Stefanie (17) an Schwelle zum Tod: „Hatte den Willen, nie aufzugeben“

Erstellt am 21. Januar 2022 | 05:16
Lesezeit: 5 Min
Ein Unfall verändert das Leben einer 17-jährigen Klosterneuburgerin.

Zwischen Leben und Tod zu stehen, ist eine Erfahrung, die niemand machen will. Doch das Schicksal ist unberechenbar. Eine junge sportliche Klosterneuburgerin stand genau an eben dieser Schwelle.

Stefanie Iser ist jung, sportlich und steht mitten im Leben. Sie ist gut in der Schule und vor allem wie ihre Eltern sportlich aktiv. Triathlon ist ihre Passion. Diese Sportart, die Schwimmen, Laufen und Radfahren vereint, betreibt sie aktiv und professionell in einem Verein, dem „TRI Klosterneuburg“. Bis zum 1. April 2021.

„Vom Ganz-Gesund-Werden bis zum dauerhaften Wachkoma war da alles möglich. Keiner wusste, wie das enden wird.“ Stefanie Iser Schülerin

Das 17-jährige Mädchen ist mit ihrer Mutter mit dem Rad auf der Donauinsel unterwegs. Alles erscheint ganz normal, bis die voran fahrende Mutter akustisch den Sturz ihrer Tochter wahrnimmt.

„Wir wissen bis heute nicht, warum ich gestürzt bin. Es ist und bleibt ein Rätsel“, erzählt Stefanie. Ihre Mutter, eine Ärztin, kümmert sich sofort um ihre Tochter, die sofort bewusstlos wurde. Erstversorgt, mit einer klaffenden Platzwunde am Kopf, wird das Mädchen mit dem Hubschrauber in das AKH nach Wien geflogen.

Zuerst in den Schockraum, wo man versuchte das Mädchen wieder wach zu bekommen, dann auf die Intensivstation. „Ich hatte das Glück in Zeiten der Pandemie ein Bett zu bekommen. Sie haben mich versucht aufzuwecken, aber das ist nicht gelungen“, so Stefanie die sich all das später erzählen lassen musste. Mitbekommen hätte sie zu diesem Zeitpunkt rein gar nichts.

Bis zum 13. April wurde sie auf der Intensivstation versorgt. Die Diagnose „Schweres Schädel-Hirn-Tauma“ ließ aber keine Heilungsprognosen zu. Stefanie: „Vom Ganz-Gesund-Werden bis zum dauerhaften Wachkoma war da alles möglich. Keiner wusste, wie das Enden wird. Besonders für meine Eltern, Geschwister und Freunde muss das furchtbar gewesen sein.“ 11 Tage lag Stefanie auf der Intensivstation. Nachdem die Narkosemittel behutsam herabgesetzt wurden, kam sie auf die Normalstation.

Dort hat die junge Sportlerin ganz selbstverständliche Dinge wieder lernen müssen. Stefanie: „Ich war total kraftlos, wie ein Säugling, konnte mich nicht einmal im Bett umdrehen.“ Sitzen, gehen, essen – die ganz banalen Dinge des Lebens musste Stefanie wieder mit großem Kraftaufwand erlernen: „Nach drei Schritten war ich so erschöpft, dass ich zwei Stunden schlafen musste.“

Heute wieder lauter Einser in der Schule

25 Schritte waren der Rekord, erinnert sie sich. Für eine aktive Sportlerin ein absurder Zustand. In dieser Zeit waren dem Mädchen ihre Eltern die größte Stütze. Rund um die Uhr wichen sie nicht von der Seite ihrer Tochter. Stefanie: „Ich hatte aber auch den Willen, nie aufzugeben.“

Am 27. April konnte Stefanie Iser das AKH verlassen und kam auf die Rehaklinik Favoriten. Für sie die positivste Zeit ihrer Genesung: „Da konnten mich endlich wieder alle Verwandten besuchen und ich durfte die Wochenenden zu Hause verbringen.“

Am 23. Juni war dann die Odyssee zu ende. Heute ist das Mädchen nahezu komplett wiederhergestellt. Laufen, Schwimmen und Radfahren kann sie heute auf dem selben Niveau wie vor dem Unfall. In der Schule schreibt die Vorzugsschülerin wieder lauter Einser. Einzig ihre Augen machen nicht ganz das, was sie sich von ihnen erwartet. Sie hat ein eingeschränktes Sichtfeld.

„Es ist so, wie wenn ich links, rechts und unter dem Kinn Scheuklappen hätte. Ich kann auch die Höhe nicht mehr abschätzen. Wenn ich auf die Seite schaue, sehe ich auch doppelt.“ Aber damit kommt die so positive Stefanie klar, hat sich daran gewöhnt und ist zuversichtlich, dass sich das in nächster Zeit bessern wird.

„Ich lebe derzeit bewusster.Die Menschen machen sich um viele Dinge unnötige Sorgen.“

Hat dieser Unfall die Stefanie Iser verändert? „Ja, das glaube ich schon. Ich lebe derzeit bewusster. Durch den Unfall wird einem klar, was wirklich wichtig im Leben ist. Die Menschen machen sich um viele Dinge unnötige Sorgen.“ Auch hätte sie ein Mehr an Lebensfreude und Motivation gewonnen und versucht immer das Positive zu sehen. Stefanie: „Ich weiß jetzt, wie schnell alles vorbei sein kann.“

Mit ihrer Familie ist sie durch den Unfall noch enger zusammengerückt: „Wir sind eine Familie, die ganz eng und fest zusammen ist. Durch den Unfall sind wir noch mehr zusammengewachsen.“

Stefanie Iser schmiedet auch wieder Zukunftspläne. Jetzt hat sie die Matura vor sich. Im Mai die Schriftliche und Mitte Juni dann mündlich. Angst hat sie davor nicht die Spur. Erstens hätte sie viel Schlimmeres erlebt und dann ist sie ja eine vorbildliche Schülerin.

Auch als Folge ihrer so positiven Erfahrung mit Therapeuten, interessiert sie sich für den Beruf der Physiotherapeutin und bewirbt sich zu einem Studium in diese Richtung. Stefanie liebt aber auch Tiere und so hat sie sich auch auf der Veterinärmedizinischen Uni beworben.

Das 17-jährige Mädchen stand an der Schwelle zum Tod, hat viel durchgemacht, aber dadurch auch vieles gelernt: „Ich glaube, man kann alles schaffen. Aber es ist trotzdem ein Wunder, dass ich heute wieder kerngesund bin. Ich bin so dankbar, dass alles so ausgegangen ist.“