Sicherheit für Radfahrer: Mehr eigene Radwege gefordert. Nach dem tödlichen Unfall mit einem Fahrradanhänger, bei dem zwei Kinder gestorben sind, ist eine Debatte über das Radwegnetz in NÖ entbrannt.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 14. August 2019 (03:14)
Hornstein
Gefahrenstelle Hundskehle, Einmündung in die B14: Ob hier ein Radfahrer kommt und mit welcher Geschwindigkeit kann der Autofahrer nur feststellen, indem er aussteigt und um die Ecke schaut.

Überall dort, wo sich Rad- und Autofahrer die Fahrbahn teilen müssen, wird es gefährlich. Auch in Klosterneuburg. Die Lösung des Problems liegt daher für den Sprecher Rad-AG Weidlingtal, Gerhard Mikolasch, in der Trennung der Verkehrsteilnehmer: „Eine höhere Sicherheit für Radfahrer kann nur erreicht werden, wenn mehr baulich getrennte Radwege errichtet werden, wovon auch die Kfz-Lenker Vorteile haben, weil sie weniger durch langsame Radfahrer behindert werden.“

Familienradfahrer mit Kindern und Alltagsradfahrer fahren üblicherweise zehn bis 20 Stundenkilometer. Autos sind da viel schneller unterwegs. Auf Überlandstraßen zwischen 70 und 100 Stundenkilometer. „Da wird es naturgemäß für Radfahrer gefährlich“, so Mikolasch. Daher appelliert der Radexperte, den Bau von eigenen Radwegen zu forcieren. Nur so könne eine höhere Sicherheit für Radfahrer gewährleistet werden.

„Für Prestigeprojekte macht die Stadtregierung Millionen locker, für die Sicherheit der Radfahrer werden nur 5.000 Euro zur Verfügung gestellt.“ Gerhard Mikolasch

Genau das passiert aber in Klosterneuburg nicht. Seit Jahren fehlen Lückenschlüsse für sichere baulich getrennte Radwege auf Hauptradverbindungen, wie auf der B14 Richtung Kierling, Höhe AUVA-Gelände und auf dem internationalen Donauradweg „Eurovelo VI“ in der Strandbadstraße, Höhe ehemaliges Essl Museum, dort, wo das Privatgymnasium hinkommen soll.

„Für Prestigeprojekte wie das Umweltbundesamt oder das Happyland macht die Stadtregierung Millionen locker, für die Sicherheit der Radfahrer werden aber 2019 nur 5.000 Euro zur Verfügung gestellt. Mit diesem Geld können höchstens ein paar Radständer und ein paar Bodenmarkierungen finanziert werden, aber keine 100 Meter baulich getrennten Radwege“, zeigt sich Mikolasch verärgert.

Ein psychologisch effektives Aufmerksammachen auf Gefahrenstellen stellen die roten Bodenmarkierungen dar. Aber auch da gibt es Kritik vom Radexperten. „Teilweise gibt es schon rote Bodenmarkierungen wie bei der MC-Donalds-Ausfahrt am Radweg auf der B14, teilweise fehlen sie aber noch auf der gleichen Strecke bei benachrangten schlecht einsichtigen Quergassen beim Kreisverkehr Pater-Abel-Straße“, so Mikolasch. Ein regelmäßiges Überprüfen und Erneuern von Bodenmarkierungen und Piktogrammen auf und bei Radwegen, wie bei der B14-Busstation Weidling Bahnhof beim Kebab-Stand, wäre für die Radfahrer wünschenswert.

„Für Prestigeprojekte wie das Umweltbundesamt oder das Happyland macht die Stadtregierung Millionen locker, für die Sicherheit der Radfahrer werden aber 2019 nur 5.000 Euro zur Verfügung gestellt"

So passieren auch immer wieder Unfälle mit Radfahrern. Der letzte wirklich tragische Unfall passierte im November 2018. In der Dämmerung kollidierte ein Radfahrer bei der Radfahrüberfahrt Kreisverkehr Weidling Bahnhof mit einem Auto. Der Radfahrer erlitt eine schwerer Knieverletzung. „Vermutlich durch zu geringe Ausleuchtung dieser Stelle bei Dunkelheit und situationsbedingt zu hoher Geschwindigkeit. Dort sind 50 Stundenkilometer erlaubt“, weiß Mikolasch.

Mit Verkehrstadtrat Johannes Kehrer (PUK) hat Gerhard Mikolasch einen echten Mitstreiter: „Ich stimme voll zu, dass 5.000 Euro Rad-Budget für 2019 lächerlich ist. Zumal es einige Lücken im Radweg ja noch zu schließen gilt.“ Aber er könne nur mit seinen Vorstellungen in Verhandlung gehen. Das wird Kehrer auch machen: „Für nächstes Jahr sind von meiner Seite aus die Schließung der Radweg-Lücken geplant.“ Es geht dabei wie von Gerhard Mikolasch gefordert – um den Lückenschluss neues Gymnasium, Agnesbrücke und Stollhof. Kehrer: „Ich appelliere an die Vernunft der Stadtregierung, 2020 genug Geld zur Verfügung zu stellen, um die Lücken des Radnetzes endlich zu schließen.“

Nach unbestätigten Meldungen soll das dieses Vorhaben etwa 500.000 Euro kosten. Kehrer abschließend: „Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um das durchzubringen.“

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