Herulia & Marko Danubia: Verbot der Verbindungen

Erstellt am 14. Mai 2022 | 05:38
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Stiftungsfest der Herulia im Jahr 1930 mit Vertretern anderer Burschen schaften in der „Wichs“, wie die traditionelle Kleidung genannt wird.
Foto: privat
Der Start der Bünde im Bezirk Korneuburg erfolgte im Geheimen: Erst nach 1919 durften Mittelschüler Vereinen angehören, während des Nazi-Regimes wurden sie aufgelöst.

Zwei Verbindungen bestehen im Bezirk bereits seit über 100 Jahren. Sie blicken auf eine bewegte Geschichte zurück.

Als Lesebund Herulia 1908 gegründet, stammt der aktuelle Name aus dem Jahr 1946. Die Verbindung wurde mehrmals aufgelöst, den Grund kann man sich kaum vorstellen: Mittelschülern war es bis 1919 verboten, Vereinen anzugehören bzw. solche zu gründen.

Ident verlief die Entwicklung der Marko Danubia Korneuburg: auch 1908 gegründet, bis 1919 im Verborgenen geblieben. Bis zum Beginn der 1930er-Jahre konnte sich die Marko Danubia etablieren, ihre Bälle und Tanzveranstaltungen waren fixer Bestandteil der Gesellschaft.

Weil in Deutschland im Jahr 1933 eine zwangsweise Annäherung an den Nationalsozialistischen deutschen Studentenbund begonnen wurde, kam es zur Abtrennung vom deutschen CV und zur Gründung des Österreichischen Cartellverbandes ÖCV. Im Juni 1934 beschloss die Herulia, dass kein Mitglied Nationalsozialist sein darf. Zur Zeit des Austrofaschismus von 1933 bis 1938 hatte der ÖCV in der Politik eine wichtige Rolle. Junge Akademiker, die dem ÖCV angehörten, gelangten schnell an Spitzenpositionen in Politik und Verwaltung. In den Bundesregierungen unter Dollfuß gehörte die Mehrheit der Minister dem Verband an.

Mit dem Einmarsch und dem Anschluss wurden die Studentenverbindungen verboten und aufgelöst. Viele Mitglieder des Österreichischen Cartellverbandes wurden zu politisch Verfolgten, betätigten sich zum Teil im Widerstand.

Nach dem Kriegsende erfolgte die Wiederbegründung der Verbindungen und des ÖCV. Die Marko Danubia etablierte sich im Sport und durch die Veranstaltung von Bällen in der Korneuburger Gesellschaft. Die Herulia bezog 1961 ihr aktuelles Vereinslokal, „Bude“ genannt. Im selben Jahr wurde der erste Bundeskanzler der Zweiten Republik, Leopold Figl, im Zuge des 50. Stiftungsfests Ehrenmitglied der Herulia.

Zwei Verbindungen wurden im Bezirk gegründet, verlegten aber ihren Sitz nach Wien. Die katholische akademische Verbindung Danubia Wien-Korneuburg entstand 1907, weil man Korneuburg nicht den „Freisinnigen“ – heute eher Deutschnationale – überlassen wollte. Als „Tochterverbindung“ gründeten die Studenten für Mittelschüler die Marko Danubia, zogen selbst aber nach Wien um. Die K.H.V. Babenberg Wien wurde 1910 in Stockerau gegründet, um ein Gegengewicht zu schlagenden Burschenschaften zu schaffen. Die Aufnahme in den CV war aber erst möglich, nachdem der Hauptsitz nach Wien verlegt worden war.

Für das weibliche Geschlecht gibt es seit bald 33 Jahren die C.Ö.M.St.V. Laetitia mit aktuell rund 40 jungen Damen. Sie residieren in Korneuburg im ehemaligen Augustiner-Kloster und beschäftigen sich mit Sozialprojekten.