels liegt in Klosterneuburg, im Kammerjoch. Von dort unternahm das Kind Hermann Trittrollerexpeditionen in die nähere Umgebung. Die damaligen Impressionen setzte Härtel in zahlreichen Veduten von Klosterneuburg und Umgebung um.

Vom Zweirad bis zum Holzpropeller

Sein Interesse für Zweiräder erweiterte er später auf das Radfahren. Härtel ist auch als Objektbauer von Sparkrafträdern aktiv. Der Bau von Flugobjekten und eine umfangreiche Sammlung von Holzpropellern bilden einen weiteren Schwerpunkt seiner geradezu obsessiven künstlerischen Leidenschaften.

Das Spektrum von Härtels Werk, der seine Heimatstadt nach wie vor als Bezugspunkt topografischer und kultureller Begegnung betrachtet, reicht von Briefmarkenentwürfen, Buchillustrationen, Radierungen, Aktzeichnungen, Mischtechniken bis zu Flug- und Fahrradobjekten. Da verwundert es nicht, dass der unübersehbare Hang zur Poesie sich auch in der Mitarbeit bei literarischen Büchern manifestiert, etwa zu Texten von Kurt Kahl, Helmuth A. Niederle, Ingo Cesaro oder Herbert Pauli.

Wer jemals das Privileg genoss, Härtel im Atelier zu besuchen, weiß um das unerschöpfliche Reservoir, aus dem sich das wundersame Ouevre speist. https://hermann-haertel.wixsite.com/malerei-grafik