„Abfall löst Klopapier ab“: Sammelzentren öffnen wieder. Nach massivem Druck aus der Bevölkerung sperren die Entsorgungsstellen tageweise wieder auf.

Von Veronika Löwenstein, Michaela Höberth und Julia Winter. Erstellt am 09. April 2020 (05:32)
In Gerasdorf klagen Bewohner seit der Schließung des Abfallsammelzentrums vermehrt über illegale Müllentsorgung in der Natur.
Hannes König

Nach der Sperre des Altstoffsammelzentrums (ASZ) aufgrund der Coronakrise häuften sich in den sozialen Netzwerken die Meldungen über illegale Müllentsorgung in Gerasdorf.

Beim Abfallverband Schwechat, zu dem Gerasdorf gehört, kann man den Eindruck nicht bestätigen: „Im ganzen Jahr haben wir bis dato nur drei Meldungen aus Gerasdorf bekommen. Das liegt derzeit noch absolut in der Norm“, so Geschäftsführer Jürgen Maschl.

Die Stadtgemeinde hat dennoch reagiert und öffnet das ASZ jetzt wieder für die Entsorgung von Grünschnitt, Karton und Styropor jeden Freitag von 8 bis 15 Uhr. Die Abgabe dieser Materialien ist im Außenbereich des ASZ möglich.

Immer mehr Gemeinden gehen nun diesen Weg. Mit Ausnahme von Sierndorf waren die Abfallsammelzentren im Bezirk alle gesperrt. „Weil sie eine Begegnungs- und somit eine Ansteckungszone sind“, begründete Gerhard Münzker, Geschäftsführer des Abfallverbands Korneuburg.

Über eine Öffnung würden letztlich die Gemeinden als Betreiber der Zentren entscheiden, verweist er. Der Druck aus der Bevölkerung sei jedenfalls enorm, weiß er aus Gesprächen mit den Bürgermeistern.

Maurer fürchtet langen Rückstau

Viele Gemeinden bieten daher eine tagweise Öffnung an, zumindest für den Grünschnitt. Nicht zuletzt auch deshalb, weil das Gesundheitsministerium kürzlich die Abfallentsorgung als „Deckung der notwendigen Grundbedürfnisse“ definiert hat. Der eingeschränkte Betrieb setze aber gewisse Sicherheitsmaßnahmen voraus: „Schutzausrüstung für das Übernahmepersonal, Besucher müssen Mundschutzmasken tragen und der Abstand ist einzuhalten“, zählt Münzker auf.

Stockerau war eine der ersten Gemeinden, die ihr Abfallsammelzentrum am Samstag wieder zugänglich gemacht haben. Der Andrang war enorm, es bildete sich eine lange Warteschlange vor der Einfahrt. „Unser ASZ hat wieder jeden Nachmittag unter der Woche und am Samstagvormittag geöffnet“, so Stadtchefin Andrea Völkl. Möglich ist der Betrieb aber nur dank strenger Schutzmaßnahmen.

Für Ronald Maurer, Geschäftsführer des Stadtservices Korneuburg, ist eine Öffnung des ASZ ein zweischneidiges Schwert. Einerseits fürchtet er einen langen Rückstau und eine Gefahr für seine Mitarbeiter, andererseits ist ihm bewusst: „Wenn wir noch zwei Monate zu haben, schaffen wir es nicht mehr.“

Auch Maurer bestätigt, dass der Druck aus der Bevölkerung groß sei: „Das Thema Abfall hat mittlerweile das Klopapier abgelöst.“ Korneuburg öffnet deshalb seinen Grünschnittplatz diesen Mittwoch und Donnerstag von 9 bis 15 Uhr und ab 14. April jeden Dienstag und Donnerstag das ASZ. Der Ablauf wird jedoch eingeschränkt.