130 Jahre SPÖ: Versuch des Aufbruchs. Die Partei steckt in einer tiefen Krise. Die Bezirkspartei-Funktionäre fordern wieder mehr Bürgernähe ein.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 16. Januar 2019 (03:00)
zVg
Martin Peterl

„Ich bin irritiert von meiner SPÖ!“, erklärt der frühere Bürgermeister von Spillern Karl Sablik. „Korneuburg war wegen Streitereien verloren gegangen, das macht man nicht!“ Dieser Meinung ist auch der ehemalige Korneuburger Bürgermeister Wolfgang Peterl, der 2010 die relative SP-Mehrheit verloren hat. Künftig müssten Diskussionen in den Gremien erfolgen.

Auf Bundesebene sei beim Streit mit dem Koalitionspartner „das Marketing nicht das beste gewesen“, formuliert es der Stettener Bürgermeister und Vorsitzende des SP-Gemeindevertreterverbandes Thomas Seifert. SPÖ-Bezirksparteivorsitzender Martin Peterl sieht im europaweit zunehmenden Populismus einen Grund für den Wählerschwund der SPÖ. „Populisten spielen mit der Angst, Sachthemen werden in den Hintergrund gedrängt“, bedauert er.

wahldatenbank.at/Wikipedia.org; Fotos: SPÖ; NÖN-Grafik: Bischof

Fehler der eigenen Partei räumt SPÖ-EU-Abgeordnete Karin Kadenbach ein: „Wir waren säumig, darauf hinzuweisen, dass viele soziale Errungenschaften auf Leistungen der SPÖ basieren.“ Zudem habe es auch Fehler in der Kommunikation gegeben. „Wir sind immer Vorzugsschüler gewesen, haben alles genau erklärt – bis uns niemand mehr zugehört hat.“

"Wieder Sprache der Bürger sprechen"

Die SPÖ müsse wieder die Sprache der Bürger sprechen, fordert sie. Diese Meinung teilt Martin Peterl, der persönliche Kontakt sei weniger geworden. Ein weiterer Kritikpunkt Peterls: „Es wurde die Digitalisierung verpasst.“ Es fehle ein digitales Pendant der früheren Arbeiterzeitung. Auch Sablik appelliert, dass man wieder von Haus zu Haus gehen und mit den Menschen reden müsse: „Fahrt’s hin!“

Um wieder zu alter Stärke aufzusteigen, müsse man sich auf das in Grundzügen 130 Jahre alte Parteipogramm stützen, sind sich die Befragten einig. Martin Peterl: „Die Sorgen sind die gleichen: Arbeitszeit, Wohnraum, und Gesundheitsvorsorge.“

Nun sei es an der Zeit, „dass die SPÖ auch stärker kommuniziert, was auf die Menschen zukommen wird – besonders am sozialen Sektor“, verlangt Wolfgang Peterl. Und weiter: „Man muss die Anhäufung des Kapitals bremsen!“ Ähnlich die Meinung Sabliks: Man traue sich nicht, die „bösen“ Kapitalisten anzugreifen, „dabei gibt es Armut im Land.“ Deshalb sei die SPÖ wichtiger als jemals zuvor, so Seifert.

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