Hundehaltegesetz: Diskussion um den Beißkorb. Neue Regeln sorgen für Ärger bei den Hundehaltern. Besonders die Vorgaben für die Beißkorbpflicht regen auf.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 13. November 2019 (05:47)
Leine und Beißkorb sind für Maximilian und Tarek kein Problem, wenn es mit Frauchen Eva-Maria Huto auf die Straße geht. Foto: Mohsburger
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Für ein Aufjaulen sorgt das neue vom NÖ-Landtag beschlossene Hundehaltegesetz. Kritik hagelt es vor allem für die verstärkte Beißkorbpflicht „bei größeren Menschenansammlungen“. Gesammelt werden nun sogar Unterschriften für eine Volksbefragung. Die NÖN hörte sich in der Region um, wie dort die verschärften Bestimmungen für Vierbeiner ankommen.

Gepp sieht Definitionsprobleme

„Es sagt ja keiner, dass ich vor der Haustüre Leine und Beißkorb nehmen muss“, versucht FPÖ-Landtagsabgeordnete Ina Aigner zu beruhigen. Auch sie hat sie den einstimmigen Beschluss mitgetragen. In kleinen Gemeinden werde es wohl kaum Probleme geben: „Es gibt keine Parks, in Bäder dürfen Hunde jetzt schon nicht und Menschenansammlungen gibt es auch kaum“, so Aigner. Sie hat selbst drei Hunde und sieht keine Schwierigkeiten, wenn bei Bedarf ein Beißkorb verwendet werden muss.

ÖVP-Landtagsabgeordneter Christian Gepp hat ebenfalls für das Gesetz gestimmt und muss es als Korneuburger Bürgermeister umsetzen. Noch sieht er Definitionsprobleme, etwa bei der Auslegung „Was ist eine Gruppe?“. Grundsätzlich seien viele der Bestimmungen aber schon vorhanden gewesen und wurden nur zusammengeführt, so Gepp, der mit Hunden aufgewachsen ist.

In der Praxis habe es in der Stadt bei rund 1.000 registrierten Hunden kein einziges Problem gegeben, beruhigt Gepp. Deshalb gibt es für ihn momentan keine Veranlassung, in der Stadt sogenannte „sensible Zonen“ zu bestimmen. Damit das so bleiben kann, setzt die Stadt auf die Verantwortung der Hundehalter. In Korneuburg werden zudem Therapiehunde in Kindergärten und Schulen eingesetzt, um den Kindern das richtige Verhalten beizubringen.

Auch in Stockerau werden Hunde nicht ständig einen Beißkorb tragen müssen. ÖVP-Bürgermeisterin Andrea Völkl ist aber überzeugt: „Überall dort, wo sich Kinder bewegen, wo es Lärm gibt, haben ungesicherte Hunde nichts verloren!“ Sie kann sich somit vorstellen, dass Nahbereiche von Schulen, Kindergärten und Spielplätzen zu „sensiblen Zonen“ werden können. Keine sensible Zone wird die Au, „allerdings gilt dort ohnedies zum Schutz der Tiere eine Leinenpflicht“, erinnert Völkl.

Beißkorb eine Illusion von Sicherheit?

Aktuell sind Verstöße gegen das Hundehaltegesetz und damit auch gegen die Leinenpflicht übrigens kein großes Thema im Bezirk. 16 Anzeigen gab es heuer, in zehn Fällen wurde eine Strafe verhängt, erklärt Bezirkshauptfraustellvertreter Thomas Krenhuber auf Anfrage. Fraglich sei, wie sich die Privatanzeigen mit Inkrafttreten der Novelle entwickeln.

Der Beißkorb ist für Tierarzt Wolfgang Babinek aus Würnitz „eine Illusion von Sicherheit, doch er löst keine Probleme“. Bei Schäferhunden passe er meist sehr gut, bei anderen Rassen sei aufgrund der Form der Schnauze ein sicherer Halt oft nicht gegeben. Zudem würden Beißkörbe in vielen Fällen nur als Alibi angesehen und bewusst falsch angebracht.

Für ihn wäre es wichtiger, geeignete Schulungen vorzuschreiben. Dieser Meinung ist auch die Obfrau des Vereins für Deutsche Schäferhunde in Stockerau und Hundetrainerin Eva-Maria Huto. Sie verlangt einen Sachkundetest, bevor ein Hund genommen werden darf, einen verpflichtenden Hundeführerschein und Familienhundekurse. Diese Grundausbildung müsse verpflichtend werden, denn „das Hunde-ABC – Sitz!, Platz!, Hier! – ist lebensentscheidend“, mahnt die erfahrene Trainerin.

Sie appelliert auch an die Besitzer: „Bei Menschenansammlungen oder in ein Lokal gehört ein Hund nicht hin.“ Generell sollte laut Huto der Beißkorb in Räumen, Leine oder Laufleine nur im Freien, wenn niemand gestört werden kann, verwendet werden. Die „sensiblen Orte“ bezeichnet sie als absoluten Nonsens. Es müsse jedem klar sein, dass man etwa in der Nähe eines Kindergartens Leine und Beißkorb nimmt.

Wenn ein Hund den Beißkorb nicht will, liegt das laut Huto zu 90 Prozent daran, dass oft billig und ohne Fachberatung gekauft wird. Die Folge: „Die Beißkörbe sitzen schlecht, scheuern oder reizen die Augen.“

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