Scheue Wildtiere: Neue Arten werden kaum sesshaft. Wenig Rückzugsgebiete und intensiver Ackerbau – Bezirk ist nicht attraktiv.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 20. Februar 2019 (05:38)
Löwenstein
Wölfe sind im Bezirk Korneuburg nur imNaturpark Ernstbrunn zu sehen. In freier Natur werden sie meist mit den optisch ähnlichen Wolfshunden verwechselt.

Die Wahrscheinlichkeit, im Bezirk einem eingewanderten Wildtier zu begegnen, ist laut dem Naturparkranger aus den Leiser Bergen, Alexander Ernst, „äußerst gering“. Es könne sein, dass sich ein Elch aus dem Böhmerwald in unsere Gegend verirrt. Vor 20 Jahren fiel einer einem Verkehrsunfall im Gebiet von Göllersdorf zum Opfer. Dies passiere dann, „wenn ein Tier auf Wanderung durchzieht“, so Ernst im Gespräch mit den NÖN.

Bezirk für Säugetiere wie Elche ungeeignet

Wenn einzelne Exoten den Bezirk besuchen, „dann sind das Männchen auf Wanderschaft, die ein neues Revier suchen“, erklärt Sebastian Schmid, Förster bei der Reuss’schen Gutsverwaltung in Ernstbrunn, auf Anfrage. Als Lebensraum ist der Bezirk für Säugetiere wie Elche ungeeignet, sind die Experten überzeugt. Ackerbau in Verbindung mit wenigen Rückzugsgebieten macht die Gegend laut Ernst unattraktiv, „weil die Tiere scheu sind und Ruhe brauchen“.

„Vor sechs oder acht Jahren wurde vermutet, dass ein Luchs in der Nähe von Ernstbrunn unterwegs war“, erinnert sich Schmid. Konkrete Bestätigung dafür gab es aber keine. Wölfe hingegen wurden außerhalb des Geheges bei Ernstbrunn noch keine gesichtet.

Wenn auch keine neuen Gattungen in den Bezirk ziehen, ist doch zu beobachten, dass Tiere, die schon einmal hier heimisch waren, wieder verstärkt auftreten, so Schmid. Einen regelrechten Aufschwung hatten die Biber, während die im Waldviertel bereits zum Problem gewordenen Fischotter im Bezirk kaum auftreten.

Insekten stellen größte Gruppe der Exoten

Anders als bei den Säugetieren sieht es im Luftraum aus. So brütet etwa der Rotmilan, ein habichtartiger Greifvogel, wieder im Bezirk. „Vögel sind einfach mobiler“, erklärt Schmid die vermehrten Sichtungen von Arten, die nicht heimisch sind. Dazu zählen auch See-, Stein- und Kaiseradler, die „manchmal auf einen Tagesausflug vorbeischauen“, wie es Ernst formuliert. Diese Touristen brüten allerdings nicht im Bezirk, sondern in den Marchauen.

Meist unbeachtet stellen Insekten die größte Gruppe der Exoten. Oft mit fernen Obstlieferungen eingeschleppt, finden sie eine ideale Umgebung mit wenig Feinden. Sie fallen oft erst dann auf, „wenn sie als Schädlinge in Erscheinung treten“, so Ernst. Die asiatische Form des Marienkäfers sei ein Beispiel, wie eine eingeschleppte Art zur Plage werden kann.

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