Pausen-Zoff am Waldesrand. Das Rasten am Wegesrand wurde einer Frau aus St. Andrä-Wördern ziemlich vermiest: „Denen fehlt jeglicher Anstand.“

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 23. August 2019 (03:55)
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Wolfgang Straub, Alt-Bezirkshauptmann und Delegierter des NÖ Landesjagdverbandes: „Natürlich ist Rasten im Wald erlaubt.“

Einen Spaziergang in der Nähe des Weißen Kreuzes in Klosterneuburg wird Claudia Deworezky aus St. Andrä-Wördern nicht so schnell vergessen. Harsch wurde sie von ihrem Rastplatz gestampert. Ob es Forstarbeiter, Förster oder Jäger waren, ist Deworezky nicht bekannt, aber die Art und Weise, wie sie aufgefordert wurde, ihren Rastplatz zu verlassen, hat die St. Andrä-Wörderin veranlasst, den Vorfall der NÖN zu schildern.

Es war Sonntag, der 18. August, als sich Claudia Deworezky mit ihren beiden Hunden auf den Weg machte. Im Bereich des Weißen Kreuzes machte sie im Wald einen Spaziergang, um es sich anschließend am Rande des Weges mit einer Decke gemütlich zu machen. Die Hunde mit ihr, aber, wie sie versichert, angeleint.

Was dann passierte, erzählt Claudia Deworezky so: „Plötzlich kam am Forstweg ein Wagen. Das Auto hielt in einem Abstand von etwa zehn Metern. Es stiegen zwei Männer aus, einer etwas älter mit Bart, ein zweiter relativ jung.“ Die beiden gingen geradewegs auf die rastende Frau zu. „Sie fuhren mich in Befehlston an, was ich hier mache, und dass ich die Hunde anleinen müsse. Ich machte sie darauf aufmerksam, dass sie angeleint seien.“

„Die beiden spielten sich in ihrer Art und im Tonfall wie Möchtegernsheriffs auf.“ Claudia Deworezky aus St. Andrä-Wördern

Normalerweise sollten sich „Organe“ zumindest ausweisen und mitteilen, von wo und wer sie sind. Das tat aber keiner, im Gegenteil, „die beiden spielten sich in ihrer Art und im Tonfall, den sie an den Tag legten, auf wie Möchtegernsheriffs“, so Deworezky weiter.

Sie erklärten ihr, dass das Rasten und Verweilen hier verboten sei. Man dürfe sich – laut den beiden „Organen“ – nicht einmal auf einen Baumstamm setzen und Pause machen. Sie würde das Wild Richtung Ortschaft aufscheuchen, dort entstünde dann Wildbiss, den die beiden „Organe“ dann aus eigener Tasche bezahlen müssten. Und dass auch das Schwammerlsuchen – „Das hab ich ja gar nicht getan“ – gerichtlich zur Anzeige gebracht werde.

„Meine Frau kam komplett verängstigt nach diesen Vorfall heim. Es ist mehr als traurig, dass man in seiner Heimat so behandelt wird“, ist auch Ehemann Andreas fassungslos, „die beiden fühlten sich anscheinend unheimlich mächtig, eine Frau zu maßregeln und einzuschüchtern.“

Das Ehepaar verlangt Aufklärung und eine schriftliche Entschuldigung dieser Herren. „Denen fehlt es anscheinend an jeglichem Anstand, und sie wissen nicht, wie man mit Mitmenschen umgeht“, so das Ehepaar Deworezky entsetzt.

„Forstarbeiter der Stadtgemeinde waren das sicher nicht“, weiß Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager, denn die Stadt vergibt Forstarbeiten nur extern, und am Sonntag werde sicher nicht gearbeitet. Ob es Jäger waren, die die Wörderin so verstörten, konnte die NÖN nicht eruieren. Wir sprachen aber mit dem Alt-Bezirkshauptmann und Delegierten des NÖ Landesjagdverbandes Wolfgang Straub und fragten ihn, ob es tatsächlich verboten sei, im Wald Rast zu machen.

„Natürlich nicht“, erklärt Straub, „im Wald hat jeder das Recht, sich auszuruhen, also auch zu liegen.“ Anders verhält es sich bei einer Wiese, da könne man nach einer Aufforderung, die Wiese zu verlassen, auch mit einer Besitzstörungsklage vom Wieseneigentümer rechnen. Die Schwammerlsuche könnte ein Waldbesitzer verbieten. Allerdings müssten Hinweisschilder angebracht werden. Hunde müssen im Wald angeleint sein, aber das waren sie ja laut der Schilderung auch.

Straub hält es für sehr unwahrscheinlich, dass es sich bei den beiden Personen um Klosterneuburger Jäger gehandelt haben könnte: „Wir sind aufklärend und hilfestellend unterwegs.“