Dummer über Arbeiten in Heiner-Gebäude: „Zu euphorisch“. ÖVP-Stadtrat in Stockerau beauftragte Arbeiten – trotz Bausperre und Denkmalschutz.

Von Michaela Höberth. Erstellt am 12. Mai 2021 (04:20)
Die Stadt stoppte die Arbeiten im hinteren Bereich der ehemaligen Kirchenmühle, nach einer Anzeige ist ein Verfahren im Laufen.
Höberth, Höberth

Die Bauarbeiten im hinteren Teil des Heiner-Gebäudes dauerten nur drei Tage, richteten aber großen Schaden an: ÖVP-Stadtrat Gerhard Dummer hatte die Arbeiten in seiner Funktion als Geschäftsführer der Kommunalen Immobiliengesellschaft (KIG) beauftragt, in deren Eigentum das Gebäude steht. „Dort sollen neue Toilettenanlagen für die Festspiele entstehen“, erklärt er auf NÖN-Anfrage. Nur: Es gilt eine Bausperre in der Stadt, die von der ÖVP selbst ausgerufen wurde. Außerdem fehlte für die Arbeiten an dem denkmalgeschützten Gebäude eine Genehmigung des Bundesdenkmalamtes.

ÖVP-Stadtrat Gerhard Dummer muss Kritik einstecken.
ÖVP, ÖVP

Werner Bolek, ein erklärter Gegner der Bausperre und der geplanten Baurichtlinien (die NÖN berichtete), zeigte das Vorgehen an. Er wohnt gegenüber der begonnenen Baustelle. „Eine Bausperre gilt für alle“, kritisiert er. Und er ist wütend: „Die Frechheit der Stadt ist kaum zu überbieten!“ Die Stadt selbst ließ die Arbeiten schließlich einstellen. Ein Schritt, den Dummer nachvollziehen kann: „Die Gemeinde hat gehandelt, wie sie muss. Ich war hier wohl zu euphorisch“, nimmt er jede Verantwortung auf sich. Doch der Zeitpunkt der Arbeiten sei aus gutem Grund gewählt worden: „Wir wollten das erledigen, bevor das Kaffeehaus wieder aufsperrt. Die Gastronomie hat schon genug gelitten und kann bei der Wiedereröffnung keine Bauarbeiten gebrauchen“, so Dummer. Die Arbeiten im Innenbereich des Gebäudes seien auch kein Problem gewesen, lediglich die Durchbrüche in der Fassade hätten die Richtlinien der Bausperre verletzt.

Die Stadt lässt die technische und rechtliche Sachlage nun prüfen. „Ich bitte daher um Verständnis, dass ich zu dem nun laufenden Verfahren derzeit keine weiteren Auskünfte erteilen kann“, kommentiert ÖVP-Stadtchefin An drea Völkl. Das Bundesdenkmalamt zeigt sich kooperativ: „Das Vorhaben wurde mit dem Bundesdenkmalamt vorbesprochen und es besteht aus Sicht der Denkmalpflege gegen das Projekt kein Einwand“, so Sprecher Stefan Gron.