Egon Schiele und die Schatzkammer. Die Klosterneuburger Jahre des großen Künstlers stehen im Fokus der neuen Ausstellung an der Tullner Donaulände.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 12. April 2019 (02:40)
Egon Schiele Museum
Die Lebensphase des jungen Künstlers in Klosterneuburg steht im Mittelpunkt der in der Schatzkammer des Egon Schiele Museums ausgestellten Originalwerke.

Nach der großen Neuaufstellung des Egon Schiele Museums in Tulln anlässlich seines 100. Todestages im Jahr 2018 wurde heuer die Schatzkammer mit 16 Originalobjekten des Künstlers neu eingerichtet. Die Frühwerke zeigen Natur- und Stadtlandschaften des künstlerischen Aufbruchs. Veranstaltungen mit Schiele-Forscherin Alessandra Comini und Schiele-Biografen Gregor Mayer sowie geführte Museumsrundgänge und Atelierprogramme laden zum Besuch des Museums ein.

„Nicht zufällig steht bei den ersten Städtebildern und Naturlandschaften Klosterneuburg im Zentrum“, erklärt Christian Bauer, Direktor der neuen Landesgalerie Niederösterreich in Krems und Kurator des Egon Schiele Museums. „In Klosterneuburg fiel seine Entscheidung, Künstler zu werden, und hier feierte er auch seine ersten Erfolge. Im Rahmen dieser intimen Begegnung mit den Gemälden und Grafiken aus dem Frühwerk des Künstlers zeigen wir auch erstmals eine Schenkung Alessandra Cominis, die Kohlezeichnung ‚Mädchen und Knabe im Wald‘ aus dem Jahr 1907“, macht Christian Bauer Lust auf die neue Sonderausstellung.

Schlechter Schüler, begabter Künstler

Tulln, Klosterneuburg, Neulengbach und Wien bilden das geografische Zentrum Egon Schieles, bis der Künstler tragisch mit 28 Jahren starb. Reisen nach Triest, Tirol, Krumau und anderen Orten ergänzen diesen Lebensraum. Die diesjährige Ausstellung der Schatzkammer im Tullner Museum fokussiert Schieles erste Städtebilder und Naturlandschaften, wobei Klosterneuburg im Zentrum steht.

Die Familie von Egon Schiele war 1904 von Tulln nach Klosterneuburg übersiedelt. Der Tod des Vaters trifft Egon, gerade einmal 14-jährig, mit voller Wucht. Ein Leben lang wird er diesem Verlust nachtrauern. Immer wieder sucht Schiele Orte auf, die ihn an den Vater erinnern. Egon Schiele besuchte in Klosterneuburg das Realgymnasium. Die Schulakten dort zeugen von einer desaströsen Schulkarriere. Nur der Lehrer Professor Ludwig Karl Strauch, ein angesehener Maler, der an der Schule Freihandzeichnen unterrichtete, erkannte sein Talent und unterstützte ihn. Er gab ihm Privatstunden bei sich zuhause, ließ ihn neben sich auf einer Staffelei malen.

Während seiner Lebensphase in Klosterneuburg fiel nicht nur Schieles Entscheidung, Künstler zu werden und sein Glück, eine erste Ausstellung im Marmorsaal des Augustiner-Chorherrenstiftes realisieren zu dürfen: Unter dem Titel „Junge Kunst im Stift“ wurden damals neben Werken anderer Klosterneuburger Künstler zehn Gemälde gezeigt. Heinrich Benesch, Zentralinspektor der Südbahn, wird dort auf den jungen Künstler aufmerksam. Obwohl nicht wohlhabend, sollte Benesch einer der wichtigsten Sammler von Schieles Papierarbeiten werden – heute Bestand der Wiener Albertina.

www.schielemuseum.at.