AMS-Programm zur Inklusion: Gemeinsam für neuen Job. Mit einem speziellen Programm will das AMS Menschen mit besonderen Bedürfnissen vermitteln.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 25. April 2019 (05:33)
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Vereint erfolgreich: Werner Gruber von Reisswolf mit „seinem“ Angestellten Bujar Jonuzi, Arbeitsassistentin Pamela Winter und Jutta Mattersberger vom Arbeitsmarktservice. Foto: Mohsburger

Viele Zusatzausbildungen hatte Bujar Jonuzi, gelernter Koch aus Stockerau, gemacht, trotzdem war er rund zwei Jahre arbeitslos. Gehörlosigkeit und Kommunikation in der Gebärdensprache erschwerten die Jobsuche.

Hilfe brachte eine Initiative des Arbeitsmarktservice speziell für Menschen mit besonderen Bedürfnissen: Beim Unternehmen Reisswolf in Leobendorf fand sich eine geeignete Stelle, freut sich Barbara Kickinger, zuständig für Service für Unternehmen beim AMS Korneuburg, über die erfolgreiche Vermittlung. „Oft kann sich ein Unternehmer im Vorfeld nicht vorstellen, wie es ist, einen Menschen mit Einschränkung zu beschäftigen“, so Kickinger im Gespräch mit der NÖN.

„Ich wurde toll unterstützt und bin jetzt Teil der Gruppe“

„Unser Firmenchef ist sehr sozial eingestellt und schaut, dass es den Angestellten gut geht“, erklärt der zuständige Personalchef Werner Gruber die Philosophie des Betriebs. Man war im Vorfeld auch mit anderen Organisationen im Gespräch, hatte sich aber zur Zusammenarbeit mit dem AMS entschieden.

Beim Vorstellungsgespräch wurde Jonuzi von der Arbeitsassistentin für Gehörlose Pamela Winter begleitet. Dies erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem Arbeitsmarktservice. Auch während der Einschulung war Winter als Übersetzerin tätig.

„Ich wurde toll unterstützt und bin jetzt Teil der Gruppe“, freut sich Jonuzi über den vermittelten Job. Der vierfache Familienvater fühlt sich „angekommen“. Besonders bemerkenswert: Mittlerweile nehmen zehn Mitarbeiter an einem Kurs für Gebärdensprache teil.

Mindestens 48 Menschen mit besonderen Bedürfnissen will das AMS Korneuburg heuer zurück in die Arbeitswelt bringen. Die Ersten konnten schon vermittelt werden, so die stellvertretende Geschäftstellenleiterin Jutta Mattersberger. Schwierig ist, dass es kein typisches Unternehmen gibt, das Behinderte aufnimmt. Der Bogen spannt sich vom Familienbetrieb bis zu großen Unternehmen.

Es gibt übrigens beim AMS keinen eigenen Betreuer für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. „Das ist Teil der Ausbildung, jeder Betreuer kann das gleich gut“, so Mattersberger. Aber natürlich werde Rücksicht genommen, wenn einer ihrer Kunden wie Jonuzi besonderer Unterstützung bedarf.

Schwierig bei Jobvermittlung sind die unbegründeten Ängste der Unternehmer, weiß Kickinger: „Man muss ihnen die Furcht nehmen.“ Bei Reisswolf ist dies gelungen. „Wenn vom AMS ein geeigneter Mitarbeiter auch mit besonderen Bedürfnissen kommt – sehr gerne“, lautet das Angebot von Gruber.

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