Rad-Forum ortet „schweres Versäumnis“ bei EuroVelo6. Verkehrskonzept im Entwurf geht nicht auf den Donauradweg ein. Stadtrat Kehrer: Bauliche Trennung ist möglich.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 13. April 2019 (02:47)
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„Nun gilt es, diese Möglichkeit zu nutzen“: Verkehrsstadtrat Johannes Kehrer (PUK) pocht auf einen baulich getrennten Radweg.

„Mit Entsetzen musste ich feststellen, dass auf den Radverkehr am ,EuroVelo6‘ in der Strandbadstraße nicht mal in einer Zeile im Gutachten eingegangen wurde“, prangert Gerhard Mikolasch vom Forum Radverkehr an. Der Klosterneuburger blätterte den Änderungsentwurf durch, der eine Umwidmung des Areals neben dem Essl Museum für das Privatgymnasium vorsieht. Dabei entdeckte er, so Mikolasch, „ein schweres Versäumnis beziehungsweise einen Auftragsfehler“: Radverkehr wird in dem 24-seitigen Papier nicht thematisiert.

„Solange dort kein Lückenschluss eines sicheren eigenen Radwegkörpers getrennt vom Kfz-Verkehr für den ,EuroVelo6‘-Radweg in der Strandbadstraße errichtet wird, ist die vorgeschlagene Änderung abzulehnen und die Zustimmung zu verwehren“, plädiert Mikolasch. Der überzeugte Radfahrer fürchtet mehr Verkehr durch Elterntaxis, Personal, Zusteller und Öffi-Busverdichtung. Mikolasch: „Es entsteht in der Strandbadstraße eine gefährliche Situation, weil sich dort die Radfahrer mit dem Kfz-Verkehr im Mischverkehr bewegen müssen.“ Und: „An Spitzentagen fahren dort zwischen 200 und 400 Radfahrer pro Stunde.“

Mehr Verkehr und längere Wartezeiten

Während Radler im Änderungsentwurf außen vor gelassen werden, wird Pkw-Verkehr sehr wohl aufgezeigt. Insbesondere in den Verkehrsspitzen vor Schulbeginn am Morgen ist damit zu rechnen, dass es im Kreuzungsbereich Wiener Straße / Donaustraße zu erhöhtem Verkehrsaufkommen und längeren Wartezeiten kommen kann“ – das prognostiziert der Bericht. Mikolaschs Sorge über eine höhere Verkehrsdichte scheint also nicht unbegründet zu sein.

„Dass im vorliegenden Auflageverfahren in der Erläuterung nicht auf die Fahrrad-Anbindung eingegangen wird, ist schade“, sieht auch Stadtrat Johannes Kehrer (PUK) Nachholbedarf. Die derzeitige Lösung – die Integration des „EuroVelo6“ im Mischverkehr – sei vor Jahren beschlossen worden. Doch mit der Errichtung des Bildungs-Provisoriums haben sich die Karten neu gemischt. Jetzt müsse man auch auf Schüler auf zwei Rädern Rücksicht nehmen. Kehrer: „Die künftige Nutzung als Schulweg mit dem Fahrrad macht eine Trennung vom Autoverkehr notwendig.“

Und weiter: „Die Schule an diesem Standort wird den Autoverkehr auf der Straße erhöhen, und das Ab- und Zufahren mit dem Fahrrad von der Fahrbahn ist Schulkinder nicht zuzumuten.“ Der Verkehrsstadtrat will Gespräche suchen, um sicheres Radfahren zu garantieren: „Die Widmung der Verkehrsfläche ermöglicht jedoch schon jetzt eine Errichtung eines baulich getrennten Radwegs. Nun gilt es, diese Möglichkeit zu nutzen.“