Korneuburg

Erstellt am 13. Februar 2019, 05:24

von Herwig Mohsburger

Ärzten fehlt der Nachwuchs. Die Nachbesetzung der Ordinationen wird zusehends schwieriger – Jungmediziner fehlen.

Der Arztberuf wurde weiblich, weil die Tätigkeit für Männer zusehends an Attraktivität verliert, ist Bezirksärztevertreterin Martina Hasenhündl überzeugt.Hasenhündl  |  privat/

In Niederösterreich sind 23 Kassenstellen allein für praktische Ärzte vakant, manche Ordinationen stehen schon fast drei Jahre leer. Korneuburg ist einer der wenigen Bezirke, in denen alle 32 Stellen besetzt sind. Bezirksärztevertreterin Martina Hasenhündl aus Stetten bezeichnet dies im Gespräch mit den NÖN als Glückstreffer, „doch es gibt viele Ärzte, die in den nächsten Jahren aufhören werden.“

Voraussichtlich Harmannsdorf und Korneuburg werden die ersten Gemeinden sein, die um eine Nachbesetzung kämpfen müssen, so Hasenhündl. Und das Buhlen um einen Mediziner wird härter: Gab es vor einigen Jahren noch bis zu zehn Bewerber für eine freie Kassenpraxis, fand sich für jede der fünf zuletzt neu vergebenen Praxen nur noch jeweils ein Interessent. Und selbst da brauchte es wie in Langenzersdorf oft mehrere Ausschreibungen und viele Monate des Bewerbens.

 „Bundesweit einheitliche Kassenverträge, von denen ein Arzt auch leben kann, sind genauso nötig wie die Hausapotheken für Landärzte!“ Ewald Priessnitz, Arzt 

Speziell am Land hat die Tätigkeit als Allgemeinmediziner an Attraktivität verloren. Zu einem Gutteil ist die Verdienstmöglichkeit daran schuld. „Ein Arzt braucht ein Einzugsgebiet von gut 2.000 Einwohnern, um die Ordination wirtschaftlich führen zu können“, erklärt Hasenhündl. Dass zahlreichen Landärzten die Verdienststeigerung von bis zu 60 Prozent durch eine Hausapotheke genommen wurde, kritisiert Ewald Priessnitz, Allgemeinmediziner aus Kor-neuburg. Im Bezirk sind fünf Praktiker davon betroffen. Die negative Folge laut Hasenhündl: „Wenn ich zu einem Hausbesuch fahre, habe ich den Rezeptblock statt Arzneien mit.“ Die Patienten müssen sich selber darum kümmern, wie sie zu Medikamenten kommen. Hasenhündl: „Hier besteht Änderungsbedarf!“

Problematisch sieht Hasenhündl auch die wenigen Stu-dienplätze: „Meine Tochter bereitet sich wie viele andere ein Jahr lang auf die Aufnahmeprüfung vor.“ Und rund 40 Prozent der fertigen Ärzte gehen anschließend ins Ausland, weil bessere Bezahlung und weniger Überstunden locken. Neben mehr Ausbildungsplätzen ist es für die Bezirksärztevertreterin unerlässlich, „dass Anreize geschaffen werden, damit mehr Ärzte im Land bleiben!“

Priessnitz vermisst Anreize der Kassen. Es sei höchste Zeit, dass einheitliche Verträge geboten werden, „von denen ein Arzt auch leben kann“. Kritik gibt es von ihm auch, weil zu viele Wahlärzte zugelassen werden.

Bei der Besetzung von Landarztpraxen ortet Hasenhündl aber auch ein gesellschaftliches Problem: „Zogen früher Ärzte aufs Land, waren ihre Ehefrauen meist als Sprechstundenhilfe angestellt. Aber kein Mann geht mit seiner Frau mit, wenn sie eine Ordination eröffnet“, so Hasenhündl.

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