Jahresausstellung im Stift bis auf Weiteres geschlossen. Die Jahresausstellung im Stift Klosterneuburg kann derzeit nur online via Webpage und YouTube besucht werden.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 21. Januar 2021 (03:19)
„Was leid tut“: Trauer anhand der „Pieta“-Darstellung im Vergleich anhand von Skulpturen aus Mittelalter, Barock und zeitgenössischer Kunst.
Stift Klosterneuburg

Dass das Sujet der Jahresausstellung im Stift Klosterneuburg von derart brisanter Aktualität sein würde, haben sich die Macher wohl nicht vorgestellt. Die Ausstellung „was leid tut“ führt seit Juli vergangenen Jahres anhand von sechs Kapiteln durch die Themen Vertreibung aus dem Paradies, Martyrium, Zweifel, Trauer, Reue hin zu Trost und Hoffnung: alles Motive, die in den Coronajahren 2020 und 2021 von beklemmender Aktualität sind.

Die Exponate stammen aus sieben Jahrhunderten, von der gotischen Handschrift des frühen 15. Jahrhunderts bis zu Arbeiten, die eigens für die Ausstellung geschaffen wurden. Dabei gibt es Leitfiguren aus der christlichen Bildtradition wie Hiob, Christus am Ölberg, die Pietà, heilige Märtyrer, den reuigen Petrus, den depressiven König Saul, aber auch Schutzpatrone und den Schutzengel.

„Martyrien finden auch jetzt, hier, unter uns statt.“ Ausstellungs-Kurator Wolfgang C. Huber

Die Gegenüberstellungen alter, klassisch moderner und zeitgenössischer Kunst eröffnen einen einzigartigen Spannungsbogen durch die Kunst- und Kulturgeschichte.

Auch ausgewählte Kunstwerke, die aus dem Wettbewerb um den St.-Leopold-Friedenspreis 2020 hervorgegangen sind, wurden in die Ausstellung integriert. Manche dieser Arbeiten mögen auf den ersten Blick mit klassischer sakraler Kunst gar nichts zu tun haben. Gerade zwischen den Werken aus unterschiedlichen Epochen ergeben sich aber oft erstaunliche Parallelen, die zeigen, dass es sich bei dem Thema “Leid“ um ein Phänomen handelt, das Menschen zu allen Zeiten quer durch alle Kulturkreise und Weltanschauungen betroffen und bewegt hat.

Die Ausstellung wurde von zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern mit Werken unterstützt, die teilweise von einschneidenden persönlichen Erlebnissen inspiriert wurden, mit überaus individuellen Zugängen. So finden sich Arbeiten von Linde Waber, Julia Faber, Simon Schober, Michael Endlicher, Thomas Naegerl, Hans Robert Pippal, Susanne Geister u.v.a. in der Ausstellung.

Kurzvideos auf der Website des Stiftes und auf YouTube geben Einblick in die Themen der Ausstellung, die selbstverständlich wie der gesamte Museums- und Kulturbetrieb bis auf Weiteres geschlossen bleibt. Noch bis 15. November ist die Schau vorgesehen – somit bleibt ja doch die Hoffnung auf die Chance, die Schau noch in diesem Jahr besichtigen zu können.

Unendliches Thema in sechs Kapiteln

Wie kommt das Leid in die Welt? Die Bibel schafft das Bild der Ureltern und deren Vertreibung aus dem Paradies. Seit jeher sind Künstlerinnen und Künstler davon fasziniert. Gott, Mensch, Krise? Haben diese Begriffe etwas miteinander zu tun?

Die Ausstellung beschäftigt sich mit den vielen Aspekten des Begriffes Leid quer durch die Jahrhunderte. Die christliche Kunstgeschichte ist voll der Darstellung von Martyrien der Heiligen, wie die des Apostel Petrus oder des Heiligen Sebastian. Der Begriff Martyrium ist jedoch ein zeitloser und nicht beschränkt auf vergangene Tage. „Martyrien finden auch jetzt, hier, unter uns statt. Schicksalsschläge können für die Betroffenen selbst, aber auch für ihre Familienangehörigen das Leben zum Martyrium werden lassen“, sagt Kurator Wolfgang Christian Huber.

Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit Menschen die sich einer scheinbar aussichtslosen Situation gegenüber sehen. Leitmotiv aus der christlichen Kunstgeschichte ist Christus am Ölberg. Sein Schweiss war wie Blut, das auf die Erde tropfte. Tropfen aus Blut waren auch die Grundidee des Werkes des Glaskünstlers Peter Kuchler.

Das vierte Kapitel handelt von Verlust eines geliebten Menschen. Über die Jahrhunderte gibt es in der Kunst das Bild der Pietà, der Darstellung Mariens mit dem Leichnam ihres Sohnes auf dem Schoß.

Was leid tut: Das läßt zwei Deutungen zu. Zum einen im Sinne von Leiden – oder im Sinne von Reue: „Ach das tut mir so leid!“. Der reuige Petrus ist ab dem 17. Jahrhundert ein gern gewähltes Motiv. Aber auch die Legende des Ahasver, in der es um die nicht gewährte Erlösung durch Reue geht.

Das 6. Kapitel der Ausstellung findet zu einem versöhnlichen Ende. Es geht dabei um Hoffnung. Sie zu geben, ist auch Aufgabe der Schutzpatrone und Schutzengel. Und die sind jedenfalls in Pandemiezeiten mehr als gefragt.