Neues Hundehaltegesetz: Disziplin am anderen Leinenende. In Klosterneuburg gibt es kaum Hundeattacken. Dennoch wird mehr Disziplin der Hundehalter eingefordert.

Von Victoria Heindl. Erstellt am 13. November 2019 (04:05)
Maulkorb, Leine oder doch beides? An was sich die niederösterreichischen Hunde bald gewöhnen müssen, ist noch nicht ganz klar.
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Für ein Aufjaulen sorgt das neue vom Landtag beschlossene Hundehaltegesetz. Kritik hagelt es vor allem für die verstärkte Beißkorbpflicht „bei größeren Menschenansammlungen“. Gesammelt werden nun sogar Unterschriften für eine Volksbefragung. Die NÖN hörte sich in der Region um, wie dort die verschärften Bestimmungen für Vierbeiner ankommen.

Wo Mensch und Tier eng zusammenleben, kann es leicht zu Konfliktpotenzial kommen. Mit dem neuen NÖ Hundehaltegesetz sollte dieses Potenzial in Zukunft minimiert werden. Bei größeren Menschenansammlungen, in Gasthäusern oder eigenen Zonen, die von den Gemeinden bestimmt werden können, müssten die Vierbeiner dann Maulkorb und Leine tragen: Eine Aussicht, die nicht jeden Hundebesitzer und vor allem den dazugehörigen Vierbeiner freut.

„Wann und wo so eine Zone entstehen könnte, ist derzeit noch offen. Wir werden alle Seiten anhören. Es ist keine leichte Entscheidung.“Holger Herbrüggen, Amtstierarzt und Stadtrat

Einer dieser Hunde, dem das Tragen des Beißkorbs gar nicht gefällt, ist Bobby. „Wir haben zwar einen Beißkorb, aber wir verwenden ihn fast nicht“, erzählt sein Besitzer, Ex-Landtagsabgeordneter Willibald Eigner. Bobby sei den Maulkorb einfach nicht gewohnt und fast schon beleidigt, wenn er ihn dann doch einmal tragen muss. Eigner, der mit seinem Hund auch die Begleithundeprüfung abgelegt hat, hat sich allerdings bewusst für diesen Familienhund entschieden. „Die Stadtgemeinde Klosterneuburg hat schon vor 20 Jahren eine Leinenpflicht im verbauten Gebiet verordnet“, erklärt Eigner, und für seinen Bobby sei diese vollkommen ausreichend.

Sicherheit auch für den eigenen Vierbeiner

Die Leinenpflicht findet an sich auch Chefinspektor Georg Wallner ausreichend – wenn sie eingehalten wird. Und gerade da sieht Wallner das große Problem in Klosterneuburg. „Die Disziplinlosigkeit der Halter bedeutet für uns einen hohen Aufwand“, ist Wallner verärgert. Wenn ein – vermeintlich – ausgebüxter Hund gesichtet wird, muss eine Streife ausrücken. Den Hund versuchen einzufangen und mittels Lesegerät den Chip auslesen. Oft genug ist dann der Besitzer allerdings ein nur paar hundert Meter weiter weg und hat seinen Vierbeiner aus den Augen verloren. „Das birgt auch Gefahren für den Hund selbst“, möchte Wallner diese Hundebesitzer auf die Gefahren im Straßenverkehr oder mit Radfahrern erinnern.

Umgang mit Hunden von klein auf lernen

Mit seinem Golden Retriever Bobby hat Ex-Landtagsabgeordneter Willibald Eigner die Begleithundeprüfung abgelegt.  
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An die Disziplin und den gesunden Menschenverstand appelliert auch Angelika Fuchs, Obfrau der Tierhilfe Klosterneuburg. Gerade bei großen Menschenansammlungen, wie etwa dem Leopoldi-Fest, ist ein Hund arm und sollte eher zu Hause gelassen werden. „Man sollte vorher überlegen, ob man den Hund überhaupt mitnimmt“, hofft Fuchs auf die Vernunft der Hundehalter.

Außerdem spricht sie sich dafür aus, schon Kindern den richtigen Umgang mit den Fellnasen beizubringen. Und für alle „Erst-Hunde-Besitzer“ wünscht sie sich eine Schulung. Eine Idee dabei ist, Tierheime in diese Schulungen einzubinden und den Neo-Herrlis und Fraulis die Grundkenntnisse im Umgang mit ihrem neuen vierbeinigen Familienmitglied beizubringen.

Gleich in zwei Funktionen befasst sich Holger Herbrüggen mit dem neuen Gesetz: als Amtstierarzt und als Stadtrat in Klosterneuburg. Er kann beide Meinungen zur Verschärfung des Hundehaltegesetzes verstehen: „Viele trifft es zu Unrecht, viele haben aber auch Angst, wenn ihnen ein freilaufender Hund ohne Maulkorb entgegenkommt.“

Noch keine Pläne für Schutzzonen

Gemeinsam mit der Stadtgemeinde will Herbrüggen nun erst die endgültige Ausarbeitung des neuen Gesetzes abwarten. Und dann könnte es auch zu neuen Schutzzonen kommen, die von der Gemeinde bestimmt werden können. Sie sollen sensible Bereich öffentlichen Lebens schützen. „Wann oder wo so eine Zone entstehen könnte, ist noch offen. Wir werden alle Seiten anhören. Es ist keine leichte Entscheidung“, setzt Herbrüggen auf eine Lösung, mit der sowohl die Vierbeiner, deren Besitzer und alle anderen Klosterneuburger gut leben können.

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