Wildunfall in Kritzendorf löst Debatte aus. Laut Niederösterreichischem Jagdverband dürfen alle Jäger, auch die Polizei, Wildtiere von ihren Qualen befreien.

Von Victoria Heindl. Erstellt am 05. August 2020 (04:14)
Symbolbild
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Im Schnitt kommt es alle sechs bis zehn Minuten zu einem Unfall mit Wildtieren in Österreich. Nicht nur auf Überlandstraßen leben die scheuen Wesen gefährlich. Auch innerorts kommt es immer wieder zu Kollisionen zwischen Kraftfahrzeugen und Tieren. Aber was muss ich als Fahrzeuglenker machen, wenn ein Unfall nicht mehr vermeidbar war? Die NÖN erkundigte sich beim NÖ Jagdverband.

Vor etwa zwei Wochen kam es zu einem Unfall direkt an der Kritzendorfer Hauptstraße, der viele Kritzendorfer bewegte. Das angefahrene Reh musste etwa eineinhalb Stunden ausharren, bevor es von einem Jäger erlöst wurde. Über diesen Fakt entstand eine Diskussion in der Katastralgemeinde über die Zuständigkeiten und Befugnisse von Jägern, Polizei und Tierärzten.

Jeder Wildunfall muss Polizei gemeldet werden

Der Unfall ereignete sich gegen 13.15 Uhr. Der Lenker, der das Reh anfuhr, verhielt sich richtig. Mithilfe von Passanten konnte das Tier gesichert und die Polizei verständigt werden. „Grundsätzlich muss jeder Unfall – also auch wenn das Tier flüchtet – der Polizei gemeldet werden, die den Unfall aufnimmt und die Jägerschaft informiert, die die Bergung übernimmt. Das Tier darf keinesfalls mitgenommen werden. Das gilt für alle Wildtiere“, erklärt Michael Oberbichler, Pressesprecher des NÖ Jagdverbands.

Das Tier muss dann auch vom Fahrzeuglenker von der Straße entfernt beziehungsweise, wenn das nicht möglich ist, muss die Unfallstelle abgesichert werden.

Tier muss nicht unnötig lange leiden

In dem konkreten Fall in Kritzendorf haben sich alle vorschriftsmäßig verhalten. Passanten sicherten das Tier, das immer wieder versuchte, doch noch aufzustehen, mit einem Tuch über den Augen und hielten es nieder. Währenddessen verständigte die Exekutive den zuständigen Jäger. „Die Polizei hat Zugriff auf die Daten der Jagdausübungsberechtigten und der Jagdaufseher jedes Jagdgebietes. Wenn ein Wildunfall anfällt, ist zumindest ein Jäger in der Regel erreichbar“, berichtet Oberbichler über die gängige Vorgehensweise.

„Auch andere Personen – zum Beispiel Polizisten, andere Jäger und so weiter – dürfen Tiere erlösen, wenn eine rasche Tötung unbedingt erforderlich ist, um dem Tier nicht behebbare Qualen zu ersparen.“ Michael Oberbichler NÖ Jagdverband

In diesem Fall war zwar der zuständige Jäger erreichbar, aber weit entfernt. Die Passanten, die das Tier betreuten, bis er eintraf, waren entsetzt, dass kein anderer Jäger oder die Polizei das Tier erlösen durften. Denn laut Jagdgesetz ist die rechtliche Situation folgende: „Nimmt eine jagdfremde Person ein hilfsbedürftiges Wildtier an sich oder führt sie an einem solchen Tier eine Nottötung durch, setzt sie sich dem Verdacht aus, einen Eingriff in fremdes Jagdrecht vorzunehmen und sich damit gerichtlich (§ 137 StGB) strafbar zu machen oder gegen das Jagdgesetz zu verstoßen.“

Dem widerspricht allerdings Oberbichler im Namen des NÖ Jagdverbands: „Auch andere Personen – zum Beispiel Polizisten, andere Jäger und so weiter – dürfen Tiere erlösen, wenn eine rasche Tötung unbedingt erforderlich ist, um dem Tier nicht behebbare Qualen zu ersparen.“