Stockerau: „In jede Ritze wird gebaut“. Für viele Stockerauer ist ein Stück Geschichte gestorben: Ein Teil des ehemaligen Gasthauses Gruber wurde geschleift. Bald sollen dort neue Wohnungen entstehen.

Von Michaela Höberth. Erstellt am 13. Februar 2019 (06:15)
Sturm
Bald kann neben dem Rathaus gewohnt werden. Die Gasträume in der Donaustraße bleiben jedoch erhalten.

Es ist ein Anblick, der viele Stockerauer traurig stimmt: „Schade um das Gebäude“, bedauern die Facebook-User, dass ein Teil des ehemaligen Gasthauses Gruber neben dem Rathaus vergangene Woche abgerissen wurde. Dort sollen neue Wohnungen entstehen – ein Vorhaben, das viel Kritik erntet: „Stockerau braucht endlich eine Regierung, die etwas für diese einstmals wunderschöne Stadt tut. Im Moment sieht es überall aus wie in Rumänien ... Hauptsache, teure Wohnungen werden in jede Ritze gebaut“, so ein verärgerter Kommentar.

„Es gab keine Chance, das alte Gebäude zu erhalten“, versichert Unternehmer Christian Müllner, der mehrere Wohnobjekte in der Stadt besitzt und das Gruber-Gebäude privat gekauft hat. In der Wolfik-Straße sollen bis zu elf hochwertige Wohnungen entstehen, dabei soll sich das neue Gebäude nahtlos in das Ortsbild einfügen. Die Gasträume in der Donaustraße bleiben jedoch erhalten und sollen verpachtet werden. „Mein Wunsch ist es, dort gehobene Gastronomie anzubieten, das fehlt in Stockerau“, so Müllner. Über den Gasträumen könnten sowohl weitere Wohnungen als auch Büroräumlichkeiten entstehen. „Wir wollen heuer noch mit dem Bau beginnen und warten derzeit auf die nötigen Genehmigungen“, so Müllner zur NÖN.

Einwohnergrenze von 20.000 wird überschritten

Auch dem interimistischen SP-Stadtchef Othmar Holzer tut es leid um das alte Gebäude, Müllners Projekt hält er dennoch für eine gute Sache: „Ich finde es toll, dass das Gasthaus erhalten wird. Und auch für die Stadtgemeinde könnte sich dadurch die Möglichkeit ergeben, die Rathausbüros zu erweitern“, denkt er voraus. Nichtsdestotrotz streitet er nicht ab, dass jedes neue Wohnbauprojekt – wobei auch in der Schillerstraße, in der Landstraße und in der Austraße neue Wohnmöglichkeiten entstehen – auch Probleme mit sich bringt.

„Wir werden die Einwohnergrenze von 20.000 sicher überschreiten, damit wächst auch der Verkehr. Nach den Wahlen muss das Verkehrskonzept aufgearbeitet werden“, steht für Holzer fest. Für neue Wohnungen gilt: Pro Einheit sind 1,5 Parkplätze anzubieten, „ansonsten müssen Ausgleichszahlungen an die Stadt erfolgen“, so Holzer.