"Coronasemester": Bei Pannen mit Technik "am Limit". Das „Coronasemester“ war für Schüler, Eltern und Lehrer eine große Herausforderung. Die NÖN hat bei Schuldirektoren und Elternvertretern nachgefragt, wie die Aufgaben bewältigt wurden, welche Probleme es gab und welche Lehren gezogen wurden.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 08. Juli 2020 (04:37)
Pünktlich zur Zeugnisverteilung kam der Regen. Die Schüler der Neuen Mittelschule Hausleiten freuen sich trotzdem auf die Ferien.
Mohsburger

Als Obfrau des Elternvereins der Volksschule und der Neuen Mittelschule in Ernstbrunn stellt Petra Toifl den beiden Schulen ein sehr gutes Zeugnis aus. „Ich kann durchaus nur Positives berichten“, so Toifl. Zu sämtlichen elektronischen Lehrinhalten konnten die Unterlagen auch in Papierform abgeholt werden. Nach dem Hochfahren wurden in beiden Schulen darauf geachtet, dass Geschwister an den selben Tagen Unterricht haben. 

Auch Monika Unterholzner, Elternvereinsobfrau des Stockerauer Gymnasiums, empfand die Zusammenarbeit mit der Schule als sehr gut. „Schwierig waren aber die unterschiedlichen Ansichten der Eltern bezüglich des Unterrichtsumfangs“, so Unterholzner über ihre Erfahrungen

„Es lief recht gut, Distance Learning wurde schnell und gut umgesetzt“, erklären die Direktorin der HAK Korneuburg Gerlinde Tatzber und der Direktor der Neuen Mittelschule Harmannsdorf, Stefan Gamper. Wurden in der HAK zu Beginn noch verschiedenste Kommunikationskanäle benutzt, reduzierte man mit der Zeit nur noch auf schuleigenen Kanäle. „Obwohl wir nur zwei Tage Vorlaufzeit hatten, war rasch eine einheitliche Plattform für die Schüler bespielt“, freut sich Gamper.  

"Es war schwierig, Kinder bei Laune zu halten"

„Wir waren flexibel und haben schnell auf alle Verordnungen reagiert“, zieht die Direktorin des Gymnasiums Stockerau, Claudia Reinsperger, Bilanz. Die Schüler hätten alle Aufgaben sehr gut bewältigt. Ähnlich lautet auch das Urteil von Tatzber, die Schüler haben sich auch im Home-Learning sehr bemüht. Laut Gamper war es allerdings schwierig, die Kinder bei Laune zu halten. Man half sich mit immer wieder neuen Angebote und „bewegten Pausen“. 

Quer durch alle Altersstufen zeigten sich aber Probleme mit der Technik. „Vereinzelt gab es in Familien mit mehreren Kindern nicht ausreichend Laptops“, so Tatzber. Allerdings konnten rasch Geräte zur Verfügung gestellt werden. Schwieriger war die Situation in der Neuen Mittelschule: „Die Kinder waren am Limit, vor allem bei technischen Pannen“, schildert Gamper. Wenn etwa beide Eltern erst am Abend heimkamen und ein Kind den ganzen Tag nicht ins Internet kam, waren diese Kids nahe am Verzweifeln. 

Von Problemen mit zu wenigen Geräten berichtet auch Martina Heger, sie ist die Direktorin der Volksschulen Ernstbrunn und Großrußbach. Zum Teil brauchten die Kinder auch noch Unterstützung der Eltern am PC. „Künftig werden wir dafür sorgen, dass auch die Eltern vorbereitet sind“, so Heger. Ein Wochenplan zur besseren Übersicht habe dafür den Kindern das Lernen daheim erleichtert. 

Hochfahren des Schulbetriebs brachte Erleichterung

Das Hochfahren des Schulunterrichts war für die Kinder aller Altersstufen eine Erleichterung, so die Direktoren. Wegen der Zweiteilung der Klassen hatten sie aber ihre Freunde vermisst. Die Volksschüler taten sich zudem mit dem Gebrauch der Masken schwer. „Ist die Maskenpflicht gefallen, sank auch die Hemmschwelle bei der Distanz“, konnte Heger beobachten. Deshalb und wegen der leicht steigenden Infektionszahlen sei man wieder zur Maskenpflicht zurückgekehrt. 

Beim Unterricht wurden verschiedene Modelle mit unterschiedlichem Erfolg eingesetzt. „Das Blockmodell - drei Tage Schule zwei Tage daheim, dann Wechsel - wird beim nächsten lockdown nicht mehr eingesetzt. Der Wechsel wird tageweise erfolgen“, erklärt Tatzber. Zudem sollen die Schüler, die gerade daheim sind, per Video zugeschaltet werden. Dadurch könne der Unterricht auch unter diesen Bedingungen nahezu normal weitergehen. Mit diesem tageweisen Reißverschlusssystem zufrieden war man in Harmannsdorf, „beim Neustart konnte mit dem Unterricht weitergemacht werden“, so Gamper. 

Unklar ist aber, wieviel vom Stoff die Kinder behalten haben. „Wir werden im Herbst noch darauf achten müssen, wo Nachholbedarf ist“, erklärt Heger. Ähnlich sind die Ahnungen bei höheren Altersstufen. „Gearbeitet wurde ja bis zum Schluss, aber ohne Prüfungen. Im Herbst wird man sehen, was hängengeblieben ist“, kündigt Reinsperger an. Durch die Teilung der Klassen sei der Unterricht aber einfacher gewesen, „es war toll zu sehen, wie man in kleinen Gruppen mit nur 14 statt 28 Schülern arbeiten kann.“ 

"Sind alle ferienreif!"

„Für die Lehrer war der Lockdown sehr zeitintensiv, die sind anständig drangekommen“, beschreibt Tatzber die Aufgaben ihrer Kollegen. Erklärungen und Verbesserungen, die normal einmal vor der Klasse gemacht werden, mussten den Schülern einzeln vermittelt werden. Dazu kam noch die umfangreiche Vorbereitung. „Es war ein besonderes Semester, jetzt sind wir alle ferienreif“, fasst sie zusammen. 

Falls es nochmals zu einem Lockdown kommen sollte, haben die Schüler, die im Herbst neu in der HAK beginnen, bereits bei der Anmeldung ihr eigenes E-Mail-Konto erhalten und sämtliche Infos für Distance Learning. Beim Schulstart im Herbst „ist vieles aber noch Kaffeesudleserei“, so Reinsperger. Die Schulen hätten aber bewiesen, dass sie schnell reagieren können. Heger kündigt an, dass schon die ersten Klassen digital eingebunden  werden und ab dem ersten Schultag neu erstellte Wochenpläne gelten. 

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