Gelsenplage quält Klosterneuburg. Futtersuche. Entspannung in 14 Tagen. Derzeit sind vor allem in der Au sehr viele Gelsen auf

Von Victoria Heindl. Erstellt am 19. Juni 2019 (04:35)
APA (Symbolbild/dpa)
Symbolbild

„Schlagen, fluchen, kratzen“ – Diesen Gelsen-Triathlon werden in diesem Sommer wahrscheinlich wieder viele Klosterneuburger absolvieren. Denn in diesem Jahr empfinden viele die kleinen Quälgeister als besonders lästig und vor allem als besonders zahlreich.

40 verschiedene Gelsenarten in ÖSterreich

Obwohl sie nur wenige Millimeter groß sind, kann schon eines dieser Exemplare den letzten Nerv rauben. In Österreich gibt es etwa 40 verschieden Gelsen-Arten. Seit einigen Jahren hat sich auch die Asiatische Buschmücke in Niederösterreich ausgebreitet. Und diese kleinen Einwanderer machen uns momentan auch das Leben schwer.

„Diese sind sehr, sehr lästig und länger aktiv“, erklärt Ökologe und „Gelsenpapst“ Bernhard Seidel. Denn eigentlich ist es ein ganz normales Gelsenjahr. „Das Hochwasser in diesem Jahr war nichts Bedeutendes“, so Seidel weiter. Viel mehr ist vor allem der Schlamm, der sich in der Donau abgesetzt hat, der ideale Nährboden für Gelsen.

Was kann man gegen die Gelsenplage machen?

In Tulln etwa setzt die Stadtgemeinde auf die ökologische Gelsenbekämpfung. Die Brutstätten werden mit dem Eiweißpräparat B.T.I. (Bacillus thuringensis israelensis) behandelt, um die Verbreitung so gut wie möglich einzudämmen. In Klosterneuburg werden solche Mittel schon seit Jahren nicht mehr verwendet. „Ich bin ein strikter Gegner von solchen Mitteln“, erklärt Umweltstadtrat Leopold Spitzbart, der in seiner Gärtnerei derzeit auch selbst unter den kleinen Quälgeistern leidet.

Denn: „Ein Eingriff in die Nahrungskette ist immer negativ. So toll können die Mittel gar nicht sein.“ Außerdem müsste die Stadtgemeinde ein Gebiet von Höflein bis zur Stadtgrenze zu Wien behandeln.

Jemand, der derzeit besonders unter den Gelsen leidet, ist Uferhaus-Besitzerin Manushe Prenkas. „Ich kann ein Lied davon singen“, klagt Prenkas ihr Leid. Sie hat nun angefangen, rund um das beliebte Ausflugsziel an der Donau selbst ein biologisches Mittel zu spritzen. „Überall wird was gemacht, nur bei uns nix. Wir beschweren uns seit Jahren“, richtet Prenkas ihren Ärger auch an die Stadtgemeinde.

„In 14 Tagen, drei Wochen ist alles vorbei“, hofft Spitzbart auf ein baldiges Ende des Stech-Angriffs in diesem Jahr. Auch „Gelsenpapst“ Seidel schürt diese Hoffnung: „In 14 Tagen sind die Gelsen aus der Au weg.“ Allerdings bleiben die, die es sich in kleinen stehenden Gewässern – zum Beispiel im eigenen Garten – gemütlich machen.


Ätherische Öle und helle Kleidung

Solange die Gelsen aber noch da sind, setzt Prenkas auf ätherische Öle, die eine Freundin von ihr zusammengestellt hat. Diese empfiehlt auch Apothekerin Eva Fellner.

„Ätherische Öle haben abwehrende Duftstoffe, die Insekten nicht mögen. Man muss ausprobieren, ob sie verträglich sind“, erklärt Fellner. So gibt es eigene Produkte für Babys ab zwei Monaten und Kleinkinder ab einem Jahr. Falls man auch chemische Mittel setzen will, empfiehlt Fellner Mittel, die den Inhaltsstoff Icaridin enthalten. Bei all diesen Mitteln sollte man aber schnell sein, denn schon jetzt gibt es einen Engpass in den Apotheken.

„Ätherische Öle haben abwehrende Duftstoffe, die Insekten nicht mögen. Man muss ausprobieren, ob sie verträglich sind“,

Wenn diese Mittel doch nicht alle Blutsauger abgehalten haben, sollte man den Stich kühlen, eine Zwiebel auflegen oder mit entsprechenden Salben behandeln. Diese wirken gegen die Allergie, die bei manchen Menschen ausgelöst wird. Daher scheint es auch, dass manche Menschen den Gelsen besonders gut schmecken. Gebissen werden aber alle Menschen gleich.

Zumindest gibt es keine fundierten wissenschaftliche Untersuchungen zu den Präferenzen der fliegenden Quälgeister. „Es kommt dabei auf viele Faktoren an: Die Umgebung, die Temperatur, Geruch – den physiologischen Zustand vom Wirt, also dem Menschen, als auch den physiologischen Zustand der Gelse“, erklärt Seidel.

„Gehen Sie momentan lieber hoch hinauf in die Berge und meiden Sie die Au.“

Aber auch wenn man keinen juckenden Tippel vom Stich davonträgt, können auch heimische Gelsen Krankheiten übertragen, warnt Seidel und rät daher zu heller Kleidung, besonders abends, wenn sie noch angestrahlt wird, denn Gelsen meiden die Sonne. Und: „Gehen Sie momentan lieber hoch hinauf in die Berge und meiden Sie die Au.“

Umfrage beendet

  • Soll die Stadt gegen Gelsen spritzen?