Frauen in der Politik: Nur wenige trauen sich. Beruf und Familie sind die größten Hindernisse für das weibliche Geschlecht auf dem Weg in die Politik.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 06. März 2019 (05:44)
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Symbolbild

116 Frauen haben im Bezirk eine Funk-tion in einem Gemeinderat, das ist nahezu ein Viertel aller Sitze. Einzige Bürgermeisterin neben 19 Männern ist Magdalena Batoha von der ÖVP. Im Niederösterreich-Vergleich liegt der Bezirk im guten vorderen Mittelfeld.

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Bereits seit 2010 ist Birgit Hauer-Bindreiter VP-Gemeinderätin in Hausleiten und Ortsvorsteherin der Katastralgemeinde Schmida. „Das Bedürfnis, für die Allgemeinheit da zu sein“ nennt sie als Grund für ihren Einstieg in die Politik. Der Gemeinderat ist zwar eine Männerdomäne, für Hauer-Bindreiter ist das aber kein Problem. Sie ortet, dass „der Ton weniger rauer ist, wenn Frauen dabei sind“, ein unterschiedlicher Zugang zur Arbeitsweise hänge nicht vom Geschlecht, sondern von der Persönlichkeit ab, ist sie überzeugt. Dass neben ihr nur zwei Frauen im Gemeinderat sitzen, habe damit zu tun, „den Drahtseilakt Familie, Beruf und Politik organisatorisch unter einen Hut zu bringen“.

Keine meldete sich: „Aber irgendwer muss was machen"

Zu Stetteldorf am Wagram gehört Inkersdorf. Dort hat Herta Hummel als Ortsvorsteherin und VP-Gemeinderätin seit rund zwei Jahrzehnten das Sagen. Ihr Einstieg in die Politik war pragmatisch: „In der kleinen Ortschaft hat sich niemand gemeldet – aber irgendwer muss was machen.“ „Irgendwer“ ist in Stetteldorf meist männlich, Hummel hat nur eine Kollegin im Gemeinderat. „Das liegt an den Frauen. Wir haben sie ermutigt, aber sie wollen nicht“, so Hummel.

Mit Politik aufgewachsen ist VP-Vizebürgermeisterin Jutta Mayr-Losek aus Großrußbach. So entstand der Gedanke „Wenn ich etwas umsetzen will, muss ich in die Arena“. Seit 2005 sitzt sie im Gemeinderat. Ihr Ansatz: „Gut gemachte Gemeindepolitik ist die Basis für das Politikverständnis.“

Im Gemeinderat von Großmugl findet sich nur eine einzige Frau. „Ich hätte gerne mehr, aber es ist nicht einfach, die Frauen dazu zu motivieren“, erklärt VP-Bürgermeister Karl Lehner. Zu wenig Zeit neben Familie und Job werde meist als Grund genannt. Lehner ist aber zuversichtlich, dass nach der nächsten Wahl mehr Frauen im Gemeinderat sitzen.

„Ich bin als Frau akzeptiert, habe mir das aber hart erarbeiten müssen“, so die Korneuburger VP-Vizebürgermeisterin Helene Fuchs-Moser. Im Umgang mit männlichen Kollegen hat sie keine Probleme, als gelernte Lehrerin kann sie in Diskussionen beruhigend eingreifen.

Die SP-Vizebürgermeisterin von Stetten Elisabeth Reiter sitzt seit 2000 im Gemeinderat. Groß sei der weibliche Nachwuchs aber nicht, „irgendwie fehlt den Frauen meist der Mut“, so Reiter. Dabei brächten Frauen andere Themen in die Politik als Männer, „aber wenn die Familie nicht mitspielt, ist es für Frauen schwierig“, so Reiter.